NBA-Finals: Dirk Nowitzki im Interview

"Holger Geschwindner mag den Fadeaway nicht"

Von Aufgezeichnet von Haruka Gruber
Dienstag, 31.05.2011 | 09:28 Uhr
Dirk Nowitzki und Holger Geschwindner beim heimatlichen Sommertraining in Rattelsdorf
© Imago
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Kurz vor dem Finals-Start bei den Miami Heat (2.45 Uhr im LIVE-TICKER) stand Dallas-Mavericks-Superstar Dirk Nowitzki den deutschen Journalisten Rede und Antwort. Und das erstaunlich entspannt. Mit einem gut gelaunten "Go Mavs!" beendete er die Telefonkonferenz. Aber was hält er davon, dass ihn LeBron James verteidigt? Warum hat Mentor Geschwindner etwas gegen seinen besten Wurf? Das Interview.

Frage: Wie werden Sie sich direkt vor dem Tipoff auf Spiel 1 in Miami vorbereiten? Hören Sie Musik?

Dirk Nowitzki: Ja, Musik ist mir schon immer sehr wichtig. Vor einem Spiel ist die ganze Bandbreite dabei, vor allem härterer Rock. AC/DC, Stones, Metallica, Led Zeppelin.

Frage: Und wie sah Ihre Vorbereitung in den letzten Tagen aus?

Nowitzki: Wir hatten etwas Zeit, um zuhause zu relaxen und abzuspannen, aber gleichzeitig auch zu trainieren, um fokussiert zu bleiben. Am Sonntag sind wir nach Miami geflogen, am Montag stand die erste Einheit in der Halle an. Spätestens dann hieß es wieder: Vollgas geben.

Frage: Üben Sie speziell Ihren wichtigsten Wurf, den One-Legged-Fadeaway-Shot?

Nowitzki: Ich trainiere ihn gar nicht so oft. Im Training schieße ich ein paar Runner, aber es ist nicht so, dass er der einzige Wurf ist, an dem ich speziell arbeite.

Frage: Wie kommt es dann, dass Sie ihn so oft einsetzen?

Nowitzki: Es hat sich im Spiel so entwickelt. Vor allem seit die Gegenspieler mich sehr, sehr eng verteidigen und kaum Raum zum Werfen lassen. Dann ist der Fadeaway ein Weg, um mir Freiraum zu schaffen für einen kurzen Schritt. Das reicht normalerweise, um über den Verteidiger zu werfen, weil ich ja relativ schnell schieße und einen guten Touch habe. Mit Balancegefühl stehen die Chancen gut, dass der Ball reingeht.

Frage: Gibt Ihnen Ihr Mentor Holger Geschwindner die Anweisung, so oft den Fadeaway zu werfen?

Nowitzki: Überhaupt nicht, der Holger mag den Schuss gar nicht so. Für ihn sind es häufig sogar zu viele Fadeaways. (lacht)

Frage: Miamis Superstar LeBron James sagt, dass er sich darauf freut, Sie zu verteidigen. Wie waren Ihre Erfahrungen mit ihm?

Nowitzki: Bisher hat er mich noch nicht allzu oft verteidigt. Aber ich glaube schon, dass die Heat ab und zu ein Small Lineup bringen werden, in der LeBron auf der Power-Forward-Position spielt. Er ist ein guter Verteidiger, er ist kräftig, aber auch schnell. Wir werden abwarten müssen, wie sie spielen, wie die Laufwege sein werden. Sollte er wirklich auf der Vier auflaufen, müssen wir uns als Mannschaft daran anpassen und etwas anders spielen. Aber das ist dem Coach überlassen, wir werden schon einen Weg finden.

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Frage: Was denken Sie über James als Mensch und Basketballer?

Nowitzki: Ich habe ihn einige Male beim All-Star-Game kennengelernt. Ein netter Typ. Basketballerisch ist er einer der Besten zurzeit. Er hat eigentlich keine Schwachstellen: Er wirft derzeit sehr gut von außen - und wenn er die trifft, wird es schwer. Dazu kann er aufposten, er beherrscht jede Bewegung und er ist ein Super-Passgeber. Er wird seine Punkte machen. Einen großartigen Spieler kann man nicht alleine verteidigen, deswegen müssen wir immer zu fünft aufpassen, auf der Ballseite zu sein und zu versuchen, ihm seinen Freiraum wegzunehmen.

Frage: Dallas war im Sommer einer der Interessenten an James - am Ende ging Ihr Klub jedoch leer aus. Sie selbst haben immer dafür plädiert, einen zweiten Superstar zu verpflichten. Sind Sie wie im Grunde alle davon überrascht, dennoch in den Finals zu stehen?

Nowitzki: Der Schlüssel bisher war es, dass es uns gelungen ist, zum richtigen Zeitpunkt sehr gut zu spielen. Vor den Playoffs lief es ja nicht ganz so toll, wir haben ein paar Spiele verloren, die wir hätten gewinnen müssen. Wichtig war Spiel 4 in Portland, als wir im vierten Viertel mit fast 20 Punkten geführt und das Ding doch noch verloren haben. Das hat uns zusammengebracht. Die Niederlage war wichtig für uns, denn dann haben wir uns als Mannschaft zusammengesetzt und daraufhin Spiel 5 in Dallas und Spiel 6 in Portland gewonnen. So haben wir uns das Momentum verschafft. Seitdem spielen wir sehr guten Basketball.

Frage: Warum wird es 2011 besser klappen als 2006?

Nowitzki: 2006 waren wir jünger und haben den Fehler gemacht, nach dem 2-0 nicht mehr voll durchzuziehen. Ich hoffe, dass das diesmal nicht passiert. Wir haben auf jeder Position viele erfahrene Leute. Diese Erfahrung hat uns sehr weit gebracht. Vor allem zum Schluss eines Spiels, wenn es darauf ankommt, haben wir in der Verteidigung sehr gut gestanden. Es ist sehr wichtig, dass Tyson Chandler und Brendan Haywood hinten zumachen. Und vorne haben wir sehr viele Waffen und sehr gute Schützen von außen. Hoffen wir, dass es so weitergeht.

Frage: Blockiert Sie aber der Gedanke daran, dass es dennoch wieder nicht zum Titel reichen könnte und Sie der Unvollendete bleiben?

Nowitzki: Ich mache mir darüber keine Sorgen. Ich will ein Teil des besten Teams sein, das ist meine Motivation, mein einziges Ziel. Die ganze "Mit Ring, ohne Ring"-Diskussion, das alles ist mir ziemlich egal. Ich will dieses Jahr nur das Ding holen und dafür werde ich alles versuchen.

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