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NBA - Paul Georges Verbleib bei den Oklahoma City Thunder: Doch noch eine Lovestory

Russell Westbrook und Paul George bilden Gegenwart und Zukunft bei den OKC Thunder.
© getty

Mit der Weiterverpflichtung von Paul George haben die Oklahoma City Thunder einen Coup gelandet. Zusammen mit Russell Westbrook, mit dem ihn eine besondere Beziehung verbindet, bildet PG-13 eine Anomalie in der NBA-Welt. Der Preis dafür ist allerdings sehr hoch.

Am vergangenen Samstag schmiss Thunder-Superstar Russell Westbrook laut ESPN eine fette Party in einem seiner Häuser am Arcadia Lake. Hunderte Fans waren geladen, ein Privat-Konzert von Rapper Nas gab es obendrein. Der Star des Abends allerdings war Paul George, zu diesem Zeitpunkt noch Unrestricted Free Agent.

Russ holte ihn am Abend auf die Bühne und übergab ihm das Wort. Dann erklärte PG-13: "Falls ihr es noch nicht alle mitbekommen habt, sage ich es gerne noch einmal: Ich bin hier, um zu bleiben." Ja, George unterschrieb allen Unkenrufen zum Trotz einen Vierjahres-Vertrag zu maximalen Bezügen bei den Thunder.

Als General Manager Sam Presti im Sommer 2017 einen Trade mit den Pacers einfädelte, der seinem Team im Tausch für Victor Oladipo und Domantas Sabonis George einbrachte, roch der Deal noch verdächtig nach einem Leihgeschäft. Denn Indiana gab seinen Star nur ab, weil dieser längst geäußert hatte, in der Free Agency 2018 ohnehin zu wechseln - und zwar zu den Los Angeles Lakers.

Eine Saison lang hatten die Thunder von diesem Trade an Zeit, George von diesem Vorhaben abzubringen, schließlich änderte das Geschäft nichts daran, dass der Spieler die besagte Offseason als Free Agent erleben würde. Und seine Hometown-Mannschaft, die Lakers, rieben sich schon die Hände.

Paul George: "Westbrook ist einer der besten Menschen"

Und obwohl es sportlich nicht gut lief bei den neuformierten Thunder - das Aus in der ersten Playoff-Runde war eine Enttäuschung -, haben sie es geschafft, George umzustimmen. "Sie waren immer großartig zu mir, immer offen und ehrlich. Ihre Beziehung war immer authentisch, alles war echt. Dank Sam [Presti] und Russ [Westbrook] habe ich in dieser Organisation eine neue Familie gewonnen", begründete er bei ESPN seine Entscheidung.

Einfach sei ihm diese nicht gefallen, es sei ein sehr schwieriger Prozess gewesen, gab George zu - ebenso wie die Tatsache, dass es ihn vor einem Jahr enttäuscht hatte, nicht bei den Lakers zu landen. "Ich wollte zu ihnen. Doch unglücklicherweise bin nicht zu den Lakers getradet worden. Sondern nach Oklahoma - was im Nachhinein eine wunderschöne Sache für mich wahr."

Auch, wenn es auf dem Feld nicht immer so wirkte: Westbrook und George harmonieren prächtig miteinander. Russ war einer der Hauptgründe für Goerges Verbleib: "Er ist einer der besten Menschen, den ich je um mich herum hatte." Und: "Mit ihm kann ich gewinnen."

Paul George will einen Titel mit den Thunder gewinnen

Mit seiner Loyalität gegenüber der Thunder hat George gewissermaßen für eine Anomalie in der Association gesorgt. Auf der einen Seite steht eben dieses Team in diesem kleinen Markt mit zwei Superstars - die zufällig beide aus Los Angeles kommen und sich dort auch heimisch fühlen. Auf der anderen Seite gibt es diese Lakers, die wohl den größten Markt der NBA bieten und traditionell aggressiv um Free Agents werben, besonders gerne bei "Hometown Heroes".

Russ hat solche Umgarnungen mit seinen Vertragsverlängerungen erst gar nicht ermöglicht und auch George wiederstand dem Glamour und dem Lächeln von Magic Johnson letztlich doch noch. Lieber bleiben sie in Oklahoma City - was dieser Tage alles andere als selbstverständlich ist.

"Dabei geht es um mehr als um Loyalität" erklärte George. "Es geht darum, das Richtige zu tun. Und ich habe das Gefühl, dass ich hier die Chance habe, meine Ziele zu erreichen und eine Championship an einen Ort zu bringen, wo es noch nie eine gegeben hat."

George glaubt offenbar an die Fähigkeiten des proaktiven Prestis, dieses Team zu verbessern und auf Championship-Niveau zu heben. Dabei hilft auch Georges Entscheidung, langfristig zu unterschreiben anstatt bloß für zwei Jahre im beliebten One-plus-One-Format. Damit nimmt er den Thunder nämlich den Druck, innerhalb von einer Saison abliefern zu müssen in der Angst, PG-13 sonst doch wieder zu verlieren.

OKC Thunder zahlen Rekord-Steuern

Der Preis, den die Thunder für George und ihre gute Ausgangsposition zahlen, ist aber sehr hoch. Durch die Vertragsverlängerungen von Jerami Grant (3 Jahre, 27 Millionen Dollar) und Raymond Felton (1/2,3), das Aufnehmen der Spieler-Option Carmelo Anthonys (27,9) und die Verpflichtung Nerlens Noels (2/3,4) zahlen die Besitzer insgesamt horrende Summen an Gehältern und Luxussteuern.

Laut Spotrac sind für die Saison 2018/19 schon 164 Millionen Dollar an reinen Gehältern fällig, was sie sehr weit in den Luxussteuer-Bereich hereinkatapultiert - und zwar zum vierten Mal in Folge. Durch diesen Status als Wiederholungstäter steigt der Steuer-Satz noch einmal, laut ESPN auf Stand jetzt 150 Millionen Dollar im nächsten Jahr. Die Gesamtsumme von 314 Millionen zu zahlenden Dollar stellt ein All-Time-Rekord da, nicht mal die Warriors kommen in diese Sphären.

Freilich gibt es in der laufenden Offseason noch ein paar Möglichkeiten, um die Payroll zu reduzieren. Kyle Singler könnte gewaived und sein Gehalt gestretcht, Rollen-Spieler wie Alex Abrines oder Patrick Patterson könnten getradet und in der Free Agency günstiger ersetzt werden. Auch ein Trade Melos ist nicht ausgeschlossen, sofern es Teams gibt, die unbedingt auslaufende Verträge brauchen und dafür Gehalt abgeben, das sich über mehrere Jahre erstreckt.

Die OKC Thunder sind ein Gewinner der Offseason

Die Auswirkungen wären natürlich trotzdem nicht riesig. Zudem ist die finanzielle Strategie in OKC durchaus überraschend, wenn man sich daran erinnert, dass das Front Office 2012 beispielswiese Gehalt und Steuern sparen wollte, indem man James Harden mit dessen Forderungen Richtung Houston schickte.

Verständlich ist die Kehrtwende aber allemal, denn Presti will um jeden Preis verhindern, dass seine Mannschaft in der sportlichen Bedeutungslosigkeit versinkt. Der Weg aus dieser heraus ist traditionell schwer - also greift man lieber tief in die Tasche, um ihn gar nicht erst antreten zu müssen.

Ob OKC ein Contender werden kann - was ja das Ziel von George ist - kann wohl noch nicht beantwortet werden. Aktuell sind sie es nicht, auch, wenn das Team besser ist als es das Abschneiden in der Vorsaison vermuten lässt. Die Verletzung von Andre Roberson hat sie hart erwischt, für die Defense war er unersetzlich. Gerade im Verbund mit George könnte OKC eine der erdrückendsten Verteidigungen auf dem Flügel bilden und Steven Adams ist obendrein ein sicherer Anker. Noels Verpflichtung kann sich defensiv ebenfalls als Volltreffer erweisen, wenn sich dieser endlich mal aufs Wesentliche konzentriert.

Und wer weiß: Vielleicht entfacht die Sicherheit, dass das Team um Russ und George eine sichere Zukunft hat, eine neue und verbesserte Dynamik, die in der Offensive bitter nötig wäre - vor allem vor dem Hintergrund der noch brutaler gewordenen Western Conference.

Unabhängig davon steht eines aber jetzt schon fest: Durch den Verbleib von George gehören die Thunder zu den Gewinnern der Offseason. Ihre hohe Risiko-Bereitschaft zu großen Deals in den letzten Jahren - die stets als Antwort auf Rückschläge wie dem Durant-Abschied kamen - hat sich erneut ausgezahlt. Ein auf der Landkarte kleines Team bleibt groß.

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