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NBA Playoff Preview, OKC Thunder vs. Utah Jazz: Ritt auf der Rasierklinge

Von Philipp Jakob
Auf Russell Westbrook und die Oklahoma City Thunder wartet ein enges Duell mit den Utah Jazz
© getty

Die Utah Jazz gehen als eines der heißesten Teams der NBA in die Playoffs 2018. Die erste Runde wird allerdings alles andere als ein Selbstläufer. Mit den Oklahoma City Thunder wartet viel Starpower - und ein bis in die Fingerspitzen motivierter Russell Westbrook. Eins ist klar: Es wird extrem eng. Doch welches Team kann sich am Ende durchsetzen?

Oklahoma City Thunder vs. Utah Jazz: Die Ausgangslage

Russell Westbrook hat einen Platz in den Geschichtsbüchern der NBA sicher. Für alle eventuellen Zweifler lieferte der Point Guard der Thunder auch 2017/18 mal wieder eine historische Spielzeit ab. Westbrook legte zum zweiten Mal in Folge ein Triple-Double über die komplette Spielzeit auf, das gelang vor ihm noch keinem anderen Spieler in der Association.

Und dennoch: Im Rennen um die MVP-Trophäe spielt Westbrook in diesem Jahr trotz seiner erneut unglaublichen Leistungen so gut wie keine Rolle. Erfreuen wird das den 29-Jährigen nicht unbedingt, aber es ist erklärbar: Die Thunder liefen die komlette Spielzeit den Erwartungen hinterher. Nachdem im vergangenen Sommer Paul George und Carmelo Anthony per Trade nach Oklahoma City gelotst wurden, lief bei Weitem nicht alles glatt.

Vielmehr war die Saison geprägt von Querelen um Melo und dessen Rolle, bei George hing das Thema Free Agency 2018 beständig wie ein Klotz am Bein. Hinzu kamen teils unverständliche Niederlagen wie gegen Brooklyn oder Phoenix. Immerhin - und vor allem dank Westbrook - sicherten sich die Thunder mit 48 Siegen und 34 Niederlagen noch haarscharf den vierten Platz im Westen und damit den Heimvorteil.

Auch auf Seiten der Jazz gab es in der abgelaufenen Saison eine dominante Figur, der ein ähnliches Schicksal wie Westbrook droht: Donovan Mitchell. Als No.13-Pick in sein erstes Jahr im Profi-Basketball gestartet, hat sich der 21-Jährige schnell in den Herzen der Utah-Fans etabliert. Der Shooting Guard führte mit durchschnittlich 20,5 Punkten pro Partie nicht nur die Jazz, sondern auch alle Rookies im Scoring an - und dennoch wird auch er aller Voraussicht nach leer ausgehen, wenn nach der Saison die verschiedenen individuellen Awards vergeben werden.

Dabei hatte Mitchell einen großen Anteil daran, den schmerzhaften Abgang von Gordon Hayward mehr oder weniger vergessen zu machen und half den Jazz, in einem der engsten Playoff-Rennen der vergangenen Jahre Platz fünf in der Western Conference klar zu machen.

Nun gehen die Jazz als eines der heißesten Teams in die Post-Season. Seit der Rückkehr von Rudy Gobert nach dessen Knieverletzung ist Utah kaum zu stoppen, 17 der vergangenen 21 Partien entschied das Team aus Salt Lake City für sich. Ob noch weitere Erfolge in dieser Saison aufs Konto der Jazz hinzukommen, entscheiden vor allem Westbrook und Mitchell. Beide werden in den Playoffs beweisen wollen, dass es ein Fehler war, keine Awards an sie zu verteilen.

Oklahoma City Thunder vs. Utah Jazz : Die Ergebnisse der Regular Season

DatumHeimteamAuswärtsteamErgebnis
21.10.2017JazzThunder96:87
05.12.2017ThunderJazz100:94
20.12.2017ThunderJazz107:79
23.12.2017JazzThunder89:103

NBA Playoffs 2018: So gewinnen die Thunder die Serie

Alles steht und fällt mit Westbrook. Der Point Guard kann einzelne Spiele wie auch ganze Serien im Alleingang entscheiden, es gibt aber auch immer eine Kehrseite der Medaille. Sollte RW0 zu aggressiv agieren und zu sehr auf sein eigenes Spiel bedacht sein, könnte er den Thunder mehr schaden als helfen. Was OKC gegen die Jazz von Westbrook braucht, ist klar: Aggressive Drives und das Auge für die Mitspieler.

Auch wenn unter dem Korb des Gegners mit Gobert einer der besten Ringbeschützer der NBA wartet, Westbrook muss eben diesen attackieren, wenn die Thunder erfolgreich sein wollen. Das hat vor allem zwei Gründe: Einerseits könnte es für Westbrook schnell nach hinten losgehen, wenn er sich ausschließlich auf seinen Midrange-Jumper oder den Dreier verlässt. Andererseits sind die Drives wichtig, um Räume für die Teamkollegen zu öffnen.

An dieser Stelle kommt der Supporting Cast angeführt von George und Anthony ins Spiel. Beide verfügen über viel Playoff-Erfahrung - im Gegensatz zu den noch recht jungen Jazz ein ungemeiner Vorteil - und haben ohne Frage die Qualität, den Jazz schlaflose Nächte zu bereiten. Gleiches gilt für Steven Adams, der sich unter dem Korb ein spannendes Privat-Duell mit Gobert liefern wird.

Doch sie alle müssen in die Offense integriert werden und genau das ist der Job von Westbrook. Einer von vielen. Neben dem eigenen Scoring und dem Playmaking beeinflusst er das Spiel der Thunder auch mit dem Rebounding enorm. OKC schnappte sich in der regulären Saison 27,2 Prozent aller möglichen Offensivrebounds. Das ist der Bestwert in der NBA. Können Adams und Westbrook auch gegen Utah so unter den Brettern wühlen, haben die Thunder einen weiteren Vorteil auf ihrer Seite.

Der Kader der Oklahoma City Thunder

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Russell WestbrookCorey BrewerPaul GeorgeCarmelo AnthonySteven Adams
Raymond FeltonTerrance FergusonJerami GrantPatrick PattersonDakari Johnson
PJ DozierAlex AbrinesJosh HuestisNick Collison
Andre RobersonKyle Singler

NBA Playoffs: So gewinnen die Jazz die Serie

Das Aushängeschild der Jazz ist ohne Zweifel die Defense. Mit seiner Länge, Athletik und seinem Basketball-IQ ist Gobert der perfekte Anker, der in der Verteidigung alles zusammenhält. Wie gut das funktioniert, zeigt der Blick in die Statistiken: Mit einem Defensiv-Rating von 101,6 stellen die Jazz die zweitbeste Defense in der Association. Das liegt jedoch nicht allein am Franzosen.

Utahs Erfolg hängt zum großen Teil auch mit Head Coach Quin Snyder zusammen, der sein Team so gut wie immer optimal auf die kommenden Aufgaben einstellt. Zudem besticht der Kader mit guten Rollenspielern um den seit seinem Trade in den Mormonen-Staat deutlich verbesserten Jae Crowder, den MIP-Kandidaten Joe Ingles oder Royce O'Neale sowie einer hervorragenden Chemie. Das alles sollte helfen, um die Thunder in ihrem Schaffen zumindest einzuschränken.

Nicht zu vergessen ist außerdem der bärenstarke Backcourt. Ricky Rubio spielt vielleicht auf dem höchsten Niveau seiner Karriere und trifft vor allem verlässlich seinen Dreier (35,2 Prozent). Allerdings ist die Post-Season auch für den Spanier eine Premiere, genau wie für Mitchell. Man wird erst sehen müssen, wie die beiden "Playoff-Rookies" unter dem besonderen Scheinwerferlicht agieren.

Vor allem Mitchell wird aber eine tragende Rolle übernehmen müssen, wenn die Jazz in die nächste Runde einziehen möchten. Sein Vorteil: Mit Andre Roberson fällt der Edelverteidiger der Thunder verletzungsbedingt aus, auch Corey Brewer ist angeschlagen. Wenn Mitchell es schafft, wie in der regulären Saison geschehen, in der Offense zu dominieren, stehen die Thunder vor gewaltigen Problemen.

Der Kader der Utah Jazz

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Ricky RubioDonovan MitchellJoe InglesDerrick FavorsRudy Gobert
Dante ExumAlec BuksRoyce O'NealJae CrowderEkpe Udoh
Raul Neto Jonas JerebkoTony Bradley
David Stockton Georges Niang

Thunder vs. Jazz: Wer gewinnt die Serie?

Alles in allem verspricht die Serie einen engen Kampf zwischen zwei Teams auf Augenhöhe. Die Jazz haben bewiesen, dass sie gerade in der Defense extrem giftig sind. Allerdings stellt die Unerfahrenheit ein großes Fragezeichen dar. Hier liegt der Vorteil klar auf Seiten der Thunder, die zudem zweifelsohne über mehr Starpower verfügen. Die vergangene Spielzeit hat aber gezeigt, dass das keine Garantie für Erfolg ist. Dennoch sollte die individuelle Klasse von Westbrook und George letztlich den Unterschied ausmachen. Prognose: Thunder in 7.

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