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NBA: Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks in der Krise

Eine lange Saison, die keinen Spaß macht

Dienstag, 14.11.2017 | 12:00 Uhr
Dirk Nowitzki
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Die Dallas Mavericks sind verheerend in die Saison gestartet und richten den Fokus intern jetzt schon weg von der aktuellen Spielzeit. Dabei wirft auch der aktuelle Kader genügend Fragezeichen auf - auch bei Dirk Nowitzki.

Es hatte ja niemand erwartet, dass es eine leichte Saison werden würde in Dallas.

Bei aller Euphorie über die Athletik von Dennis Smith Jr. war eben auch klar, dass dieser ein Rookie ist und nicht von Anfang an ausschließlich richtige Entscheidungen treffen würde - Rookie-Guards starten aus gutem Grund nur in den allerseltensten Fällen bei erfolgreichen (oder ambitionierten) Teams. Die Verletzung von Seth Curry in der Preseason half niemandem. Der Kader ist ok, aber sicher nicht stark besetzt.

Es war wohl selbst den größten Optimisten klar, dass für Dallas extrem viel hätte richtig laufen müssen, um im starken Westen auch nur ansatzweise um die Playoffs mitzuspielen. Und doch: Dass es so mies laufen würde, war auch nicht zwingend zu erwarten gewesen.

Dirk Nowitzki: "Nicht den Kopf hängen lassen"

Die Mavs nennen mit 2-12 gemeinsam mit Atlanta die schlechteste Bilanz der Liga ihr Eigen. Dass sie nichts mit den Playoffs zu tun haben werden, ist auch zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison bereits offensichtlich. Intern dürfte sich der Fokus schon jetzt auf die Zukunft und den nächsten Draft (Hallo, Luka Doncic!) richten, auch wenn das extern natürlich noch niemand offen zugibt.

"Ich weiß, dass ich zu diesem frühen Zeitpunkt den Kopf noch nicht hängen lassen darf", sagte etwa Dirk Nowitzki am Montag zu Bild. "Wenn man das macht, wird es eine sehr, sehr lange Saison, die überhaupt keinen Spaß macht." Nun will man der lebenden Legende Nowitzki natürlich keine Worte in den Mund legen, aber: Allzu viel Spaß dürften ihm die ersten Saisonwochen wohl auch nicht gemacht haben.

Der 39-Jährige betonte zwar erneut, dass es ihm körperlich gut geht, spielerisch hat er jedoch mehr und mehr Probleme. Defensiv war dies ja schon länger der Fall und Wunderdinge waren von ihm hier noch nie zu erwarten. Aber auch offensiv ist es bisweilen ein Trauerspiel.

Nowitzki kommt aktuell auf die niedrigste Punktzahl (10,1) und Wurfquote (41,4 Prozent) seit seinem Rookie-Jahr. Er geht auch nicht mehr an die Linie - Nowitzki bekommt pro Spiel nur noch 1,2 Freiwürfe zugesprochen. In den letzten fünf Spielen kam er nur einmal auf eine zweistellige Punktzahl.

Mavericks: Zu viel Spielzeit für Nowitzki?

Nahezu das komplette laufende Jahrhundert über, auch noch in der letzten Saison, hatte Dallas immer eine überdurchschnittliche Offense, solange Nowitzki auf dem Court stand - aktuell ist das nicht mehr der Fall. Da die Defense mit ihm auf Center von Anfang an zum Scheitern verurteilt war, ist Dallas derzeit um satte 12 Punkte pro 100 Ballbesitze besser, wenn Nowitzki auf der Bank Platz nimmt.

Das soll natürlich nicht heißen, dass Nowitzki für das derzeitige Abschneiden seines Teams verantwortlich wäre - er hat den Kader nicht zusammengestellt, er hat natürlich auch immer noch seine Qualitäten, gerade als Leader. Dass er jedoch in seiner 20. Saison fast 24 Minuten pro Spiel und damit mehr als jeder andere Big Man in Dallas auf dem Court steht, spricht Bände über die Lage der Franchise. Und über ihre Ausrichtung beziehungsweise das Fehlen einer solchen.

Mavericks: Absurde Posse um Nerlens Noel

Die Lage um Nerlens Noel wirkte schon im Sommer prekär, als dieser ein Vertragsangebot ausschlug, stattdessen seinen Agenten feuerte und durch LeBron-Buddy Rich Paul ersetzte und dann für die Qualifying Offer unterschrieb. Prekär, aber nicht irreparabel. Aktuell nimmt das Ganze fast schon komische Ausmaße an.

Noel galt noch vor wenigen Monaten als Big Man der Zukunft in Dallas, aktuell kassiert er DNPs oder darf mal für zwei Minuten in der Garbage Time ran wie gegen OKC. Noel müsse sich seine Minuten wie jeder andere verdienen, erklärte Rick Carlisle dazu - der Coach bleibt Old-School und setzt dann eben Dwight Powell oder Salah Mejri ein, die überschaubares Talent, aber immerhin die richtige Einstellung mitbringen.

Ob diese Lektion bei Noel ankommt, steht auf einem anderen Blatt. "Ich würde nicht sagen, dass es beleidigend für mich ist", sagte dieser zwar nach dem OKC-Spiel. "Ich muss einfach auf meinen Körper achten und mich bereithalten, während ich das ganze Spiel über sitze. Da muss ich smart sein."

Dass es innerlich brodeln dürfte, erscheint wiederum auch ziemlich offensichtlich. Stand jetzt würde Noel die Mavs im Sommer sogar dann verlassen, wenn das einzige konkurrierende Angebot von den Guangdong Southern Tigers käme.

Überschätzt sich Noel?

Das muss gar nicht unbedingt schlimm sein für Dallas. Die Mavs können derzeit besser als jedes andere Team beurteilen, was Noel tatsächlich bringt oder wert ist. Gut möglich, dass er sich maßlos überschätzt und die Mavs genau richtig damit liegen, ihn an der kurzen Leine zu halten. Momentan spielt Noel tatsächlich alles andere als gut. Wobei sich der Verdacht aufdrängt, dass daran zu einem Großteil seine Unzufriedenheit Schuld ist und er anderswo aufblühen könnte.

Unabhängig davon gilt aber: Dallas hat Assets für Noel abgegeben und sich durchaus etwas von ihm erhofft, eigentlich sollte er Teil des Kerns der Zukunft sein. Nun stellt sich wiederum die Frage, wie dieser Kern tatsächlich aussieht.

Smith gehört dazu, natürlich. Harrison Barnes sicher auch. Seth Curry, wenn er wieder fit wird, wahrscheinlich. Und sonst so? Yogi Ferrell, Dorian Finney-Smith, Gian Clavell oder Maxi Kleber vielleicht?

Sorgenkind Wesley Matthews

Dallas versäumt es bekanntermaßen seit Jahren, sich komplett auf eine Ausrichtung festzulegen, dementsprechend verfahren ist die Situation derzeit. Am liebsten würde man gleichzeitig erfolgreich spielen und neu aufbauen, so etwas gelingt aber eben nur in den allerseltensten Fällen. Die Mavs haben im Kader mehrere Blöcke, die kaum zusammenpassen.

Es gibt ein paar Young Guns, von denen Smith und der 25-jährige Barnes die einzigen Hochkaräter sind. Dazu kommen ein paar solide Rollenspieler in ihrer Prime wie Powell - und dann schon die alten Recken wie Devin Harris, J.J. Barea und natürlich Nowitzki. Verdiente Spieler, die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben.

Wesley Matthews (31) ist eigentlich noch kein Oldie, derzeit aber in verheerender Verfassung (11,1 Punkte, 35,9 Prozent aus dem Feld). Normalerweise wäre er ein logischer Trade-Kandidat, angesichts seiner Form und der noch ausstehenden Player Option für die kommende Saison (18,6 Millionen Dollar!) wird man ihn aber nur schwerlich loswerden können.

Dennis Smith: Ein erster Schritt für Dallas

Beim Tanken ist das kein Problem, momentan ist Matthews sogar förderlich dabei. Problematisch wird sein Deal im Sommer, wenn Dallas eigentlich (mal wieder) um die großen Free Agents mitbieten möchte als eins der wenigen Teams, die wirklich Cap Space haben. Wobei man so oder so nicht erwarten sollte, dass sich ebendiese Free Agents darum reißen werden, nach Dallas zu wechseln.

Dallas kann zurecht froh darüber sein, Smith bekommen zu haben, das weiß man nicht erst seit dem "kontroversen" Lob alias Seitenhieb von LeBron James. Es wird aber noch viele Schritte, viele richtige Entscheidungen brauchen, um aus dem Dickicht wieder herauszukommen. Und im Idealfall bleibt man dabei dann mal bei einem Kurs und zieht ihn mit Überzeugung durch.

Viele Niederlagen und einen hohen Draft-Pick wird es in diesem Jahr so oder so geben. Nur Nowitzki selbst kann beurteilen, wie viel Spaß es tatsächlich noch macht, ein Teil davon zu sein. Es ist ja glücklicherweise nicht so, dass er noch irgendetwas zu beweisen hätte.

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