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NBA: Dennis Schröder vor Spiel 4

Die Reifeprüfung

Montag, 24.04.2017 | 14:12 Uhr
Dennis Schröder (l.) verkauft sich gegen einen der besten seines Fachs sehr gut
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In seiner ersten Playoff-Serie als Starter ist Dennis Schröder im extremen Maß gefordert. Doch auch wenn John Wall das direkte Duell bisher gewinnt: Der Deutsche steht seinen Mann - und die Offense Atlantas bricht völlig ein, wenn er nicht auf dem Court steht.

Wenn man eine Umfrage unter NBA-Fans starten würde, welche Szenen sie bisher mit der Serie zwischen Washington und Atlanta verbinden, könnte ein ziemlich einseitiger Eindruck entstehen. Denn es wären wohl jeweils Szenen, in denen John Wall seinen Gegenspieler Dennis Schröder in Transition ziemlich alt aussehen lässt.

Da wäre zum einen die Szene in Spiel 2, als Wall, verfolgt von Schröder, den Turbo zündet und letztlich auf ihn dunkt. Beim Weggehen setzt es den bösen Blick und ein paar noch bösere Worte von Wall - zumindest dann, wenn man den Lippenlesern Glauben schenken darf. Die zweite Szene stammt aus Spiel 3: Abermals rast der Wizards-Guard los, schüttelt Schröder ab wie eine Fliege und dunkt erneut, diesmal über Kent Bazemore.

Wie gesagt, dadurch entstünde ein einseitiges, ein verzerrtes Bild. Wall spielt bisher sicherlich eine dominante Serie (31 Punkte, 10 Assists). Aber Schröder ist keineswegs nur ein Opfer. Im Gegenteil: In seiner ersten Playoff-Runde als Starter zeigt er, dass auch ihm diese große Bühne durchaus liegt. Im Duell mit dem wohl besten Point Guard des Ostens verkauft sich Schröder herausragend.

Keine Unterstützung von Downtown

Das wird durch die Zahlen belegt: Schröder kommt bisher auf 25 Punkte, 8 Assists und nur 2 Ballverluste im Schnitt, obwohl er zumeist von Wall oder Kelly Oubre verteidigt wird - beides durchaus starke Verteidiger. Auch seine Quoten sind mit 44,1 Prozent aus dem Feld und 35 Prozent von der Dreierlinie ordentlich, wenn auch sicherlich noch ausbaufähig.

Zumal eine kleine Steigerung von Downtown ihm noch deutlich mehr Platz verschaffen würde. Schon jetzt haben die Wizards große Probleme mit seinem Speed, weshalb Schröder sich pro Spiel 6,7 Freiwürfe erarbeiten kann - diese Zahl würde um einiges ansteigen, wenn die Verteidiger nicht gegen ihn absinken könnten.

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Wobei die 35 Prozent im Teamvergleich sogar noch absolut überdurchschnittlich sind. Im ligaweiten Playoff-Vergleich trifft nur ein Team schlechter von Downtown als die Hawks (28,6 Prozent): die Wizards (27,8 Prozent). Lediglich Taurean Prince (57,1 Prozent) trifft bei Atlanta besser von draußen als Schröder - insbesondere Tim Hardaway (5,3 Versuche, 18,8 Prozent) dagegen ist bisher eine mittelschwere Katastrophe.

Scharmützel zwischen Millsap und Morris

Eine besonders ästhetische Serie ist es insofern nicht, die sich die Hawks und Wizards derzeit liefern. Stattdessen ist die Gangart physisch und hitzig, vor allem Paul Millsap und Markieff Morris bekämpfen sich sowohl auf als auch neben dem Court. Millsap beschwerte sich über die "MMA"-Taktiken des Wizards-Forwards, der antwortete, indem er den Hawks-All-Star als "Heulsuse" bezeichnete.

Schröder dagegen hat sich bisher öffentlich vornehm zurückgehalten und die Giftpfeile von Wall weitestgehend ignoriert, wenngleich er ihn in Spiel 3 beim Verteidigungsversuch am Kopf erwischte. "Der Coach will nicht, dass ich mich an dem Gerede beteiligte", erklärte Schröder nach Spiel 3: "Er will, dass ich mich mehr wie die Spurs und Kawhi Leonard verhalte."

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Den emotionalen Schröder mit dem Spurs-Bot in Verbindung zu bringen, mag zwar etwas unpassend erscheinen. Bisher ist es ihm jedoch gut gelungen, sich tatsächlich einfach nur auf sein Spiel zu konzentrieren. Mike Budenholzer dürfte ihm das hoch anrechnen - denn die Spiele 1 bis 3 haben gezeigt: Wenn Schröder auf die Bank muss, hängt die Offense der Hawks am Tropf. Foul-Trouble oder gar eine Ejection des Deutschen könnte Atlanta wohl kaum kompensieren.

Kein Backup für Schröder

Der Grund dafür ist relativ simpel: Den Hawks fehlt nicht nur Shooting, sondern auch ein Backup auf der Eins. Jose Calderon übernimmt die Rolle de facto, mit ihm produzieren die Hawks allerdings ihr schaurigstes Offensiv-Rating (85,8 Punkte pro 100 Ballbesitze). Malcolm Delaney ist aus der Rotation geflogen und Kent Bazemore, der gelegentlich auch den Ballvortrag übernehmen darf, hat weder das Ballhandling noch die Übersicht für die Eins.

Mit Schröder auf dem Court produzieren die Hawks ein Offensiv-Rating von 109,2, ohne ihn stehen sie nur bei 90,6. In der Regular Season hätte das in dieser Kategorie den Unterschied zwischen einem Rang nahe der Top 10 und dem abgeschlagenen letzten bedeutet. Die Defense ist ohne ihn zwar um einiges besser, das liegt allerdings daran, dass seine Minuten sich fast vollständig mit der Spielzeit von Wall überschneiden. Auch die Offense des Gegners ist komplett vom Point Guard abhängig.

Was ist mit Howard passiert?

Bei den Hawks lässt sich das relativ leicht erklären. Es fehlt nicht nur an Shooting, es fehlt abgesehen von Schröder und Millsap (und mit Abstrichen Prince) komplett an zuverlässigen Optionen. Hardaway enttäuscht bisher nicht nur von der Dreierlinie und ansonsten stehen ohnehin keine nominellen "Scorer" im Kader - zumal Dwight Howard ein Schatten seiner Selbst ist.

Der Center war freilich nie als filigraner Offensiv-Spieler bekannt, die 6 Punkte bei 46,7 Prozent, die er in der Serie bisher auflegt, sind allerdings auch für ihn katastrophal. Ihm scheint momentan sogar die Explosivität zu fehlen, um simple Putbacks im Korb unterzubringen, defensiv lässt er sich im Pick'n'Roll regelmäßig auseinandernehmen und kommt gegen seinen früheren Backup Marcin Gortat nicht zurecht. Zur Erinnerung: Howard ist mit Abstand Topverdiener in Atlanta.

Der Reifeprozess geht weiter

Angesichts dieser Probleme ist die Lage Atlantas noch immer hoffnungsvoll - sie haben in der Nacht auf Dienstag die Chance, die Serie vor heimischem Publikum wieder auszugleichen. Es wäre viel zu früh, die Hawks abzuschreiben, und das ist vor allem der Verdienst von Millsap und Schröder.

Ganz egal, wie diese Serie ausgeht: Schröder zeigt den Hawks derzeit, dass sich das Investment in ihn gelohnt hat. Auch die Tatsache, dass er auf Wall (und Kyrie Irving) zugeht, um zu lernen, spricht für seinen Reifeprozess. Das Duell gegen Wall mag eine Herkulesaufgabe sein, aber Schröder hat die Herausforderung angenommen.

Dennis Schröder im Steckbrief

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