Dennis Rodman im Porträt

Gefangen im eigenen Schatten

Freitag, 13.05.2016 | 18:05 Uhr
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Drogen, Glücksspiel, Sex-Orgien. Dennis Rodman nahm kein Blatt vor den Mund, ging in der Rolle des Bad Boy auf und war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des NBA-Zirkus. Auf dem Court waren seine Fähigkeiten jedoch unbestritten. Zum Geburtstag von Dennis The Menace blickt SPOX hinter die Fassade eines der besten Rebounder und Verteidiger der NBA-Historie - und eines Menschen, der nie wirklich wusste, wo er hingehörte.

"Ich könnte jetzt überall sein", sagte ein schluchzender Dennis Rodman: "Ich könnte tot sein, ich könnte ein Drogendealer sein, ich könnte obdachlos sein."

Undenkbar war keines dieser Szenarien. Alle drei Optionen waren sogar wahrscheinlicher als die Teilnahme an dem Ereignis, bei dem Rodman diese Worte sprach. In Springfield, Massachusetts. Bei seiner Aufnahmezeremonie in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame.

Und doch stand er dort. Dennis Keith Rodman, der Paradiesvogel, der Exzentriker, der Bad Boy, war seit diesem Tag im August 2011 ein Mitglied der Basketball-Elite. Geschmeckt hat das nicht jedem, um seine Aufnahme gab es eine große Kontroverse - wie um so ziemlich alles in Rodmans Leben.

War er mit seiner ausufernden, egoistischen und exzentrischen Lebensweise ein schlechtes Vorbild? Ja. War er mehr daran interessiert, zu polarisieren, als an den Konsequenzen seiner Handlungen? Definitiv. War er eingebildet, sexistisch und drogensüchtig? Auch das.

Aber er war noch mehr: Dennis Rodman war der dominanteste Rebounder und einer der besten Verteidiger der NBA. Und hinter seiner schillernden Fassade steckte stets ein Junge, der nie wirklich wusste, wo er hingehörte.

Ausgemustert

"Zu klein" war eine abfällige Einschätzung, die Rodman häufig zu hören bekam. Er könne "nicht einmal einen Layup treffen" eine andere. Beide stimmten.

Tatsächlich war Rodman im ersten Jahr an der High School nur 1,68 Meter groß. Während seine Schwestern, mit denen er in einer Sozialbausiedlung am Rande von Dallas aufgewachsen war, zu High-School- und College-Stars wurden, schaffte es der Sohn der Familie bei seinen Teams kaum von der Bank.

Rodman jobbte neben der Schule als WC-Reinigungskraft am Flughafen von Dallas, eines Tages stahl er 15 wertvolle Uhren aus einem Geschäft. Die erste Nacht im Gefängnis war nur die Spitze des Eisbergs seiner jugendlichen Eskapaden.

Seine Mutter hatte nicht mehr die Kraft, mit dem widerspenstigen Teenager fertig zu werden und warf ihn hinaus. Der Vater hatte die Familie verlassen, als Dennis fünf Jahre alt war. Ein Erlebnis, das Rodman nie verarbeiten sollte und das fortan sein Leben prägte. Mit Ach und Krach schaffte er die Schule, unterstützt von der Familie seines Freundes Byrne Rich, die ihn bei sich aufnahm.

You can't teach height

Das vielleicht größte Geschenk, das das Leben Dennis Rodman machte, war ein Wachstumsschub. In einem Jahr wuchs er knapp 25 Zentimeter und erhielt nach einem Übergangsjahr am Junior College ein Basketball-Stipendium für die Southeastern Oklahoma State University.

Schon dort machte er sich als Rebounder einen Namen, legte in seinen drei Jahren neben 25,7 Punkten auch 15,7 Boards auf. Und das trotz seiner Größe von nur 2,01 Meter.

Sein Erfolgsrezept war so selten wie genial. Es war nicht Rodmans physische Stärke, nicht seine Größe, die ihn zum besten Rebounder der Liga machte. Es war seine Cleverness.

Das verkannte Genie

"Wenn wir uns aufwärmten und auf den Korb warfen, stand Dennis nur da und schaute uns zu", berichtete sein späterer Teamkollege Isiah Thomas: "Einmal rief ich ihm zu: 'Los, du musst auch mitmachen!' Doch er sagte nur: 'Ich schaue mir die Rotationen der Würfe an.' Ich dachte, ich hätte mich verhört, doch er bekräftigte: "Wenn du wirfst, hat der Ball zum Beispiel drei Umdrehungen. Bei Joe sind es dreieinhalb, manchmal sogar vier."

Rodman machte aus dem Rebounding eine Wissenschaft. Er kannte den Spin, den jeder Spieler seines Teams dem Spalding beim Wurf mitgab. Er prägte sich die Absprungwinkel ein und wusste, wie oft welcher Wurf aus welchem Winkel und welcher Entfernung auf dem Ring tanzte.

Wo auch immer der Ball runterkam, Dennis war da. "Was den Basketball-IQ angeht, war Rodman wirklich ein Genie", so Thomas.

Während andere Spieler von ihrer Athletik lebten und daher vor allem in den ersten Jahren ihrer Karriere die Höchstwerte an den Brettern auflegten, blieben Rodmans Zahlen mit zunehmendem Alter und steigender Erfahrung konstant.

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Bad Boy No. 1

Nachdem ihn die Pistons 1986 mit dem 27. Pick drafteten, brachte Rodman als Reservist von Beginn an unermüdliche Energie von der Bank und besondere Flexibilität in der Defense. Er passte perfekt nach Detroit: Ein weiterer schlimmer Junge für die berüchtigten Bad Boys, der immer alles gab, nach jedem Loose Ball hechtete.

Rodman hatte großen Spaß daran, jeden zu stoppen, der das Prädikat "Star" mit sich herumtrug. Niemand konnte so viele Positionen und Spielertypen so exzellent verteidigen wie er. Ob es Magic Johnson, Larry Bird, Karl Malone, James Worthy, Charles Barkley oder Michael Jordan war - es spielte keine Rolle. Rodman stellte sie alle kalt.

Larry Bird: Ein Großmeister auf dem Court

Coach Chuck Daly merkte, wie sich Dennis weiterentwickelte. Er wurde schlichtweg zu wichtig, um hinter Adrian Dantley von der Bank zu kommen. Detroit tradete den alternden Dantley zu den Mavericks. Und während Isiah Thomas und Joe Dumars für das Scoring verantwortlich waren, kämpfte Rodman unter den Brettern wie ein Verrückter. Der Lohn war die erste Championship der Franchise-Geschichte.

Auf dem Weg dahin sweepte Detroit die Los Angeles Lakers in den Finals, zuvor mussten auch Jordans Bulls dran glauben. Scottie Pippen sah in der Serie gegen Rodman keinen Stich. Während des Playoff-Runs auf dem Weg zum Repeat 1990 wurde Rodman zum ersten Mal mit dem Defensive Player of the Year Award ausgezeichnet. Es führte - im wahrsten Sinne des Wortes - kein Weg an ihm vorbei.

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