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Freitag, 10.07.2015 | 13:02 Uhr
D'Angelo Russell galt vor der letzten College-Saison noch nicht als Lottery Pick
© getty
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D'Angelo Russell soll bei den Los Angeles Lakers nicht nur eher früher als später die Fackel von Kobe Bryant übernehmen - er soll ihnen auch Showtime zurückbringen. Die Herausforderung ist enorm, der Nummer-2-Pick scheint dennoch gewappnet zu sein. Er hat das Spiel und die Persönlichkeit fürs Rampenlicht.

Es hatte etliche Berichte gegeben. Berichte von einem speziellen Workout, bei dem D'Angelo Russell Lakers-Coach Byron Scott mit seinem Spiel an dessen früheren Mitspieler und NBA-Legende Magic Johnson erinnert habe. Berichte, dass die Lakers sich in den jungen Guard der Ohio State Buckeyes verliebt hätten und ihn mit ihrem Nummer-2-Pick draften wollten.

Dennoch staunte das Publikum in Brooklyn nicht schlecht, als Adam Silver den Pick tatsächlich verkündete. Beziehungsweise, als der menschliche Spoiler Adrian Wojnarowski (Yahoo! Sports) ihn wenige Momente vorher bei Twitter ankündigte. Viele hatten immer noch geglaubt, dass die Lakers gemäß ihrer Historie Jahlil Okafor ziehen würden.

Okafor, den Lowpost-Dominator, dessen Fußarbeit und Moves doch perfekt zu der Franchise passten, die ihre zahllosen Erfolge mit George Mikan, Wilt Chamberlain, Kareem Abdul-Jabbar und Shaquille O'Neal feierte - vier der besten Pivoten der NBA-Geschichte. Stattdessen also Russell, den relativ schmal gebauten Guard mit großartigen Shooting-Skills und einer vielleicht sogar noch besseren Übersicht.

Eine Entscheidung gegen die Vergangenheit und für die Zukunft, sagten einige. Die Liga werde heuer schließlich nicht mehr von den Hünen kontrolliert, sondern von Playmakern jeder Art, egal ob Stephen Curry, James Harden oder LeBron James. Russell selbst fragte Lee Jenkins von Sports Illustrated noch am Draft-Abend rhetorisch: "Wer hat denn gerade die Championship gewonnen?"

"Einer der besten Passer"

Diese Frage verdeutlicht auf mehrere Arten, weshalb sich die Entscheidung für Russell als die richtige erweisen könnte. Zum einen, weil sein Spiel wie gemacht ist für die moderne NBA. Er liebt den Distanzwurf, traf am College über 41 Prozent vom Perimeter. Er ist zudem aber auch schon jetzt ein enorm cleverer Ballhandler im Pick'n'Roll, dem Basis-Spielzug einer jeden potenten Offense.

Russell hat ein außerordentliches Gespür dafür, wann er selbst abschließen und wann er passen soll. Seine Übersicht beeindruckte Jordan Clarkson, mit dem er sich in L.A. den Großteil der Minuten auf der Eins teilen wird, schon im ersten gemeinsamen Training: "Er kann sensationell passen."

Don MacLean, der Russells Workouts vor dem Draft koordinierte, nannte ihn gar "einen der besten Passer", die er je gesehen habe. Russell sei dem Spiel immer mehrere Schritte voraus, wie auch sein College-Coach Thad Matta findet: "Er denkt einfach auf einem anderen Level."

Das Passen ist vielleicht seine beste, aber nicht die einzige herausragende Qualität. Russell ist kein Rajon Rondo, der wie er aus Louisville stammt und zu Russells Vorbildern zählt. Es ist für ihn auch ein Leichtes, selbst Punkte aufs Scoreboard zu zaubern. Und das nicht nur aus der Distanz.

Eher Harden als Westbrook

Der 19-Jährige ist kein Überathlet vom Schlage eines Russell Westbrook - gut, niemand ist wie Russell Westbrook. Mit seiner Spielintelligenz und dem Verständnis seiner eigenen Stärken findet er aber trotzdem immer wieder Wege, zum Korb zu kommen und dort auch abzuschließen.

Russell ist extrem gewieft und mit 196 Zentimetern auch groß genug, um sowohl auf der Eins als auch auf der Zwei aufzulaufen. Ihm ist ohnehin beides recht: "Ich bin ehrlich gesagt ein Basketballspieler. Wenn ich den Ball habe, bin ich wahrscheinlich Point Guard, wenn ich abseits des Balls spiele, kann man mich wohl Shooting Guard nennen."

Das klingt nicht nur ein bisschen nach James Harden, der tatsächlich auch als häufigster Vergleich - und Idealfall - für Russells Aussichten als Profi herangezogen wird. Ein Spielmacher modernster Bauart, der sowohl verteilen als auch selbst auf alle möglichen Arten abschließen kann.

Jede Menge Selbstbewusstsein

Die rhetorische Frage, wer denn gerade die Meisterschaft geholt habe, deutet aber nicht nur auf Russells spielerische "Bauart" hin. Sie offenbart auch sein Selbstbewusstsein, das einige Experten fast noch mehr beeindruckt als sein Talent. Ein Selbstbewusstsein, das ihn dazu verleitete, sich vor dem Draft als "besten Spieler dieses Jahrgangs" zu bezeichnen. Ein Selbstbewusstsein, das ihm aber auch dabei half, binnen einer Saison vom potenziellen Erstrundenpick zum tatsächlichen zweiten Pick zu werden.

Als Russell von der Highschool kam, war sein Standing bei weitem nicht so gut wie heute. Ja, er wurde zum McDonald's All-American Game eingeladen, wie es den größten Talenten ihres Jahrgangs vorbehalten ist. Er hatte aber lange nicht den Status eines Okafors, der schon lange vor seinem ersten College-Spiel als sicherer Top-3-Pick galt. Verglichen mit den Jungs aus Kentucky oder Duke lief er eher unter dem Radar.

Die Draft-Seite Rivals führte ihn vor der Saison beispielsweise an Nummer 18 - nicht unter allen College-Spielern, sondern nur unter den Freshmen. Wegen seiner eher durchschnittlichen Athletik, aber auch wegen seinem Team an der Monteverde Academy, bei dem er sich im Backcourt den Ball mit Ben Simmons teilen musste - dem derzeitigen Favoriten auf den No.1-Pick 2016.

Der prominente Nebenmann und einige andere Faktoren hielten ihn raus aus dem Rampenlicht. Matta fiel er trotzdem auf: "Es ist mir schon aufgefallen, als ich ihn in Monteverde beobachtete. Man hatte dieses komische Gefühl, dass aus ihm etwas Besonderes werden kann", erinnert sich der Coach der Ohio State Buckeyes, "er hatte sein Team und die ganze Halle irgendwie unter Kontrolle."

"Will bei jedem Team Anführer sein"

Matta war prompt von Russell angetan und lotste ihn nach Ohio State, wo er sofort die Kontrolle über die Mannschaft übernahm. "Ich will bei jedem Team der Anführer sein und das Beste aus meinen Mitspielern rausholen. Das liegt in meiner Natur", erklärt der Nummer-2-Pick selbst. Das bekamen auch seine künftigen Kollegen bei den Lakers schon zu spüren.

Bereits in seiner ersten Trainingseinheit diktierte er, wo auf dem Court sich die anderen platzieren sollten und was sie zu tun hatten, wie unter anderem Mit-Rookie Larry Nance Jr. berichtete. Dass ihm dies weder am College noch in Tinseltown übel genommen wurde, spricht für seine Ausstrahlung.

"Ich war unglaublich beeindruckt davon, wie erwachsen er wirkte, als ich ihn erstmals getroffen habe", versuchte sich ESPN-Experte Jay Bilas kürzlich an einer Erklärung. "Er ist extrem selbstbewusst, aber nicht auf eine arrogante oder unangenehme Art. Das ist eine seltene Qualität, die Siegertypen ausmacht."

Kobe: "Der Weg ist frei"

Ein Siegertyp also. Dieser Ausdruck ist in Los Angeles unmittelbar mit den Worten "Kobe" und "Bryant" verbunden (zugegeben: Das Wort "arrogant" wurde in Bezug auf Kobe auch schon benutzt). Die kommende Saison wird die Black Mamba auch noch in Lila-Gold absolvieren. Danach rechnen die Lakers jedoch mit Kobes Karriereende - und die Position des Anführers wäre erstmals seit etlichen Jahren wieder frei.

"Wer auch immer diese Herausforderung annehmen und der Anführer werden will - der Weg ist frei", sagte Bryant unlängst selber. Allem Anschein nach ist Russell für diese Rolle prädestiniert, wenngleich er selbst erstmal lernen will: "Er war der Michael Jordan meiner Ära. Ich darf unter einem der Größten überhaupt spielen, das ist fast zu schön, um wahr zu sein", frohlockte er gegenüber Jim Rome von CBS Sports.

Vor Kobes legendär harter Gangart, gerade gegenüber jungen Spielern, hat Russell wiederum keine Angst; im Gegenteil. "Es würde mir Sorgen machen, wenn er mich nicht hart angehen würde, wenn es ihm egal wäre, was ich mache. Er soll mich ruhig pushen. Ich will immer besser werden und bin bereit dafür."

Die Scheinwerfer sind an. Unter dem Radar fliegen wird D'Angelo Russell von nun an nicht mehr. Nicht, dass ihn das stören würde.

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