Legenden-Serie: Wilt Chamberlain

Die Legende des Goliath

Montag, 21.08.2017 | 11:32 Uhr
Wilt Chamberlain pulverisierte seine ganze Karriere über die Rekordbücher der NBA
© getty
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Wilt Chamberlain war lange vor Michael Jordan und LeBron James der erste Megastar des Basketballs. Auf dem Feld brachte er physische Attribute mit, die seiner Zeit weit voraus waren, und dominierte seine Gegner nach Belieben. Abseits des Courts lebte er wie ein Rockstar. Heute wäre er 81 Jahre alt geworden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 10.2.2015.

Nur wenige Sportarten sind durch Statistiken ähnlich gut zu erfassen wie Basketball. Natürlich sagen die Zahlen, vor allem die traditionellen, nicht alles aus - aber wer sich einen Boxscore anschaut und auf Punkte, Rebounds und Assists blickt, bekommt normalerweise einen guten Eindruck davon, wer in der jeweiligen Partie den größten Einfluss auf den Sieg hatte.

Im Idealfall bestätigen die Statistiken, was man mit den eigenen Augen sieht, und helfen dabei, das Gesehene einzuordnen. Wenn Klay Thompson im dritten Viertel für 37 Punkte explodiert, sieht man einerseits, wie jemand komplett die Kontrolle übernimmt, und wird andererseits noch während des Viertels permanent darüber informiert, dass hier gerade potenziell etwas Historisches entsteht und wie viele Punkte noch zum NBA-Rekord in einem Viertel fehlen.

Thompson schrieb Geschichte und wird fortan in jedem Rekord-Buch auftauchen. Heute kann man seine Leistung einordnen, weil es über die Jahrzehnte ausreichend Vergleichswerte gegeben hat.

Das war zu den Zeiten von Wilt Chamberlain nicht der Fall, als der Sport noch in den Kinderschuhen steckte und das Regelwerk erst rudimentär dem ähnelte, das heute genutzt wird. Und trotzdem haben etliche von Wilts Bestmarken immer noch Bestand.

Ein Rekord nach dem anderen

Der berühmteste Rekord, den Chamberlain aufgestellt hat, ist natürlich ein dreistelliger. 100 Punkte in einem Spiel, ein Wert, der so bizarr und unfassbar ist. Lediglich Kobe Bryant kam in der langen Geschichte der NBA ansatzweise in die Nähe der Bestmarke, aber auch er schaffte nur 81 Prozent davon. Es ist aber bei weitem nicht die einzige Statistik in Bezug auf Wilt, welche die geneigte Kinnleiste in Tex-Avery-Manier gen Boden rasen lässt.

Wie wäre es mit 27,2 Rebounds pro Spiel in einer Saison? 55 Rebounds in einer Partie? Oder 50,4 Punkten pro Spiel? 45 50-Punkte-Spielen in einer Saison (kein anderer hat mehr als 10)? 14 40-Punkte-Spielen IN FOLGE?

Man könnte den ganzen Tag solche Statistiken aufzählen, ohne der unfassbaren Dominanz Chamberlains wirklich gerecht zu werden. Ganz zu schweigen davon, dass er die Liga als Center in einer Saison bei den Assists anführte und dass damals noch keine Blocks erhoben wurden, die sein Portfolio an Rekorden sogar noch umfassender gemacht hätten.

"Er war einfach furchteinflößend"

Zu sagen, dass Wilt seiner Zeit voraus war, wäre in etwa so zutreffend wie die Aussage, dass die Warriors 2015 eine recht gute Truppe sind. Es reicht bei weitem nicht. Chamberlain kam seinen Zeitgenossen vor wie ein Alien, weil er größer, stärker und athletischer war als alles, was der Sport bis dahin gesehen hatte.

Nur Bill Russell konnte davon träumen, ihn defensiv einigermaßen in Schach zu halten - es war schlicht unfair. Wie David gegen Goliath, nur ohne das basketballerische Äquivalent von Davids Steinschleuder. "Er war einfach furchteinflößend. Bevor er kam, waren Basketballer in der Regel so groß wie Normalsterbliche. Wilt hat das geändert", blickte ESPN-Journalist Hal Bock einst zurück.

Die NBA nahm tatsächlich sogar mehrere Regeländerungen vor, um Chamberlains Dominanz einzuschränken. Unter anderem wurde die Zone vergrößert, um ihn weiter weg vom Korb zu halten, und Offensive Goaltending wurde untersagt. Nicht zuletzt verboten sowohl die NBA als auch vorher die NCAA zwischenzeitlich Dunks, wodurch Wilt das Punkten erschwert werden sollte.

Wie Shaq gegen bierbäuchige Türkoglus

Besonders effektiv war nichts davon. Die Liste von Chamberlains individuellen Auszeichnungen ist üppig und unter anderem mit vier MVP-Awards, 13 All-Star Games, sieben All-NBA First Teams, sieben Scoring-Titeln und gleich elf Rebound-Titeln bestückt. Nur Michael Jordan schaffte jemals einen höheren Karriere-Schnitt als "Wilt the Stilt" (30,1 Punkte).

Es existieren nicht allzu viele Bewegtbilder aus Wilts aktiven Zeiten, weshalb man sich zu einem großen Anteil auf die Aussagen von Zeitzeugen verlassen muss. Diese sprechen üblicherweise von einer Dominanz, die nie wieder ansatzweise erreicht wurde - als würde man den jungen Shaquille O'Neal ausschließlich gegen bierbäuchige Hedo Türkoglus antreten lassen.

Liebe fürs Rampenlicht

In einer Liga, deren Spieler während der Sommerpause in der Regel noch Zweitjobs haben mussten, um über die Runden zu kommen, war Wilt zudem einer der ersten, die auch abseits des Courts populär wurden. Im Gegensatz etwa zu seinem ewigen Rivalen Russell liebte er das Scheinwerferlicht und war jahrelang das beliebteste Interview-Objekt der gesamten Association.

Bereits am College in Kansas erreichte er einen hohen Bekanntheitsgrad, sodass ihm die Harlem Globetrotters 1958 für die damaligen Verhältnisse ein unverschämt gutes Angebot machten (rund 50.000 Dollar). Wilt hatte keine Lust mehr auf Uni und sagte zu.

Der Abstecher war ein Erfolg; besonders beliebt war ein Stunt der Globetrotters, bei dem Meadowlark Lemon auf dem Boden lag und Chamberlain ihm nicht aufhalf, sondern ihn wie eine Puppe einige Meter in die Luft warf. "Wilt war der stärkste Athlet, der jemals gelebt hat", sagte der ungefähr 105 Kilo schwere Lemon später. Ein weiterer Mosaikstein in Chamberlains Legende.

20.000 Frauen

Als er 1959 unter großem Getöse endlich in der NBA ankam, verschwendete er keine Zeit: Schon in seinem ersten Jahr räumte er den Rookie of the Year-Award ab und wurde MVP des All-Star Games sowie der Regular Season. Und auch im Privatleben machte er von Beginn an keine Gefangenen.

Zeit seines Lebens war er sowohl als Geschäftsmann, als auch als Autor und später als Schauspieler ("Conan der Zerstörer" mit Arnold Schwarzenegger) tätig. Und natürlich waren da auch die Ladies: Chamberlain, der nie eine langfristige Beziehung einging, behauptete einmal, er habe mit 20.000 Frauen geschlafen. In seiner Autobiographie "Wilt" beschrieb er diese Abenteuer teilweise bis ins kleinste Detail.

"Larger than life"

Chamberlain war in seinen 63 Lebensjahren auf und neben dem Feld die Definiton von "larger than life", ein multitalentierter, physisch unheimlich gesegneter Playboy und Lebemann. Es ist daher keine Überraschung, dass er 2014 zum ersten NBA-Spieler überhaupt wurde, der von der amerikanischen Post mit einer eigenen Briefmarke geehrt wurde.

"Die Leute sollten sich an die Großen erinnern. Und niemand war jemals größer oder besser als Chamberlain", erklärte Donald Hunt, der die Kampagne für Wilts Ehrung bereits 2008 gestartet hatte. Letztendlich sind es sogar zwei Motive geworden, die - wie passend - deutlich größer sind als normale Briefmarken.

Keine Frage: Chamberlain war eine unheimlich imposante Erscheinung, ein unglaublicher Spieler, der dominanteste Athlet, den die NBA je gesehen hat (sorry, Shaq). Umso faszinierender ist es, dass Chamberlain von seinen Zeitgenossen enorm kritisch betrachtet wurde.

Seite 1: larger than life

Seite 2: Die große Kontroverse

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