Lakers-Coach Mike D'Antoni

Gefangen im eigenen System

Von Philipp Jakob
Samstag, 08.03.2014 | 14:41 Uhr
Mike D'Antoni übernahm den Posten bei den L.A. Lakers Anfang der letzten Saison
© getty
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Mike D'Antoni sitzt nun schon seit November 2012 auf der Bank der Los Angeles Lakers - so auch beim Spiel gegen die Oklahoma City Thunder. Nur wie lange das noch der Fall sein wird, ist nicht ganz sicher, denn das System des 62-Jährigen wird schon lange hinterfragt.

"We want Phil! We want Phil! We want Phil!" Die Sprechchöre der Fans schallten durch das Staples Center. Für jeden deutlich zu hören. Für die TV-Zuschauer, für die Spieler und vor allem für Mike D'Antoni. "Er hat 58 Ringe. Warum sollten sie ihn nicht wollen?" schmunzelte der Head Coach der Los Angeles Lakers über die Schmährufe.

Dass er in so einer Situation überhaupt noch schmunzeln kann, spricht für den 62-Jährigen. Doch er hat schon viel zu viel erlebt, um sich von den Lakers-Fans aus der Ruhe bringen zu lassen. Er ist ein gefeierter Held in Italien, wird von den Anhängern der Phoenix Suns verehrt und in New York und Los Angeles gleichermaßen verachtet.

Phil Jackson denkt an Comeback als Trainer

Seit seinem Amtsantritt in der Stadt der Engel hat das Team 73 der 134 Spiele verloren, wurde in den Playoffs 2013 von den San Antonio Spurs in 4 Spielen weggefegt und steht momentan abgeschlagen auf dem letzten Platz im Westen. Hoffnungsschimmer sucht man vergeblich.

Defensive Schwächen sind offensichtlich

Und dennoch: "Ich bereue es nicht eine Minute, diesen Job angenommen zu haben." Warum? Aus Liebe. "Das war mein schlimmstes Jahr aller Zeiten", gab er im April 2013 zu, "aber wenn du es liebst, ein Basketball-Coach zu sein, ist selbst ein schlechtes Jahr noch ein gutes Jahr."

Was soll er aber auch anderes sagen. Spätestens seit seiner Zeit mit den New York Knicks kennt er sich mit schlechten Jahren aus. In vier Saisons verlor er im Big Apple mit seinem Team ganze 57,7 Prozent der Spiele. Aus einem der angesagtesten Offensiv-Coaches der Liga wurde eine Lachnummer.

Denn selbst die gute Offense seiner Teams in New York konnte nicht mehr über die defensiven Schwächen im System D'Antonis hinwegtäuschen. Ob das Spielermaterial zu seinem Spielstil passte oder nicht, sei mal dahin gestellt, aber er konnte einfach nicht an seine Erfolge in Phoenix anknüpfen.

New York war ein Fehler

Dort erreichte er zusammen mit Steve Nash und einem fitten Amar'e Stoudemire zwei Mal die Conference Finals. Mit seinem Run-and-Gun-System konnte er die Fans begeistern und lies durch den Erfolg erst gar keine Frage nach der Verteidigung aufkommen.

Von 2004/05 bis 2006/07 erzielten die Phoenix Suns die meisten Punkte der NBA. 2007/08, in seiner letzten Saison in Arizona, lag das Team in dieser Kategorie auf Platz drei. Doch in den Playoffs scheiterte man in nur 5 Spielen an San Antonio - ein Grund, warum D'Antoni Phoenix verlies.

Ein Fehler, wie er später zugeben musste: "Ich hätte nicht nach New York gehen sollen. Ich hätte dableiben und kämpfen sollen. Du bekommst nicht allzu oft die Chance, jemanden wie Steve Nash zu coachen. Aber ich war frustriert. Deshalb bin ich gegangen."

Bella Italia!

Frustration hat ihn 1977 auch nach Italien geführt - eine Entscheidung, die der Halb-Italiener aber zu keinem Zeitpunkt in seiner Karriere bereuen musste. Nach einer enttäuschenden NBA-Karriere, spielte er 13 Jahre lang für Olimpia Milano, gewann fünf italienische Meisterschaften, zwei italienische Pokale und zwei Mal den Europapokal der Landesmeister.

Mit 5573 erzielten Punkten hält er bis zum heutigen Tage immer noch den Vereinsrekord. Und auch seine Trainerkarriere begann D'Antoni in Italien - mit ähnlichem Erfolg: Zwei Mal wurde er zum Coach des Jahres gewählt. "Vielleicht liegt es einfach in meiner DNA, ein Coach zu sein", sagte er damals.

Vielleicht, aber wirklich einfacher wurde der Schritt in die beste Basketball-Liga der Welt dadurch nicht. Nach seinen ersten 50 Spielen als Head Coach bei den Denver Nuggets war mit einer Bilanz von 14-36 auch schon wieder Schluss.

Nach einem erneuten Aufenthalt in Italien und einigen Stationen als Assistant Coach landete er schließlich in Phoenix, wo seine Coaching-Karriere an Fahrt aufnahm.

Im Schatten vom Zen-Meister

Mittlerweile liegen diese Zeiten aber schon eine halbe Dekade zurück. Mittlerweile muss er sich mit den viel zu hohen Erwartungen im Lakers-Land herumschlagen. Verletzungsanfällige Stars über dem Zenit und unerfahrene Shooter, denen die Qualität abgeht, sind die Gegenwart in L.A.

Die Fans sind erfolgsverwöhnt. Verlieren ist keine Option. Und so werden die Rufe nach Trainerlegende Phil Jackson immer lauter. Allein, dass Mike D'Antoni überhaupt bei der Traditions-Franchise auf der Bank sitzt und nicht etwa Jackson ist eine Überraschung - selbst für den Coach.

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"Natürlich habe ich geglaubt, dass Jackson der neue Head Coach wird. Hat das nicht jeder? Als ich den Anruf bekam, dass ich es sein werde, dachte ich als erstes: Ernsthaft?" Ebenso überrascht - und ein wenig eingeschnappt - waren offenbar der Zen-Meister und vor allem die Fans.

Unterstützung der Spieler

Keine gute Startgrundlage also für den Coach, der sich immerhin auf die Unterstützung der Spieler freuen durfte. "Ich liebe ihn", lies Kobe Bryant verlauten, der in Italien als großer Fan von D'Antoni aufwuchs.

In die gleiche Kerbe schlug Steve Nash: "Jeder weiß, wie sehr ich Mike liebe. Wenn er uns trainiert, ist das großartig für mich und für das Team." Aber großartig ist bei den Lakers aktuell nur noch der Name.

Mit Xavier Henry, Jordan Farmar, Nick Young, Steve Nash, Pau Gasol und Kobe Bryant fiel eigentlich jeder Spieler der Lakers kurzfristig oder langfristig aus, der auch nur ansatzweise als Leistungsträger zu bezeichnen wäre.

Doch bei allen Problemen und Verletzungen, D'Antoni hat es nie geschafft, sein Run-and-Gun-System an die aktuelle Situation anzupassen. Einen Plan B sucht man beim Coach vergeblich. Diese Sturheit bietet eine Menge Angriffsfläche. Ein gefundenes Fressen für die enttäuschten Fans.

D'Antoni bald weg?

Die aktuelle Saison können sie ohnehin abhaken, für die kurzfristige Zukunft sieht es aber auch nur geringfügig besser aus. Kobe Bryant verdient in den kommenden beiden Jahren 48 Millionen Dollar. Das ist extrem viel Geld für einen angeschlagenen 35-Jährigen - vielleicht zu viel.

Natürlich ist Kobe das Gesicht der Franchise. Sein Wert geht über das Spielfeld hinaus, aber das Risiko, seinen Vertrag trotz seiner schweren Verletzung direkt zu verlängern, könnte den Lakers jetzt teuer zu stehen kommen. Der Superstar schränkt den Neuaufbau erheblich ein und könnte ihn sogar auf 2015 schieben.

Hoffnung macht da nur der hohe Pick im kommenden Draft und die Strahlkraft der Franchise. Bei allem Misserfolg ziehen die Lakers immer noch und so werden spätestens in zwei Jahren neue Stars den Weg nach Tinseltown finden. Ob sie dann noch auf D'Antoni treffen, ist aber äußerst fraglich.

Der Kader der L.A. Lakers

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