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Warum Baseball eben doch ein geiler Sport ist

Mittwoch, 28.06.2017 | 12:54 Uhr
Baseball: Ebenso faszinierend wie undurchschaubar?
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Das Spiel:

Wie oben erklärt, ist es kein Zufall, dass der Satz "Die schwerste Aufgabe im Sport ist es, einen Baseball zu schlagen" von Ted Williams zu einem Mantra geworden ist. Wo man es im Basketball und Football schon durch pure Athletik oft recht weit bringen kann, gehört beim Baseball eben auch die Technik dazu: Die Fähigkeit, sowohl einen bis zu 100 Meilen schnellen Fastball, als auch einen 75 Meilen schnellen Curveball zu treffen.

An diesem perfekten Schwung, am Auge, an der Koordination muss man unfassbar mühsam über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, feilen. Es ist kein Zufall, dass in NBA oder NFL Spieler regelmäßig direkt nach dem Draft zum Leistungsträger oder gar Superstar werden, während solche Karrieren im Baseball die absolute Ausnahme sind. Auch die absoluten Supertalente quälen sich über mehrere Jahre durch die Minor Leagues - wenn sie es überhaupt schaffen.

Gleichzeitig bietet die MLB, die Technik vorausgesetzt, ihren Zuschauern eine unglaubliche Vielzahl von Spielertypen: Es gibt die Topathleten mit Wundertaten an den Outfield Walls, die wandelnden Kühlschränke, die drahtigen Flitzer und diejenigen, denen man auch einen kleinen Bierbauch unterstellen könnte. Bei den Pitchern übrigens ebenfalls: In welchem Sport könnte ein Bartolo Colon mit fast 44 und diesem Körperbau (!) immer noch zu den Leistungsträgern zählen?

Wer ist die Katze, wer die Maus?

Oben wurde die Zweikampf-Natur des Sports bereits erwähnt, und die führt in Kombination mit solchen Spielertypen bei Batter und Pitcher zu einer Vielzahl an immer wieder faszinierenden Duellen: Mal ist es der 1,95 Meter große Fireballer, der ein Leichtgewicht aus Japan förmlich wegpusten will. Und mal ist es der alternde Fuchs auf dem Mound, der ein Homerun-Monster in der Blüte seiner Jahre irgendwie hinters Licht führen muss.

Die mentale Komponente kommt noch dazu: Es ist ein andauerndes Katz-und-Maus-Spiel, das da auf dem Feld stattfindet. Mit welchem Wurf rechnet er? In welche Ecke? Bringt der Pitcher seinen Gegner dazu, nach einem Pitch außerhalb der Strikezone zu schwingen? Umgekehrt kann der es sogar schaffen, ohne einen einzigen Schwung auf Base zu kommen. Je nach Spielstand und Spielsituation multipliziert sich die Spannung derart, dass sogar die Momente zwischen den Pitches förmlich elektrisiert sind.

Man schaue sich diese Szene aus den letzten Playoffs an. Oder diese aus dem Jahr zuvor. Sieht das wirklich langweilig aus?

Die Action:

Passiert in der MLB wirklich so wenig? Es ist wahr, dass die Zahl an Runs pro Spiel seit der Jahrtausendwende etwas abgenommen hat, die Spieldauer gleichzeitig aber etwas angewachsen ist, zum Beispiel durch die steigende Anzahl an Relief-Pitchern. Im Zeitvergleich mit einem zunehmend beliebter werdenden Sport in Deutschland schneidet Baseball aber immer noch gut ab. Einer Untersuchung des Wall Street Journal zufolge gibt es in einem MLB-Spiel etwa 18 Minuten Action - in einem (im Schnitt längeren) NFL-Spiel aber nur ganze elf Minuten.

Warum fühlt es vielleicht trotzdem nicht so an? Weil beim Football 22 Mann gespannt auf den Snap warten und danach auseinanderspritzen, während beim Baseball die meiste Zeit nur drei Spieler involviert sind (Pitcher, Batter, Catcher)? Vielleicht auch deshalb, weil in der NFL aufgrund der wenigen Saisonspiele die Stadien fast immer randvoll sind und jedes Spiel über die Playoffs entscheiden kann, während die Oberränge an einem lauen Sommerabend nicht immer vollgepackt mit heiseren Fans ist.

Andererseits: Eine Partie zwischen den Nets und den Kings im Februar ist auch nicht gerade NBA-Werbung vom feinsten, oder Jets vs. Browns in der NFL. Natürlich macht ein Primetime-Spiel einer verhassten Rivalry wie Yankees - Red Sox im ausverkauften Yankee Stadium mit zwei Assen auf dem Mound mehr Laune. Aber es gibt eben bis zu 15 Spiele pro Tag: Ein Highlight ist fast immer dabei.

Defense agiert, Offense reagiert?

Zu wenig Offense? Das sind die gleichen Vorwürfe, die sich Fußball einst in den USA anhören musste: Ein Spiel kann nach 90 Minuten 0:0 ausgehen? Warum wird denn das Pitching ausgeklammert? Ein knappes Spiel kann ebenfalls spannend sein, das wissen wir aus anderen Sportarten - aber im Baseball hat man die zusätzliche Komponente, dass die Defense in Person des Pitchers agieren und angreifen muss. Die Defense muss der Offense den Ball geben, um erfolgreich zu sein!

Auch der Fokus auf den Pitcher kann faszinierend sein: Wie ändert er seine Taktik je nach Hitter? Kommen bei der zweiten oder dritten Runde durch das Lineup plötzlich andere Pitches zum Einsatz? Und spätestens, wenn sich die Partie in Richtung No-Hitter oder gar Perfect Game bewegt, entwickelt sich eine Spannung, die eine Defensivschlacht im Basketball oder Football gar nicht bieten kann.

Selbstverständlich bietet ein MLB-Spiel auch Leerlaufphasen. Das Spiel, wie auch die Saison, ist mehr eine Art Marathon mit Zwischensprints. Es gibt Ebbe und Flut, nicht nur Aktion, sondern auch viel Antizipation und Reaktion. Man könnte sogar die Frage stellen, ob es durch die regelmäßigen Pausen und Inning-Wechsel sogar besser in die heutige Zeit passt, weil unsere Konzentrationsspannen immer kürzer werden.

Kein Zeitspiel in der MLB

Einen Pluspunkt, den die MLB jedoch auf jeden Fall mitbringt, ist der folgende: Es gibt kein Zeitspiel. Tempo rausnehmen, die Uhr herunterlaufen lassen? Den Vorsprung einfach über die Zeit bringen? Im Baseball unmöglich: Das gegnerische Team muss besiegt werden. "Man kann nicht einfach ein paar Mal in die Line rennen und so die Uhr runterspielen", so drückte es Orioles-Legende Earl Weaver aus. "Man muss den Ball über die verdammte Platte werfen und dem Gegner eine Chance geben. Deshalb ist Baseball das beste Spiel überhaupt."

Das bedeutet gleichzeitig: Im Baseball ist jedes noch so abstruse Comeback möglich. Nicht immer wahrscheinlich, aber immer möglich und umso verrückter, wenn es wirklich einer dieser Abende ist wie am 9. April, als die Angels ein 3:9 im letzten Inning irgendwie drehten. Fußball, Basketball, Football - irgendwann ist klar, dass die Zeit einfach nicht mehr reicht. In der MLB ist immer genug Zeit.

Genug geredet. Zum Abschluss noch

Zehn Gründe, warum Baseball eben doch geil ist

  • Weil der Sport eine unfassbar reiche Geschichte hat.
  • Weil Rekorde im Baseball deshalb auch wirklich etwas bedeuten. Man hat das Gefühl, als würden in NFL und NBA mittlerweile jede Woche neue Bestmarken aufgestellt - das bringt Schlagzeilen, kann aber auch ermüdend sein. Wer sich aber wirklich einer Baseball-Bestmarke nähert, der muss dafür erst einmal über 100 Jahre Geschichte besiegen.
  • Weil im All-Star Game der MLB auch Defense gespielt wird.
  • Stealing Home.
  • Weil sogar die Zuschauer im Stadion ins Spiel eingreifen können. Man frage nur Steve Bartman ...
  • Weil die Spieler auch mal die Fäuste sprechen lassen.
  • Weil kein anderer Sport so gut statistisch erfasst werden kann wie Baseball. Die MLB ist ein wahres Nerd-Bonanza.
  • Weil sich kein anderer Sport derartige Traditionen zu eigen gemacht hat. Moment, alle Stadien sind unterschiedlich groß? Unterschiedliche Regeln in beiden Ligen? Präsidenten, die den First Pitch ausführen? Lange Hosen mit Gürtel? Manchmal komisch, aber oft auch geil.
  • Der Catcher. Einfach mal beobachten, wo der Catcher vor dem Pitch seinen Handschuh positioniert: Sooo genau werfen die besten Pitcher der Welt dann auch nicht immer.
  • Weil Baseball die besten Sportfilme hat. Und diese Szene noch zehnmal besser ist, wenn man alle Regeln kennt.

Seite 1: Faszination Baseball - ein "unmöglicher" Sport

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