Sonntag, 06.07.2008

Platz 3 beim Supercup

Bloß keine Kollateralschäden

Bamberg - Kommt er oder kommt er nicht? Und wenn ja, wann und in welchem Zustand? Bei den deutschen Basketballern dreht sich derzeit alles um Chris Kaman.

© Getty

Der am 2. Juli nach zähem Ringen eingebürgerte Amerikaner war beim Supercup in Bamberg das Gesprächsthema Nummer eins, obwohl der Center mit den deutschen Urgroßeltern noch im fernen Kalifornien weilte.

Mitte der Woche soll der 26-Jährige nun endlich in Deutschland eintreffen und am 9. Juli in Hamburg zur Mannschaft stoßen. Bundestrainer Dirk Bauermann will dann spontan entscheiden, ob er Kaman bereits dort im Testspiel gegen Kanada für einige Minuten einsetzt.

Letzte Klärung am Montag

"Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf den Jetlag, daher kann man das jetzt noch nicht genau sagen", meinte Bauermann. 

 Die letzten Fragen bezüglich der Versicherung für Kaman sollen an diesem Montag geklärt werden. "Ich freue mich auf ihn, er wird uns erheblich verstärken", sagte der Präsident des Deutschen Basketball-Bundes, Ingo Weiss.

Doch die Personalie Kaman birgt für das deutsche Nationalteam auch Risiken und scheint bei den Spielern nicht nur Freudensprünge auszulösen. "Damit beschäftige ich mich nicht", sagte Aufbauspieler Pascal Roller schmallippig, als er auf den Blondschopf von den Los Angeles Clippers angesprochen wurde.

Superstar Dirk Nowitzki bezeichnet den langwierigen Prozess um den zweiten NBA-Star sogar als "etwas ungünstig, auch wenn er uns auf jeden Fall stärker macht".

Wie lange dauert das Einspielen?

In die Freude über das Mitwirken des 2,13-Meter-Riesen, dessen Einsatz im Test gegen Kanada in Hamburg sich kurzfristig entscheiden soll, scheint sich die Sorge zu mischen, Kaman bis zum Beginn des Olympia-Qualifikationsturniers in Athen am 14. Juli nicht rechtzeitig integrieren zu können.

"Wir müssen ihn jetzt so schnell wie möglich einbauen, ohne dass es zu große Kollateralschäden gibt", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann nach dem Vier-Nationen-Turnier in Bamberg, das Deutschland als Dritter beendete.

"Fantastische" Einbürgerung

Doch nicht nur Bauermann weiß, dass sich die Chancen auf ein Ticket nach Peking mit dem US-Boy deutlich erhöhen. "Der Tag seiner Einbürgerung war ein ganz bedeutendes Datum für den deutschen Basketball", erklärte der 50-Jährige.

Schließlich hat Kaman in den Telefonaten mit dem Nationalcoach deutlich gemacht, dass er sein Engagement für Deutschland nicht nur auf die Olympischen Spiele beschränkt sieht. "Er hat mich schon gefragt, wie es mit der EM im kommenden Jahr aussieht", sagte Bauermann. "Dass wir neben Dirk nun einen zweiten NBA-Star im Team haben, ist für das Erscheinungsbild des deutschen Basketballs fantastisch."

Allerdings wird der Bundestrainer für Kaman noch einen Spieler aus dem bisherigen Kader opfern müssen, der in den bisherigen drei Wochen hart für das große Ziel Olympia gearbeitet hat.

Gründheid und Roessler gestrichen 

Am Samstagabend teilte der Oberhausener bereits Guido Grünheid und Rouven Roessler mit, dass sie nicht mehr zum Aufgebot gehören.

Vor Beginn des Vier-Nationen-Turniers, bei dem die deutschen Korbjäger gegen Puerto Rico knapp verloren (83:85) und gegen Slowenien 77:67 gewannen, hatte Bauermann schon den Verzicht auf Ademola Okulaja bekanntgegeben. Der Routinier fällt wegen Rückenbeschwerden aus.

Ihren Platz im Aufgebot sicher haben dagegen die beiden Neulinge Konrad Wysocki und Tim Ohlbrecht. "Vor allem die Entwicklung von Tim ist unglaublich", lobte der Coach. Der 19-Jährige überzeugte besonders gegen Puerto Rico, das am Samstag das Finale gegen Griechenland 86:93 verlor.

Insgesamt machte die gesamte Mannschaft einen positiven Eindruck. "Wir sind ganz gut drauf, auch wenn noch ein weiter Weg vor uns liegt", sagte Nowitzki. Die letzten Meter Richtung Athen wird nun endlich auch Kaman mit dem deutschen Team bestreiten können.


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