Ligety: Der Toni Sailer aus Übersee

Von Christoph Köckeis
Montag, 18.02.2013 | 18:49 Uhr
Ted Ligety (M.) überragte bei der WM in Schladming auch Lokalmatador Marcel Hirscher (l.)
© Getty
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Die Weltmeisterschaft in Schladming ist Geschichte: Dreifach-Gold-Ted und ein Wunderkind boten eine US-Show der Extraklasse. Die Stimmung elektrisierte die Sportler - nur einen Experten nicht. Gold-Maria und Silber-Felix entwaffneten ihre ewigen Zweifler. Dazu im Rückblick: Die Super-G-Farce und ein anzügliches No-Go.

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US-Show: Österreich lebt für den Skisport. In den USA schrammt dieser zumeist an der Grenze der Wahrnehmung vorbei. Mediale Präsenz wird den Alpinen dann zuteil, wenn sie Außergewöhnliches leisten. Kurzzeitig gelang das Bode Miller. Lindsey Vonn hält sich seit Jahren im Rampenlicht. Warum wohl?!

Nun wird Ted Ligety die großen Talk-Master abgrasen, um Entwicklungshilfe zu leisten. Er schrieb in Schladming WM-Geschichte. Nur vier Allzeit-Größen gelang das Kunststück, drei oder mehr Titel zu erobern. Er ist der erste dreifach vergoldete Nicht-Europäer - quasi der Toni Sailer aus Übersee.

Im Schatten Ligetys erstrahlte zudem ein neuer Stern ganz hell: Mikaela Shiffrin, 17-jähriges Wunderkind, demonstrierte mit dem Slalom-Erfolg ihre Reife. Im Stile einer Arrivierten. Am Ende blickten die USA vom Medaillen-Gipfel herab: Auf Österreich und Co...

Slalom-Thriller: Acht Millionen ersehnten den Goldrausch. Stattdessen löste ein "Blech"-Hagel in der ersten Woche Staatstrauer aus. Die rot-weiß-roten Krisenmanager waren gefordert. Allen voran Marcel Hirscher. Er wurde auserkoren, die Ski-Nation zu retten.

Im Riesentorlauf reichte es trotz Rückenbeschwerden zu Silber. Doch zum versöhnlichen Abschluss fehlte der Einzel-Triumph. "Eine Viertelstunde vor dem zweiten Lauf begann ich nachzudenken. Über das Rennen, über das Leben, darüber, dass das halbe Land und weitere 40.000 im Stadion zusehen", sinnierte Hirscher. Freund Felix Neureuther erzeugte einen unmenschlichen Druck.

Ausgerechnet ein Deutscher, werden sich unsere liebsten Nachbarn gedacht haben. "Ich dachte: Sie würden mich bei einem Ausfall umbringen", so Hirscher. Von Nervenflattern war zwischen den Toren keine Spur. Wie meinte "ZDF"-Experte Marco Büchel treffend: "Langsam glaube ich, er ist eine Maschine." Mario Matt vollendete mit Bronze die österreichischen Sonntagsfestspiele.

Gold-Maria & Silber-Felix: Mit zu hohen Ansprüchen sahen sich die DSV-Athleten nicht konfrontiert. Trotz starker Vorstellungen in diesem Winter eilt Neureuther der Ruf voraus, bei Großereignissen stets zu versagen. Doppel-Olympiasiegern Maria Höfl-Riesch schien im Mittelmaß festzustecken. Und die männliche Speed-Abteilung entbehrt jeglicher Erwähnung.

Letztere soll künftig mit 100.000 Euro auf Vordermann saniert werden, das versprach Alpindirektor Wolfgang Maier. Woher die Spendierlaune rührt? Von Gold-Maria. Bronze in Abfahrt und Team, gekrönt durch den Super-Kombi-Sieg. "Im Moment ist sie unverzichtbar", unterstrich Maier: "Und Felix hat das Meisterstück abgeliefert."

Obwohl Neureuther vor dem Slalom selbst Zweifel hegte: "Immer wieder kamen mir Gedanken an die Fehler, die ich früher gemacht habe. Jetzt bin ich absolut überglücklich. Es ist das Anstrengendste und zugleich Schönste, was ich je gemacht habe." Tja, Erfolg ist die beste Waffe gegen nörgelnde Journalisten...

Stimmung: Insgesamt 300.000 Zuschauer stürmten nach Schladming. Österreich ist und bleibt eben skiverrückt. Die Aktiven schwärmten, bescherte ihnen das Zielgelände, mit einem Lautstärkepegel wie in Fußball-Stadien, doch Gänsehaut-Momente. Zumal die Stimmung für Neureuther ein guter Gradmesser war.

"Ein stilles Publikum bedeutet, ich bin gut unterwegs. Ich dacht mir: Leut', seid's bloß leise." Zuvor habe ihn ein "Schwall fast aus dem Starthäuschen gehauen", als bei Matts Lauf die Berge wackelten. Trotz Patriotismus bleibt die WM für den 28-Jährigen lange unerreicht.

"Jetzt kommen Olympische Spiele in Sotschi sowie Südkorea und Weltmeisterschaften in Amerika. Schauen wir mal, wie die Stimmung wird." Da verstummte auch Markus Wasmeier. In der "ARD" mäkelte er: "Es ist eine Totenstimmung ohne Österreicher." Wir empfehlen ein Hörgerät!

Seite 2: Flops - Von Horror-Sturz bis anzügliche Party-Slogans

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