Donnerstag, 25.02.2016

Anderson Silva im Porträt

Greatest of all time?

Am 27. Februar 2016 kehrt die UFC nach Europa zurück - und wie! In London feiert UFC-Legende Anderson "The Spider" Silva seine Rückkehr in das Oktagon und trifft dabei mit Michael "The Count" Bisping auf den erfolgreichsten britischen Kämpfer der UFC. Silva war von 2006 bis 2013 Weltmeister im Mittelgewicht und hält unter anderem die Rekorde für die meisten aufeinanderfolgenden Titelverteidigungen und für die meisten aufeinanderfolgenden Siege in der UFC. Viele Experten halten ihn für den besten MMA-Kämpfer aller Zeiten. Wir haben seine Karriere unter die Lupe genommen.

Anderson Silva gilt als einer der besten Kämpfer aller Zeiten
© getty
Anderson Silva gilt als einer der besten Kämpfer aller Zeiten

Anderson Silva wuchs mit seinen drei Geschwistern unter ärmlichen Bedingungen in Brasilien auf. Die meiste Zeit verbrachte er bei seinem Onkel, der als Polizist in Curitiba arbeitete. Schon im Alter von sieben Jahren begann er in der Nachbarschaft Jiu Jitsu zu trainieren.

Bald folgten auch Trainingseinheiten in Tae Kwon Do und Muay Thai. In Tae Kwon Do und Judo brachte er es bis zum schwarzen Gürtel, in Capoeira verdiente er sich das gelbe Band und trug außerdem einige Profi-Kämpfe im Boxen aus. Kurz zusammengefasst ist Silva ein sehr vielseitiger Kämpfer.

Den ersten Vorgeschmack auf Silvas Fähigkeiten bekam die MMA-Welt im Jahr 2001 zu sehen, als er den damaligen Shooto-Mittelgewichts-Champion Hayato Sakurai entthronte. Der Japaner war bis dahin ungeschlagen, der Brasilianer beendete aber diese Serie von 20 Kämpfen.

Silva bestritt danach einige erfolgreiche Duelle in verschiedenen Organisationen, nach einer Niederlage gegen Ryo Chonan verlor er jedoch kurzfristig den Glauben an seine Karriere. Der erfolgreiche brasilianische MMA-Kämpfer Antonio Rodrigo Nogueira brachte Silvas Motivation zurück, was zur Folge hatte, dass Silva sein Camp Chute Boxe verließ und zu Nogueira´s Brazillian Top Team wechselte.

Trash Talk? Who cares?

Möglicherweise war es der Spinning Elbow, mit dem Silva Tony Fryklund bei Cage Rage 16 besiegte, der die Offiziellen der UFC dazu bewegte Anderson unter Vertrag zu nehmen. Sein Debüt feierte er 2006 gegen den bis dato ungeschlagenen Chris Liebing.

Liebing ließ die Trash-Talk-Maschine laufen und prophezeite ein Knock Out gegen den in den USA weitgehend unbekannten Silva. Der Brasilianer streckte Liebing nach 49 Sekunden nieder, die UFC-Fans waren begeistert und Silva kämpfte nur drei Monate später gegen damaligen Superstar Rich Franklin um den Titel im Mittelgewicht. Mit brutalen Muay Thai -Knees brach er nicht nur Franklins Widerstand und besiegte ihn in nur knapp drei Minuten.

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Damit ließ "The Spider" in nur drei Monaten zwei Top Fighter der UFC wie absolute Beginner aussehen. Man hatte das Gefühl seine Gegner wären Lichtjahre von seinem Level entfernt. Dieses Gefühl zog sich wie ein roter Faden durch Silvas Karriere. Gegen wen auch immer er seinen Titel verteidigte, Dan Henderson, Vitor Belfort, Demian Maia, etc., alle wurden vorgeführt. Die Präzession, die Eleganz und die anscheinende Leichtigkeit, mit der er seine Kontrahenten eliminierte, suchten seines Gleichen. Anderson Silva wurde zum absoluten Megastar der UFC.

Als Chael Sonnen die Bühne betrat, verschärfte sich der Umgangston in der MMA-Welt. Das Ausmaß und die Anzahl der verbalen Attacken waren so noch nie da gewesen. Was das betrifft, kann man sich Sonnen als den Prototypen von Conor McGregor vorstellen. Silva wurde zu dieser Zeit schon als "The Greatest Of All Time" gehandelt und war Trash Talk in diesem Ausmaß nicht gewohnt. Seine Gegner in der UFC begegneten ihm aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten immer mit Respekt, Sonnen hatte jedoch andere Pläne. Er beleidigte Silva, seine Frau, seine Trainer, seinen Manager, Jiu Jitsu und ganz Brasilien. Ein noch nie da gewesener Druck lastete auf Silvas Schultern, denn ganz Brasilien hatte mit Chael Sonnen einen gemeinsamen Feind.

Unmöglich? Ist nichts!

Im August 2010 trafen die zwei Kontrahenten bei UFC 117 aufeinander und der Herausforderer schaffte das Unmögliche. Sonnen dominierte Silva für fünf Runden am Boden und schien den Sieg bereits in der Tasche zu haben.

Jedoch keine zwei Minuten vor dem Ende der letzten Runde sicherte sich ein sichtlich gezeichneter Silva den Sieg durch einen Triangle Armbar. Dieser Kampf ging als einer der spannendsten Kämpfe in die Geschichte der UFC ein und zementierte Silvas GOAT-Status.

Im Juli 2013 verlor der mittlerweile 38 jährige Silva seinen Titel gegen Chris Weidman durch KO. In einem unverzüglichen Rückkampf hatte Silva noch weniger Glück und brach sich das Schienbein in der zweiten Runde. Es war eine furchtbare Verletzung und viele dachten, es sei das Ende seiner Karriere. Er feierte jedoch im Jänner 2015 sein Comeback gegen Nick Diaz.

Der Kampf wurde allerdings als "No Contest" gewertet, weil Silva einen positiven Dopingtest abgab. Für seine Fans war es ein großer Schock, denn seit damals steht der Vorwurf im Raum, Silva hätte in seiner kompletten Karriere Steroide genommen. Einer der größten Vertreter dieser Meinung ist sein Gegner bei UFC London, Michael "The Count" Bisping.

Bloß nicht unterschätzen

Der Brite hat 2006 nur vier Tage vor Silvas Titelgewinn das Ultimate Fighter Finale im Leicht-Schwergewicht gewonnen. Viele waren der Meinung er sei zu leicht für diese Gewichtsklasse und nach einer Niederlage gegen Rashad Evans wechselte er 2008 endgültig in das Mittelgewicht.

Bispings Karriere verlief gut, schnell wurde er zum MMA-Posterboy in England. Er leistete Pionierarbeit in Europa und half mit, den Weg für Kämpfer wie Gustaffson und McGregor zu ebnen. Er zählt zu den meist unterschätzten Kämpfern der UFC. Für einen Titelkampf hat es bisher noch nicht gereicht, und genau das ist die Motivation für Bisping. Das macht ihn für Silva besonders gefährlich.

Am 27.Februar 2016 werden wir sehen, ob Michael Bisping seinem großen Traum, doch noch einen Titelkampf auszutragen, einen Schritt näher kommt. Eine große Frage ist aber auch, welcher Anderson Silva in London in das Oktagon steigt. Wenn er an frühere Leistungen anknüpft, kann es sein, dass Bisping fragt "What happend?" Ihr kennt die Antwort: "The Spider!"

Die aktuellen UFC-Champions

Philipp Zotter

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