Dienstag, 23.11.2010

Rap-Star Azad im Interview

Azad: "UFC ist wie Schach mit dem Körper"

Azad ist seit seiner Jugend bekennender Kampfkunst-Fan und war Star-Gast beim UFC 122 in Oberhausen. Im SPOX-Interview spricht der Rap-Star über Vorurteile, seinen persönlichen MMA-Guru - und den Traum, einmal selbst in den Käfig zu steigen.

Azad wurde 1974 im Iran geboren. Heute lebt der Rapper in Frankfurt am Main
© azad
Azad wurde 1974 im Iran geboren. Heute lebt der Rapper in Frankfurt am Main

SPOX: Viele Leute in Deutschland sind nach wie vor abgeschreckt, einige sogar angewidert von der UFC. Sie hingegen sind bekennender Fan der Mixed Martial Arts. Warum?

Azad: Ich bin seit meiner frühesten Jugend ein großer Kampfkunst-Fan - und die MMA sind nun mal der Zehnkampf des Kampfsports, die Königsdisziplin. Um die MMA tatsächlich meisterhaft zu beherrschen, muss man jede Facette des Kampfsports erlernen.

SPOX: Die MMA sind, wie der Name schon sagt, eine Mischung aller gängigen Kampfsportarten wie Karate, Kickboxen und Judo. Welcher Stil gefällt Ihnen am meisten?

Azad: Ich bin ein großer Fan von Anderson Silva, dem aktuellen Mittelgewichts-Weltmeister der UFC. Seine unorthodoxe Kampfweise, gepaart mit dem Thai-Box-Stil, ist für mich das Nonplusultra. Der packt Sachen aus, die hat man noch nie gesehen. Er ist für mich der Guru, der Übermeister. Manchmal steht er komplett ohne Deckung vor seinem Gegner und weicht nur mit Pendelbewegungen den Schlägen aus. Manchmal schlägt er seine Gegner, ohne selbst zu schlagen. Unglaublich.

SPOX: Sie selbst betreiben Kampfsport, unter anderem das brasilianische Jiu Jitsu. Woher kommt Ihr Faible?

Azad: Das hängt wohl damit zusammen, dass es sehr viele Parallelen zwischen dem Rap und der Kampfkunst gibt. Auch als Rapper muss ich verschiedene Stile vereinen und versuchen, daraus einen eigenen Stil zu entwickeln und zu perfektionieren. Diese Kreativität ist auch im Kampfsport wichtig. Daher kommt wohl meine Vorliebe für MMA.

SPOX: Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Rap und MMA dürfte Ihnen nicht so gefallen: die gesellschaftliche Stigmatisierung.

Azad: Das ist sehr schade. Irgendwie kann ich sogar verstehen, dass Rap und MMA so kritisch gesehen werden. Aber wer sich tatsächlich mit der Materie beschäftigt und nicht auf der Oberfläche verbleibt, wird sehen, wie tiefsinnig und intelligent zum Beispiel die UFC-Kämpfe sind. Es sind keine sinnlosen Prügeleien, vielmehr ist es wie Schach mit dem Körper. Es geht um Taktik, Mitdenken, Strategie. Natürlich fließt Blut, aber die Politiker fokussieren sich nur darauf und stellen das vermeintlich Böse heraus.

SPOX: Aber was ist mit dem Einfluss solcher Bilder von der UFC auf Kinder und Jugendliche? Würden Sie Ihre 10-jährige Tochter mit zum UFC nehmen?

Azad: Nein, das ist zu früh. Ein Kind sollte solche Kämpfe genauso wenig sehen wie Action- oder Horror-Filme. Es benötigt eine gewisse Reife, um solche Eindrücke zu verarbeiten und richtig einzuordnen. Aber für Erwachsene spricht doch nichts dagegen.

SPOX: Boxen ist nicht minder blutig, dennoch schauten etwa beim einseitigen Kampf von Witali Klitschko gegen Shannon Briggs 13 Millionen Deutsche zu. Woher kommt die vermeintlich ungleiche Bewertung von Kampfsportarten? Für viele Mediziner ist Boxen die wesentlich gefährlichere Sportart als MMA.

Azad: Boxen hat sich eben etabliert und ist den Weg bereits gegangen, den die UFC in Deutschland noch gehen muss. Vor nicht allzu langer Zeit wurde auch Boxen in der Öffentlichkeit als menschlicher Hahnenkampf abgestempelt. Aber nach und nach ist ein Prozess in Gang gekommen und die Akzeptanz hat sich gesteigert. Dasselbe wird auch der UFC gelingen.

SPOX: Würden Sie sich selbst zutrauen, in einen Käfig zu steigen und einen MMA-Kampf zu bestreiten?

Azad: Es ist ein großer Traum von mir. Natürlich könnte ich nicht in der UFC bestehen, sie ist immerhin die Champions League des Kampfsports. Aber wer weiß, was möglich gewesen wäre, wenn ich mit Anfang 20 mit dem Training angefangen hätte. Heute bin ich leider 36 und ich bräuchte bestimmt fünf Jahre hartes Training. Nein, der Zug ist abgefahren. Ein Kampf in einer kleineren Organisation ist aber weiterhin gut möglich.

SPOX: Womit Sie ein Klischee erfüllen würden: Wer sonst außer ein Rapper mit bewegter Vergangenheit wie Sie steigt schon freiwillig in einen Käfig, um zu kämpfen.

Azad: Das Klischee liegt natürlich nahe. Aber die Leute kennen mich nicht und bilden sich eine Meinung aufgrund weniger Episoden in meinem Leben. Jeder, der mich besser kennt, weiß, dass ich ein sehr höflicher und hilfsbereiter Mensch bin und moralische Werte hochhalte. Natürlich biete ich den Leuten Entertainment, wenn ich ein Battle-Rap veranstalte oder zukünftig vielleicht in einen Käfig steige - aber daraus Rückschlüsse auf meinen Charakter zu ziehen, ist schlichtweg falsch. Wer mich auf mein hartes Erscheinungsbild reduziert, wird nie den Kern der Wahrheit erkennen.
UFC 123: B.A. Baracus schlägt zu

Interview: Haruka Gruber

Diskutieren Drucken Startseite

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.