Was ist vom Tennisjahr 2011 zu erwarten?

"Neuer" Federer macht Jagd auf Nadal

Von Philipp Joubert
Sonntag, 16.01.2011 | 12:45 Uhr
Roger Federer (l.) macht mit neuem Trainer Jagd auf den Weltranglistenersten Rafael Nadal
© Getty
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Mit den Australian Open steht das erste Highlight des Tennisjahres 2011 an. Standortbestimmung für alle Spitzenspieler. Von welchen Herren und Damen ist am meisten zu erwarten? Auf wen muss man besonders achten und schafft der eine oder andere Deutsche den Sprung in die Weltspitze.

Herren

Auch in diesem Jahr werden Roger Federer und Rafael Nadal die Geschichtsbücher neu schreiben. Eine spannende Frage des Jahres könnte aber werden: Schafft erstmals seit Novak Djokovic und Andy Murray ein junger Spieler den Durchbruch nach ganz oben? Mit Ernests Gulbis, Grigor Dimitrov oder Richard Berankis gibt es genug Kandidaten, auch wenn ihnen in den nächsten 12 Monaten wohl noch die beiden Ausnahmespieler der letzten Jahre im Weg stehen werden.

1. Rafael Nadal:Rafael Nadals Jahr 2010 gehörte zu den besten und konstantesten, die je ein Tennisprofi gespielt hat. Sein verbesserter Aufschlag und der Mut zu mehr Risiko von der Grundlinie machen ihn auch in diesem Jahr nicht nur zum frühen Favoriten bei den French Open und in Wimbledon, sondern auch zu einem Titelanwärter bei vielen Hardcourt-Turnieren. Mit einem Sieg bei den Australian Open wäre Nadal der erste Spieler seit Rod Laver, der alle vier Grand Slams zeitgleich hält. Zwar wird er nicht so erfolgreich sein wie im letzten Jahr, aber dank seiner Dominanz auf Sand wird er auch dieses Jahr als Nummer Eins abschließen.

2. Roger Federer: Roger Federer fehlt nur noch eine Woche an der Spitze der Weltrangliste, um den letzten wichtigen Rekord seiner Karriere zu knacken. Seitdem er im letzten Sommer zum ersten Mal seit Jahren einen Coach anheuerte und endlich wieder so aggressiv spielt, wie seine Fans es lieben, scheint eine Rückkehr an die Weltspitze nicht mehr ausgeschlossen. Endlich gelingt es ihm, auch mit seiner verbesserten Rückhand Ballwechsel zu dominieren. Der Schweizer ist nicht nur der Favorit in Melbourne, sondern im Moment der einzige Spieler, der Nadal über das ganze Jahr gefährlich werden kann.

3. Andy Murray: Seit Jahren raten Experten Andy Murray, in den wichtigen Matches endlich das Heft in die Hand zu nehmen und sich nicht nur auf seine Ballverteilkünste von der Grundlinie zu verlassen. Vor allem auf seinen geliebten Hardcourts muss er auf Fehler seiner Gegner hoffen. Allerdings hat der Schotte auch in der Saisonpause keinen Wechsel vorgenommen, der darauf hindeutet, dass er sein Spiel umstellen will. So ist seine beste Chance auf den lang ersehnten ersten Grand-Slam-Sieg wohl Wimbledon, wo schon Rafael Nadal gezeigt hat, dass man mit exzellenter Beinarbeit und gelegentlichen Ausflügen ans Netz gewinnen kann.

4. Novak Djokovic: Kein Spieler investiert emotional so viel wie der Serbe. Daher wäre es nicht überraschend, wenn er nach dem aufreibenden Triumph im Davis Cup erst mal in ein Loch fallen würde. Über das letzte halbe Jahr hat er endlich wieder die richtige Mischung aus Angriffslust und Konstanz in seinem Spiel gefunden, und so scheint das Erreichen eines weiteren Grand-Slam-Finales in diesem Jahr realistisch. Für den ganz großen Triumph müssten aber andere Spieler Federer und Nadal vor dem Finale aus dem Weg räumen.

5. Robin Söderling: Der Sieg beim Masters-Turnier in Paris Ende letzten Jahres scheint den Glauben an einen Grand-Slam-Gewinn beim ohnehin selbstbewussten Schweden nur noch vergrößert zu haben. Sein Start ins Jahr 2011 mit einem lockeren Turniersieg in Brisbane war beeindruckend. So ist er trotz der schweren Auslosung bei den Australian Open und einer schlechten Bilanz in der Vergangenheit ein Mitfavorit. Um Nadal und Federer dauerhaft zu gefährden, fehlt Söderling die Konstanz und Variabilität in seinem wuchtigen Spiel. Aber dass er die beiden bei wichtigen Gelegenheiten schlagen kann, hat er bewiesen.

Man to watch - Juan Martin del Potro

Das größte Fragezeichen des Jahres steht hinter Juan Martin del Potro. Nicht wenige waren nach seinem Triumph bei den US Open 2009 sicher, dass er die Zukunft des Tennis verkörpert: Groß, schlagkräftig und trotzdem mit sehr guter Beinarbeit und Finesse ausgestattet. Wegen einer Verletzung hat der Argentinier aber im letzten Jahr nur fünf Turniere bestritten und wird so wohl einige Zeit brauchen, um die Matchfitness und das Selbstvertrauen früherer Tage zurückzuerlangen. Sollte ihm das aber gelingen, steht einem weiteren Slam-Triumph oder der Nummer Eins ab 2012 nichts im Wege.

Die Aussichten der Deutschen

Wie in den vergangenen Jahren steht das deutsche Herrentennis mit 10 Spielern in den Top 100 in der Breite gut da. Was aber fehlt, sind konstant gute Resultate und ein wirklicher Topspieler. Auch wenn Philipp Kohlschreiber das Potential zum Top 10 Spieler hat und mit dem ehemaligen Trainer von Andy Murray neue Wege außerhalb der bayrischen Heimat geht, wird es wohl auch dieses Jahr trotz einiger herausragender Resultate nicht zum ganz großen Durchbruch reichen.

Florian Mayer hat sich im letzten Jahr wieder an die Weltspitze herangeschlichen. Der Bayreuther mit dem extravaganten Spiel wird auch dieses Jahr nicht unzufrieden sein, knapp außerhalb der Top 30 platziert zu sein. Tommy Haas scheint wieder für Deutschland anzutreten, nachdem er letztes Jahr kurzzeitig unter der Fahne der USA spielte. Es dürfte sein letztes Jahr als Tennisprofi sein, aber ein paar gute Resultate im Sommer auf amerikanischem Hardcourt sind gut möglich.

Philipp Petzschner kann auch in diesem Jahr ein Grand-Slam-Turnier im Doppel gewinnen, wird aber wie Benjamin Becker oder Tobias Kamke nur gelegentlich sein ganzes Potential als Einzelspieler ausschöpfen.

Teil 2: Was ist von den Damen zu erwarten?

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