Die deutsche Hoffnung auf Gelb

Von Interview: Torsten Adams
Dienstag, 01.07.2008 | 10:00 Uhr
tour de france, radsport, frankreich, gerald, ciolek
© Imago
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München - Deutscher Meister, U-23-Weltmeister und mehrfacher Etappensieger der Deutschland-Tour: Mit Gerald Ciolek hat Deutschland wieder ein großes Sprinter-Talent, das in der Lage ist, die Nachfolge des Altmeisters Erik Zabel anzutreten.

In diesem Jahr gibt der Pulheimer sein Debüt bei der Frankreich-Rundfahrt.

Im Interview mit SPOX.com spricht der 21-Jährige über seine Ziele, nennt seine größten Rivalen und erklärt, warum man Zabel immer auf der Rechnung haben muss.

SPOX.com: Herr Ciolek, haben Sie Angst vor Ihrem ersten Mal?

Gerald Ciolek (lacht): Falls Sie auf meine Tour-Teilnahme anspielen: Nein. Grundsätzlich habe ich Respekt vor der Rundfahrt. Allerdings habe ich mir keine großen Gedanken darüber gemacht, ob ich gut über die Berge komme oder nicht. Ich denke, darüber sollte man sich nicht den Kopf zerbrechen.

SPOX: Bei der Tour de Suisse gelang Ihnen gleich zwei Mal eine Podiumsplatzierung hinter den beiden Weltklasse-Sprintern Robbie McEwen und Oscar Freire. Dürfen wir in Frankreich ähnliche Resultate von Ihnen erwarten?

Ciolek: In der Schweiz hatte ich mir insgeheim sogar einen Etappensieg erhofft, aber McEwen war in einer superstarken Form. In Frankreich sieht das allerdings ganz anders aus. Die Konkurrenz ist noch größer, jede Etappe wird extrem scharf gefahren. Wichtig ist für mich, dass ich aus der Schweiz-Rundfahrt mit einer starken Form herausgegangen bin.

SPOX: Die Vorbereitung auf die Große Schleife ist also optimal verlaufen?

Ciolek: Eine Vorbereitung läuft nie perfekt. Im Nachhinein kann man immer etwas verbessern. Dennoch glaube ich, dass ich für die drei Wochen gut gerüstet bin.

SPOX: Im letzten Jahr sagten Sie, dass Sie für eine große Rundfahrt noch nicht bereit wären. Hat sich das jetzt geändert?

Ciolek: 2007 war es eine andere Situation. Es war von vornherein klar, dass ich die Tour nicht fahren werde. In diesem Jahr war die Teilnahme mehr oder weniger geplant und meine Vorbereitung darauf ausgerichtet. Ich fühle mich auf jeden Fall dazu bereit, die Tour zu bestreiten.

SPOX: Trotz Ihres jungen Alters scheint die Sportliche Leitung das genauso zu sehen.

Ciolek: Brian Holm, Alan Peiper und Valerio Piva machen mir keinerlei Druck. Ich bin erst 21, und wenn ich nach 15 oder 16 Tagen sehe, dass ich total platt bin und es zuviel des Guten war, ist es auch kein Problem, das Fahrrad in die Ecke zu stellen und nach Hause zu fahren. Allerdings steht mir da mein eigenes Ego im Weg.

SPOX: Apropos Ego: Welche Ziele haben Sie sich persönlich für ihr Debüt gesetzt?

Ciolek: Zunächst ist bei einer durchweg so starken Mannschaft wie unserer allein die Nominierung ein Erfolg. Ansonsten möchte ich mich bei den Flachetappen in die Massensprints einmischen.

SPOX: Welche Etappen haben Sie besonders im Fokus?

Ciolek: Durch den Wegfall des Prologs hat die erste Etappe natürlich eine besondere Brisanz. Gerade die letzten beiden ansteigenden Kilometer vor dem Ziel dürften mir liegen. Grundsätzlich will man eine Etappe gewinnen und wenn dabei noch Gelb herausspringen kann, ist das ein zusätzlicher Anreiz.

SPOX: Sie sprechen Ihre Qualitäten in Anstiegen an. Sehen Sie sich überhaupt als reinen Sprinter?

Ciolek: In den letzten Jahren haben sich viele klassische Sprinter dahingehend entwickelt, gut über die Berge zu kommen, wie beispielsweise Erik Zabel oder Freire, der beim Amstel Gold Race Achter wurde, aber auch bei Massensprints vorne dabei ist. In diese Richtung bewege ich mich auch. Bei kürzeren Anstiegen kann ich als Sprinter immer noch recht gut mitfahren. Wenn es aber richtig in die Berge geht, fahre ich lieber einen 150er Puls und lasse es eher ruhig angehen.

SPOX: Mit Mark Cavendish und Ihnen hat Team Columbia zwei Klassesprinter nominiert. Wann und wie wird die Taktik festgelegt, und für wen wird jeweils gefahren?

Ciolek: Die Teamtaktik wird grundsätzlich vor jeder Etappe festgelegt und hängt vom jeweiligen Profil ab. Mark und ich sind unterschiedliche Sprintertypen und deshalb ergänzen wir uns sehr gut. Bei Etappen, die eher einfach verlaufen und deren Finale tellerflach ist, hat wahrscheinlich er die schnelleren Beine. An Tagen mit schwierigerem Profil wird wohl eher für mich gefahren.

SPOX: Wie sieht Ihre Taktik im Massensprint aus? Verlassen Sie sich auf Ihre Anfahrer oder haben Sie ein Lieblings-Hinterrad, an das Sie sich hängen?

Ciolek: Gerade bei einer Tour, bei der die erste Woche extrem hektisch verläuft, muss man froh sein, wenn man überhaupt ein Hinterrad erwischt. Entscheidungen in einem Sprintfinale trifft man oft in Hundertstelsekunden. Wenn man sieht, dass derjenige eine gute Position hat und auch noch schnell ist, dann spielt es keine Rolle, ob das ein Freire, McEwen oder Thor Hushovd ist.

SPOX: Sie haben die großen Sprintstars genannt. Sehen Sie diese Fahrer auch als Ihre größten Rivalen an?

Ciolek: Genau. Vor allem Hushovd ist für mich ein ganz heißer Anwärter auf das Grüne Trikot.

SPOX: Erik Zabel und Robert Förster nicht?

Ciolek: Die beiden sind für mich zwar keine Favoriten auf Etappensiege, aber mit ihnen muss man in jedem Fall rechnen. Frösi hat beim Giro gezeigt, dass er schnell ist und siegen kann. Und Ete hat eh jeden Tag die beste Position im Sprint, weil er die Erfahrung und einfach ein unglaubliches Auge für die Rennsituation hat.

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