Boxen

"Rooney denkt wie ein Boxer"

Paul Smith ist auf der Insel auch unter dem Spitznamen "Real Gone Kid" bekannt
© getty

Es ist die Chance seines Lebens. Am Samstagabend trifft Paul Smith in Kiel auf Super-Mittelgewichts-Weltmeister Arthur Abraham (Sa., 22.55 Uhr im LIVE-TICKER). Davor spricht der britische Herausforderer im Interview über seinen guten Freund Wayne Rooney, ein Box-Big-Brother und Autismus.

SPOX: Paul, am Samstag treffen Sie in Kiel auf Super-Mittelgewichts-Weltmeister Arthur Abraham. Gerüchten zufolge soll auch Wayne Rooney am Ring sitzen. Stimmt das?

Paul Smith: Da muss ich Sie wohl leider enttäuschen. Wayne wäre gerne gekommen, aber Manchester United spielt am selben Tag gegen West Ham. Es wäre klasse gewesen, wenn er Zeit gefunden hätte. Aber in dem Fall verstehe ich natürlich seine Entscheidung. Fußball geht vor. Ganz habe ich die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, bei Wayne weiß man nie, was passiert.

SPOX: Woher kennen Sie Rooney?

Smith: Ach, er ist ein alter Freund von mir. Wir haben uns das erste Mal vor knapp 15 Jahren getroffen, damals waren wir noch Teenager. Er ist häufig ins Gym gekommen, sein Onkel war ja auch Boxtrainer, deswegen war er schnell einer von uns. Wayne liebt auch heute noch unseren Sport, er denkt wie ein Boxer.

SPOX: Hätte er es im Ring zu etwas bringen können?

Smith: Das ist natürlich sehr theoretisch gefragt. Aber ich glaube schon, dass Rooney das Zeug gehabt hätte, ein ordentlicher Boxer zu werden. Seine Entscheidung bereut er trotzdem nicht wirklich. Sein Talent auf dem Rasen ist dann wohl doch etwas größer (schmunzelt).

SPOX: Rooney war in seiner bisherigen Karriere nicht immer Everybody's Darling, gerade in seiner Anfangszeit schlug er das eine oder andere Mal über die Stränge.

Smith: Aber ist das nicht auch normal für einen jungen Kerl? Wäre Wayne kein bekannter Fußballer, wäre das jedem egal gewesen. Aber so hat sich die Presse sofort daraufgestürzt. Natürlich hat er auch Fehler gemacht, aber das geht doch jedem so. Wayne ist nun mal ein typischer Kerl aus Liverpool.

SPOX: Was macht den typischen Liverpool-Local denn aus?

Smith: Wir kämpfen uns durch, egal, was uns vor die Beine geworfen wird. Wir geben nie auf, selbst wenn wir die Underdogs sind. Und wir wissen auch, wie man eine Party schmeißt, aber das erklärt sich von selbst (lacht).

SPOX: Dementsprechend dürfte auch die Atmosphäre am Samstag in Kiel werden. Bis zu 2000 Briten haben sich angekündigt.

Smith: Wenn das überhaupt reicht, das wird eine Gänsehautatmosphäre. Britische Fans sind ganz anders als deutsche. Bei denen läuft alles sehr gesittet ab, sie verfolgen die Kämpfe eher als ruhige Beobachter. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Diese Leute haben durchaus Ahnung vom Boxen, aber sie sehen das Ganze eher als nette Show.

SPOX: Und britische Fans?

Smith: Nun ja, ich sage mal so: Am Samstag wird die Halle brennen. Es liegt in unserer Natur, dass wir laut sind, schreien, jubeln und mitfiebern. So wird das auch in Kiel ablaufen - und das spricht klar für mich, denn so eine Atmosphäre wird Abraham noch nie erlebt haben. Ganz egal, ob am Ende 600, 700 oder 2000 Engländer kommen, gegen die deutschen Fans kommen sie locker an.

SPOX: Nur auf Grund Ihrer Fans werden Sie Abraham aber kaum entthronen können. Wie wollen Sie den Weltmeister bezwingen?

Smith: Eines ist offensichtlich. Man kann Abraham rein physisch nicht besiegen, dafür ist er zu schlaggewaltig. Wenn man sich Späße erlaubt, dann liegt man ganz schnell am Boden. Aber das wird nicht passieren. Ich bin ihm technisch überlegen, genau das werde ich auch ausspielen. Wissen Sie: Ich habe lange auf diese Chance gewartet und musste einige Hindernisse aus dem Weg räumen. Ich werde - nein, ich muss mir einfach meinen Traum erfüllen.

SPOX: Sie waren 2010 der Sparringspartner von Carl Froch vor dessen dominantem Punktsieg gegen Abraham. Kann das ein Vorteil für Sie sein?

Smith: Es ist immer schwer, sich ein Beispiel an einem anderen Boxer zu nehmen. Carl hat einen komplett anderen Stil als ich. Aber Froch, Ward, Dirrell, sie haben alle gezeigt, dass Abraham verwundbar ist, wenn man ihn unter Druck setzt und in Bewegung bleibt. Einen offenen Schlagabtausch wird es auf keinen Fall geben.

SPOX: Wird das der Schlüssel zum Erfolg sein?

Smith: Auf jeden Fall! Ich muss ihn auf die Nerven gehen und immer wieder mit dem Jab treffen. Darauf wird er keine Antwort finden. Mit meinem Jab muss ich mich vor niemandem in der Boxwelt verstecken.

SPOX: Sie mussten lange auf diese Chance warten. Auch deswegen, weil Sie Ihre beiden wichtigsten Kämpfe gegen George Groves und James DeGale verloren. Was lief damals falsch?

Smith: Das muss man getrennt voneinander betrachten. Gegen DeGale war ich mit dem Kopf nicht voll da. Ich habe auf die falschen Leute gehört und mich komplett überschätzt. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Bei Groves war es anders. Ich habe die erste Runde klar dominiert, mir aber dann die Schlaghand gebrochen. Mir blieb nichts anders übrig, als sofort die K.o.-Chance zu suchen, und wurde eiskalt erwischt. Das passiert mir aber kein zweites Mal.

SPOX: Trotz dieser Rückschläge haben Sie sich wieder hochgearbeitet. Welchen Anteil hat Ihr Coach Joe Gallagher daran?

Smith: Ohne ihn würde ich nicht nach dem WM-Titel greifen. So einfach ist das. Nach der Niederlage gegen DeGale war ich am Boden zerstört und wusste keinen Ausweg. Aber er hat mir neue Wege gezeigt und mich quasi wiederbelebt. Die Rolle eines Trainers - nicht nur im Boxen - darf man nie unterschätzen.

Seite 1: Smith über Rooney und den Kampf gegen Abraham

Seite 2: Smith über sein Leben als Liverpool-Fan und seine Familie

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