Yoan Pablo Hernandez im Interview

"Komm, oder du kriegst auf die Fresse!"

Von Interview: Martin Jahns
Freitag, 03.02.2012 | 16:51 Uhr
Yoan Pablo Hernandez will gegen Steve Cunningham seinen IBF-Cruisergewichts-Titel verteidigen
© Getty
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Das erste Duell endete im Eklat, nun steht am Samstag in Frankfurt/Main das Rematch an: Der neue Cruisergewichts-Weltmeister Yoan Pablo Hernandez will gegen Ex-Weltmeister Steve Cunningham seinen IBF-Titel verteidigen, den er im Kampf zuvor durch einen umstrittenen Abbruchssieg errungen hatte. Der 27-Jährige über den Weg zum Superstar, die Flucht nach Deutschland und Rocky.

SPOX: Herr Hernandez, mit einer erfolgreichen WM-Titelverteidigung im Rückkampf gegen den Amerikaner Steve Cunningham könnten Sie sich Ihren Ruf als zukünftigen Box-Superstar festigen. Aber auch als Schauspieler hätten Sie eine große Zukunft: Für ihre Darstellung von Joe Louis im Film "Max Schmeling" bekamen Sie erstaunlich gute Kritiken. Wäre die Schauspielerei auch in Zukunft für Sie denkbar?

Yoan Pablo Hernandez: Ich wäre auf jeden Fall bereit für eine weitere Rolle. Es hat großen Spaß gemacht. Aber ich treibe die Sache nicht voran. Man muss abwarten, wie sich die Geschichte entwickelt.

SPOX: Sind Sie selbst mit Box-Filmen wie der Rocky-Reihe aufgewachsen? Oder war es in Ihrer Heimat Kuba schwierig, diese zu sehen?

Hernandez: Ja, die Filme habe ich gesehen. Aber ich war nicht so begeistert.

SPOX: Warum?

Hernandez: Die ersten zwei Teile waren ganz okay, aber was danach kam, war mir zu melodramatisch.

SPOX: Was bedeutet Boxen für einen Kubaner?

Hernandez: In Kuba ist jeder Box-Fan. Leider ist das Boxen jedoch nicht der kubanische Nationalsport, sondern Baseball. Doch es war das Boxen, das Kuba in das internationale Rampenlicht gerückt hat. Leider hat die Qualität der Boxer in letzter Zeit ein wenig abgenommen, dennoch verfügt mein Land noch immer über ein riesiges Reservoir an tollen Talenten.

SPOX: Warum hat die Qualität abgenommen?

Hernandez: Die Verantwortlichen haben die Leute einfach nicht mehr so im Griff. Vorher hielt man die Boxer an der kurzen Leine. Der Trainer sagte: "Komm mal her, oder du kriegst auf die Fresse!", und so hat es viele Jahre funktioniert. (lacht)

SPOX: Sie haben sich 2005 in Halle vom kubanischen Team abgesetzt und sind in Deutschland geblieben. Was war der Grund?

Hernandez: Ich wollte meiner Familie finanziell helfen.

SPOX: Wie haben Sie das damals angestellt? War das eine Nacht- und Nebelaktion oder ging es relativ einfach?

Hernandez: Gleich nach einem Kampf im Chemie-Pokal in Halle bin ich auf mein Zimmer gegangen, habe mich geduscht, angezogen, und weg war ich. Es war nicht besonders aufregend.

SPOX: Wie schwer war es für Sie, zunächst allein in einem fremden Land mit fremder Sprache zurechtzukommen?

Hernandez: Sehr schwer. Ich kannte zum Glück jemanden, der mir beim Übersetzen half, aber trotzdem fiel es mir unheimlich schwer. Langsam fing ich an zu begreifen, wie es funktioniert, und so lernte ich die Sprache immer besser.

SPOX: Wo sind Sie denn zu Beginn untergekommen?

Hernandez: Ich hatte am Anfang keine Wohnung, aber ein paar Leute hatte ich immer, die mir helfen konnten.

SPOX: Hat Ihnen das Boxen geholfen, neue Bekannte in Deutschland zu finden?

Hernandez: Auch, durch das Boxen habe ich Herrn Wegner kennengelernt. Wir haben uns getroffen, miteinander gesprochen und dann fing alles an.

SPOX: Was vermissen Sie hier, wenn Sie zurück an Kuba denken?

Hernandez: Die Menschen, ihre Mentalität, meine Familie, alles. Ich vermisse fast alles an Kuba.

SPOX: Gibt es Momente, in denen Sie Ihre Entscheidung, in Deutschland zu leben, bereuen?

Hernandez: Nein, das tu ich nicht. Es war definitiv die richtige Entscheidung. Ich bereue nichts!

SPOX: Ohne die Flucht aus Kuba wäre der Aufstieg zum Weltmeister wohl undenkbar gewesen. Doch durch den Erfolg generieren Sie auch eine gewisse Falltiefe. Geht Ihnen durch den Kopf, welch Rückschlag es für Sie bedeuten würde, den Rückkampf gegen Steve Cunningham zu verlieren?

Hernandez: Es wird ein harter Kampf, das weiß ich. Mehr brauche ich nicht zu wissen.

SPOX: Cunningham war nach der Niederlage ziemlich aufgebracht und sagte, er wäre hereingelegt worden. Beim IBF hat er zudem Protest gegen einen weiteren Einsatz von Ringarzt Professor Wagner eingelegt, weil dieser den Kampf vorzeitig für Sie entschied. Können Sie seine Wut verstehen?

Hernandez: Nein, kann ich nicht. Der Cut an meinem Kopf war ziemlich heftig, sehr groß und tief. Der Kampf musste abgebrochen werden. Man darf die Gesundheit der Boxer nicht aufs Spiel setzen. Und dieser Cut war definitiv eine Gefahr. Wenn er das nicht versteht, tut es mir leid für ihn.

SPOX: Sie bleiben dabei - der Kampfabbruch war die einzig richtige Entscheidung.

Hernandez: Na klar! Wer weiß, was bei solchen Cuts passieren kann.

SPOX: Steve Cunningham und Sie sind Weltklasse-Boxer. In Deutschland sind Sie jedoch weitgehend unbekannt und stehen im Schatten von den Klitschko-Brüdern, Marco Huck und Arthur Abraham. Wünschten Sie sich mehr öffentliche Aufmerksamkeit? Immerhin sind Sie Weltmeister.

Hernandez: Das stört mich im Moment nicht. Ich werde meine Karriere weiter aufbauen, sodass meine wahre Klasse und mein Können mich im Laufe der Zeit nach oben bringen. Auch die Presse und die Öffentlichkeit werden mich dann einzuschätzen wissen. Das kommt noch...

SPOX: Marco Huck wechselte aus Ihrem Cruisergewicht ins Schwergewicht. Ist das für Sie denkbar? Immerhin haben Sie im Schwergewicht Ihre Karriere begonnen.

Hernandez: Irgendwann könnte man vielleicht darüber nachdenken. Aber jetzt habe ich nur ein Ziel: Cunningham zu besiegen.

SPOX: Ihr Trainer Ulli Wegner lobt Sie in den höchsten Tönen und bezeichnet Sie als absolut vorbildlich. Wie ist Ihr Verhältnis?

Hernandez: Herr Wegner hat mich von Anfang an bewundert, weil ich fleißig bin und auch im Training alles gebe. Wir verstehen uns ganz gut, im Moment wohl so gut wie noch nie.

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