Donnerstag, 06.11.2014

Sergio Rodriguez im Interview

"Jeder hat Basketball geatmet"

Sergio Rodriguez wurde zum Euroleague-MVP gewählt, verpasste mit Real Madrid aber erneut Europas größten Basketballtitel. Im Interview mit SPOX spricht der Spanier über seine Anfänge, enge Spiele, die Enttäuschungen des Final Four und der WM sowie Nikola Mirotic' Chancen in der NBA.

Sergio Rodriguez (M.) wurde vergangene Saison zum MVP der Euroleague gewählt
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Sergio Rodriguez (M.) wurde vergangene Saison zum MVP der Euroleague gewählt

SPOX: Sergio, nach Ihrem Sieg gegen Kazan twitterte Rudy Fernandez ein Bild, auf dem er und Sie gemeinsam mit Real-Legende Clifford Luyk zu sehen sind. Nehmen Sie aus solchen Begegnungen etwas Besonderes mit?

Sergio Rodriguez: Es ist immer schön, solche Leute zu treffen. Wie Sie sagen: Er ist eine Legende. Deshalb ist es einfach etwas Besonderes, ihn um sich zu haben.

SPOX: Gibt es Spieler, zu denen Sie besonders aufsehen oder deren Spiel sie versuchten, in ihren Anfangsjahren zu kopieren?

Rodriguez: Nicht zwingend jemand speziellen. Aber es gibt natürlich immer wieder Spieler, denen man gerne zusieht, deren Stil man mag - gerade, wenn sie diese Winner-Mentalität haben. Da ist es einfach interessant, zu sehen, wie sie in schwierigen Situationen reagieren und wie sie am Ende ihre Titel gewinnen.

SPOX: Apropos erste Schritte. Sie sind auf Gran Canaria geboren. Wie kommt man da zum Basketball?

Rodriguez: Meine Eltern spielten selbst Basketball, als sie jung waren. Deshalb war der Sport bei uns zuhause allgegenwärtig. Jeder hat Basketball geatmet. Es war einfach der Sport meiner Familie.

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SPOX: Wie haben Sie ihren einzigartigen Stil entwickelt, der einerseits etwas ausgefallen, andererseits aber sehr effektiv ist?

Rodriguez: Ich versuche immer, darauf zu achten, was das Team gerade braucht, dabei allerdings gleichzeitig ich selbst zu bleiben. Ich habe einfach Spaß am Basketball. Sowohl in der Offense als auch in der Defense. Auch das Transition-Spiel genieße ich. Das ist einer der Schlüssel für uns.

SPOX: Vergangene Saison zählten Sie zu den besten Dreierschützen der Euroleague. Haben Sie eine irgendeine spezielle Art, an Ihrem Wurf zu arbeiten?

Rodriguez: Ich arbeite im Grunde bereits mein ganzes Leben an meinem Wurf. Aber man braucht vor allem Vertrauen. Das bekommt man durch harte Arbeit, das habe ich in den letzten Jahren ein wenig intensiver betrieben als zuvor. Das hat sehr geholfen.

SPOX: Sie kommen normalerweise von der Bank, sind aber dennoch einer von Reals Go-to-Guys. Das ist schon eine spezielle Situation. Passt es besser zu Ihrem Spiel?

Rodriguez: Das hängt ganz von der Situation des Teams ab. Wenn es für die Mannschaft besser ist, dass ich von der Bank komme, muss ich das machen. Im Grunde ist es mir völlig egal, ob ich nun starte oder erst in der zweiten Halbzeit spiele. Beides hat seine Vorteile. Wenn man startet, ist man direkt drin im Spiel und warm. Kommt man von der Bank, weiß man bereits, wie das Spiel verläuft und kann sich entsprechend einstellen.

SPOX: Können Sie uns einmal durch die finalen Minuten eines engen Spiel führen. Welche Einstellung benötigt man in solchen Situationen?

Rodriguez: Ich versuche immer, extrem fokussiert zu sein. Ich weiß bereits, wie das Spiel bis dahin verlaufen ist. Ich weiß, wer seinen Rhythmus gefunden hat, wer heiß ist. Dann gilt es, genau die Spielzüge zu laufen, die in der Partie bis dahin bereits funktioniert haben.

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SPOX:Während der letzten Euroleague-Saison erlebten Sie ein solches Spiel, als Real in München knapp den Bayern unterlag. Es war das zweite Aufeinandertreffen der beiden Klubs im Basketball überhaupt. Vor dem ersten Spiel hatte Ihr Teamkollege Sergio Llull die besondere Beziehung der beiden Vereine durch den Fußball erwähnt. War das auch auf dem Court zu spüren?

Rodriguez: Am Ende ist es schon ein Unterschied. Klar, es gibt eine Vergangenheit, aber die liegt mehr im Fußball. Wir selbst haben noch nicht so viele Spiele gegen Bayern gehabt. Sie wachsen noch, haben ein gutes Team. Ich freue mich, dass in Deutschland mittlerweile so guter Basketball gespielt wird. Für uns waren es vergangene Saison in den Top 16 zwei schwere Spiele. Eines davon haben wir verloren, haben das Ganze aber dennoch genossen, da die Halle voll war und die Zuschauer richtig mitgegangen sind.

SPOX: Insgesamt hatten Sie vergangenes Jahr eine richtig gute Saison - sowohl individuell als auch mit Ihrem Klub Real Madrid. Wie viel hat es Ihnen bedeutet, zum MVP der Euroleague ernannt zu werden?

Rodriguez: Das hat mich extrem stolz gemacht, aber was wir wirklich wollten, war der Titel in der Euroleague. Für mich war es natürlich schön, die MVP-Trophäe zu bekommen. Das bestätigt mich, dass ich in meiner Karriere viel gearbeitet und viel richtig gemacht habe. Nachdem wir in den vergangenen beiden Jahren im Finale standen, liegt unser Fokus jetzt aber ganz klar auf dem Euroleague-Titel.

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DEFENSE! Maccabi hielt Reals gefürchtete Offense geschickt in Schach. MVP Sergio Rodriguez (2.v.r.) hatte nur selten Platz
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Mr. Unstoppable! Tyrese Rice nahm Maccabi auf seine Schultern und lieferte das Spiel seines Lebens
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UNBELIEVABLE! 15 Punkte hatte Maccabi aufzuholen. 15 Punkte holte Maccabi auf und zog dank Tyrese Rice' (M.) Gamewinner ins Finale ein
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Und als hätten es die Fans schon vorher gewusst, war die Piazza Duomo bereits nachmittags fest in israelischer Hand
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Was draußen funktioniert, lässt sich auch in der Halle bestens zelebrieren. Maccabis Fans tauchten das Mediolanum Forum in grelles Gelb - ohrenbetäubender Lärm inklusive
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Eigentlich verlebte Sasha Kaun einen richtig guten Abend. Der Center scorte, er reboundete und dominierte. Dann kam das Schlussviertel...
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Nicht rechts, nicht links - trapped! Bostjan Nachbar (l.) und Alejandro Abrines denken gar nicht dran, Nikola Mirotic auch nur einen Zentimeter Platz zu geben
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Als MVP gibt's nicht mehr ganz so viele Freiheiten. Richtig, Sergio Rodriguez?
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SPOX: Sie sprechen es an: Nachdem Sie einen Großteil der Saison dominiert hatten, den spanischen Pokal gewannen und den FC Barcelona im Euroleague-Halbfinale überrannten, verloren Sie das Finale gegen Maccabi. Was lief in diesem Spiel schief? Hat Maccabi Sie vielleicht sogar ein wenig überrascht?

Rodriguez: Das war schon eine sehr schmerzhafte Niederlage. Eigentlich sind wir selbstbewusst ins Finale gegangen. In der Verlängerung ist Maccabi mit der Situation allerdings einfach besser umgegangen als wir. Aber wir wussten natürlich, was auf uns zukommen würde. Alleine die Playoffs zu erreichen und danach ins Final Four einzuziehen, ist schon extrem schwer. Dort muss man das gesamte Wochenende über extrem fokussiert sein.

SPOX: Am Ende verloren Sie gegen Barca auch noch das Finale um die spanische Meisterschaft. Hat man nun das Gefühl, all das wiedergutmachen zu müssen?

Rodriguez: Definitiv! Das ist eine große Motivation für uns. Das Ende der vergangenen Saison war sehr hart für uns. Wir waren nach der langen Saison ein wenig müde. Zumal wir mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatten. Eigentlich wissen wir aber, wie wichtig es ist, gerade am Ende voll da zu sein. Das ist uns im Jahr zuvor besser gelungen. Darauf konzentrieren wir uns nun - wenngleich der Start diesmal ein wenig schwieriger verlaufen wird, da wir einige neue Spieler haben.

Seite 1: Rodriguez über seine Anfänge, den FCB und Enttäuschungen

Seite 2: Rodriguez über Bulls-Rookie Mirotic, die NBA und Vorteile der USA

Interview: Max Marbeiter

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Max Marbeiter(Redaktion)

Max Marbeiter, Jahrgang 1984, ist seit 2012 bei SPOX.com. Während seines Anglistik- und Politikstudiums in Erlangen knapp 3 Jahre lang freier Mitarbeiter bei kicker.de und im Anschluss an ein Praktikum auch einige Monate in der Lokalsportredaktion der Süddeutschen Zeitung. Bei SPOX.com festes Mitglied im Basketball-Ressort. Neben Texten zur NBA zählt der europäische Basketball zum Hauptaufgabenbereich.

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