Petre Ivanescu im Interview

"Handball wird heute vom Geld regiert"

SID
Mittwoch, 13.04.2011 | 13:00 Uhr
Petre Ivanescu im Jahr 1992: Die Kleiderwahl ist diskussionswürdig, seine Erfolge sind es nicht
© Getty
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Er ist einer der prägnantesten Trainer der Bundesligageschichte: Petre Ivanescu. Sein Ruf als Erfolgscoach und Schleifer ist legendär, seine großen Erfolge mit dem VfL Gummersbach und TUSEM Essen sind es ebenso. Am Freitag feiert der zweimalige Weltmeister sowie mehrfacher Deutsche Meister und Europapokalsieger seinen 75. Geburtstag.

Frage: Herr Ivanescu, kann man sich Sie als klassischen Rentner vorstellen?

Petre Ivanescu: Nur bedingt. Natürlich genieße ich meine Zeit, zumal ich das Glück habe, sowohl in meinem geliebten Essen zu wohnen als auch Spaniens Sonne in unserem Zweitsitz in der Nähe von Alicante genießen zu können. Ganz ohne Handball geht es jedoch nicht: Ich schreibe Kolumnen für rumänische Medien und bin beratend noch für die Nationalmannschaft meiner alten Heimat tätig, ehrenamtlich. Nebenbei schreibe ich meine Lebensgeschichte auf. Ich will das alles mal aufarbeiten, selbst meine Kinder dürften bei der Lektüre noch vieles erfahren, was sie noch nicht wussten. Und vielleicht wird ja ein richtiges Buch daraus.

Frage: Sie waren ja auch noch Nationaltrainer Rumäniens und sind weiterhin als Berater häufiger in Ihrer Heimat. Können Sie diese Aufenthalte genießen, wo Sie früher doch als Regimegegner trotz Ihres Status' als Sportstar unterjocht wurden und Ihre Übersiedlung in den Westen in den Siebzigern höchst dramatisch, fast schon wie ein Agentenkrimi, verlief?

Ivanescu: Stimmt. Ich gehörte zu einer antikommunistischen Bande - das war hochgefährlich. Später war ich staatenlos. Nur der Sport hat mich gerettet. Und bis heute kann ich mich in Rumänien nicht wohlfühlen. Mehr als eine Woche am Stück halte ich es dort nicht aus. Ich ertrage die Korruption und Zustände nicht. Die soziale Kluft ist pervers. In Bukarest parken am Straßenrand die Bonzen ihre Ferraris und daneben sitzen hungernde Bettler auf dem Gehweg. Auch die Infrastruktur ist katastrophal. Beklemmend für mich.

Frage: Dann zu etwas Erfreulicherem: Zu Ihrem Jubiläum bietet sich ein ganz persönlicher Rückblick auf Ihre Sportlerkarriere geradezu an. Lassen Sie uns teilhaben: An welche Trainerepisode erinnern Sie sich am liebsten?

Ivanescu: Mein erstes Engagement beim VfL Gummersbach war die schönste Zeit. Sie wurde atmosphärisch geprägt von Eugen Haas, der das Ein und Alles dieses Vereins war. Beim VfL herrschten damals eine große familiäre Harmonie und ein riesiger Zusammenhalt auf allen Ebenen. Und auch die professionelle Einstellung der damaligen Spieler ist für mich bis heute einzigartig und bewundernswert. Nur weil all diese Faktoren stimmten, war der Erfolg der Jahre '82 und '83 möglich. Es gab kaum Konfliktpotenzial. Ohne Harmonie kann man nie absoluten und anhaltenden Erfolg haben. Schon bei meiner nächsten Station TUSEM Essen erfuhr ich das.

Frage: Aber auch in Essen sprang letztlich der Titel heraus ...

Ivanescu: Die Essener Mannschaft war personell ja auch sogar noch besser aufgestellt als die des VfL, aber die Harmonie, der Zusammenhalt waren vergleichsweise nicht so ausgeprägt. In Essen war ich gezwungen, den Weg über Konflikte zu wählen, um etwas zu erreichen, viel Druck auszuüben, aber auch Druck auszuhalten - was am Wesen von TUSEM-Chef Klaus Schorn lag, ein sehr guter Manager damals, aber bekanntlich auch ein unberechenbarer Machtmensch. Ich wollte - mal abgesehen von hartem Training - nie wirklich der Drucktrainer werden, als der ich galt. Aber es ist letztlich auch eine Mentalitätsfrage auf Seiten der Spieler, mit welcher Art man zum Ziel kommt als Trainer. Bei meinem dritten Engagement in Gummersbach, im Frühjahr 2002, war ich dann locker wie nie zuvor.

Frage: Mit dieser Stippvisite verabschiedeten Sie sich als Trainer aus der Bundesliga, Sie retteten den VfL damals vor dem Abstieg ...

Ivanescu: Diese Tätigkeit war die leichteste meiner Trainerlaufbahn. Warum? Weil ich es erstmals mit Vollprofis zu tun hatte - da stellen sich viele Regeln von selbst auf. Ich hatte damals viel Spaß und war viel gelöster, es gab keine Konflikte.

Frage: Das Profitum hat sich mittlerweile weiter manifestiert im Handball. Sie müssten sich also noch gut aufgehoben fühlen in dieser Branche ...

Ivanescu: Nein, es ist für mich schwer vorstellbar, dass ich mich heute noch wohlfühlen würde in diesem - das Wort verrät schon viel - Geschäft. Ich betrachte die Entwicklung der Sportart kritisch. Der Handball wird heute vom Geld regiert und dabei zwar immer mehr als spannendes Produkt verkauft, aber die Feinheiten kommen zu kurz, die Attraktivität leidet, weil es an taktischen Finessen mangelt und durch die immens hohe Trefferquote auch der Wert eines Tores herabgesetzt wird. Klar, alles ist schneller, kraftvoller, aber die verkürzten, wilden Abwehrphasen muten manchmal schon grotesk an. Das größere Problem aber ist: Viele Funktionäre sind Quereinsteiger, ihnen fehlen die Ahnung und auch der Respekt vor den Spielern, die ihre Knochen hinhalten und ausgebeutet werden. Spieler und Trainer sollen quasi nur noch das Produkt Handball verwalten. In den Verbänden aber gibt es zu wenig Ahnung.

Frage: Sie meinen auch die Termindichte und die Überlastung der Spieler ...

Ivanescu: Ja. Ich habe gelernt und verstanden: Es gibt ein Leben nach dem Leistungssport. Während der Karriere haben die Spieler sowieso jeden Tag Schmerzen - aber danach sollte das nicht so sein. Dieses Opfer ist zu groß. Die vielen Spiele auf Klubebene unterliegen natürlich wirtschaftlichen Zwängen, aber auch rund um WM- und EM-Turniere geht es nur noch um die Kohle. Und wer hält die Knochen hin? Die Spieler. Mir fehlt auf Funktionärsebene der Respekt vor ihnen.

Frage: Und das aus dem Mund eines legendären "Schleifers" ...

Ivanescu: Ich habe knallhart trainiert, aber respektlos war ich nie. Im Gegenteil.

Frage: Bei allen Erfolgen - Ihre Bundestrainertätigkeit endete bei der B-WM 1989 in einem Debakel, nämlich mit dem Sturz in die Drittklassigkeit ...

Ivanescu: Leider, ja. Ich habe mich nie um dieses Amt bemüht, aber ich sollte und wollte nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit helfen. Bis heute begreife ich nicht genau, was damals wirklich geschah. Wir waren vor der B-WM super drauf, haben die Großen in der Welt alle geschlagen - und dann ... Ich kann es mir nur so erklären, dass einige mächtige Ligafürsten von damals mich sabotiert haben. Ich hatte seinerzeit viele Feinde, war der Buhmann der ganzen Branche. Einige Vereinsbosse und Funktionäre haben ihren Hass auf mich, die Gier nach Macht und ihre Missgunst über die nötige Loyalität zur Nationalmannschaft gestellt. Das wusste ich von Eugen Haas, der mich kurz vor der B-WM davor gewarnt und mir angeraten hatte, unter einem Vorwand zurückzutreten. Was er mir damals sagte, war schockierend, dennoch kam ein solcher Schritt für mich nicht in Frage, zumal ich ein derartiges Fiasko trotz allem nicht für möglich hielt.

Frage: Sabotage ist heutzutage sicher nicht im Spiel, aber erinnern Sie die Konflikte zwischen Liga und dem DHB, der Zwist zwischen den Topklubs und Heiner Brand an damals?

Ivanescu: Ein wenig schon. Wenngleich natürlich nicht in dieser Ausprägung. Aber die Problematik mit den Eigeninteressen ist auch heute erkennbar. Heiner hat Recht mit seiner Kritik, dass fast keine deutschen Spieler bei den großen Teams in der Verantwortung stehen. Wenn er im Sommer aufhören sollte, kommt zwar ein neuer Trainer - aber die Probleme bleiben. Ich sage voraus: Sie werden sogar noch größer.

Frage: Sie sind noch immer ziemlich angriffslustig und polarisieren weiter - bei aller aktuellen und rückwirkenden Kritik: Überwiegt das Positive in Ihrer Bilanz?

Ivanescu: Ich bin unabhängig und kann aussprechen, was ich fühle und denke. Kinder und ältere Menschen sagen die Wahrheit, heißt es doch. Aber selbstverständlich überwiegt das Schöne, die Dankbarkeit für alles, was ich erlebt und erreicht habe, bei weitem. Vor allem wenn ich daran denke, mit welch tollen Spielern und Menschen ich arbeiten durfte: Heiner Brand, Erhard Wunderlich, Jochen Fraatz, Andy Thiel, Stefan Hecker und viele andere - das ist mir der noch größere Lohn für meine Arbeit als Geld. Arbeit kann man bezahlen, die moralischen Investitionen und das, was man zurückbekommt, nicht. Und wenn mir heutzutage ehemalige Weggefährten begegnen, die sagen, dass ich sie geprägt hätte, wenn sogar einstige Gegner nette, anerkennende Worte für mich haben, berührt mich das, ist es mir eine Genugtuung.

Frage: Feiern Sie mit all Ihren Weggefährten ein großes Fest zum 75.?

Ivanescu: Nein, nur im kleinen Kreis. Ich brauche keinen Rummel mehr um mich.

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