Mittwoch, 16.01.2008

Heimattreffen für den Kreisläufer

Klimowets vor besonderem Spiel

Bergen/Norwegen - Bruder-Duell, Heimattreffen, Jubiläumsspiel: Wenn Andrej Klimowets im norwegischen Bergen mit der deutschen Nationalmannschaft gegen Weißrussland aufläuft, ist es für ihn mehr als ein normales Spiel zum Auftakt der Europameisterschaft.

Handball, EM, Klimowets
© Getty

Während ein geglückter EM-Einstand dem Weltmeister-Team den Weg in die Hauptrunde ebnen und damit für eine verheißungsvolle Zukunft sorgen soll, ist es für Klimowets eine Wiederbegegnung mit der Vergangenheit.

"Das ist gegen meine frühere Heimat. Deswegen ist das ein ganz besonderes Spiel für mich", bekannte der Kreisläufer. Und nicht zuletzt feiert Klimowets 27 Monate nach seinem Debüt in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ausgerechnet gegen sein Geburtsland mit dem 50. Einsatz ein Jubiläum.

Wiedersehen nach elf Jahren 

Der 33-jährige Handballer von den Rhein-Neckar Löwen ist auch weit mehr als zwei Jahre nach seinem Nationalitätenwechsel Rekord-Nationalspieler Weißrusslands. 101 Mal spielte Klimowets für das Land, in dem er geboren wurde. "Ich habe die meisten Spiele absolviert und die meisten Tore gemacht. Das ist etwas besonderes, das vergisst man nicht", gab Klimowets zu.

Fast elf Jahre lang hat es keinen Vergleich mehr zwischen der DHB-Auswahl und Weißrussland gegeben. Nur Kapitän Markus Baur und Florian Kehrmann waren auf deutscher Seite damals dabei. Und auf der Gegenseite warf Klimowets beim deutschen 28:24-Erfolg am 25. Mai 1997 sechs Tore für Weißrussland.

Ich muss nichts bereuen 

Seit dem 22. September 2005 ist Klimowets deutscher Staatsbürger, nachdem er dem Werben von Bundestrainer Heiner Brand nachgegeben hatte. "Ich glaube, das muss ich nicht bereuen", sagte er. Und nun trifft er erstmals auf seine alte Heimat. "Das Auftaktspiel ist wichtig. Zu Beginn ist man immer etwas nervös. Da kann man sich Selbstvertrauen für die nächsten Spiele holen", hob der bullige Kreisspieler die Bedeutung der Partie für das EM-Turnier hervor.

Dass er dabei auf seinen eineinhalb Jahre jüngeren Bruder Wladimir trifft, ist pikant. Er wirkt deswegen etwas aufgeregt, spielt es aber herunter. "Er spielt rechts, ich in der Mitte. So gehen wir uns aus dem Weg." Gegeneinander gespielt haben sie zuletzt in der Jugend.

Nicht auf die leichte Schulter nehmen 

Schon durch die Familienbande hat Klimowets beste Kontakte zur weißrussischen Nationalmannschaft. "Mit ihm spreche ich natürlich auch über die Mannschaft", berichtete er. Zudem spielt er mit Rückraumspieler Sergej Harbok bei den Rhein-Neckar Löwen zusammen. "Da habe ich jeden Tag Kontakt", sagte Klimowets, der zudem vor Andrej Kurtschew vom Bundesligisten MT Melsungen warnte.

"Wir dürfen diese Mannschaft nicht unterschätzen oder auf die leichte Schulter nehmen. Wir müssen da richtig zur Sache gehen und 100 Prozent geben. Diese Mannschaft hat sehr gute Leute", mahnte Klimowets. Zuletzt hatten die Weißrussen ihre Gefährlichkeit am vergangenen Wochenende bei der knappen 31:34-Niederlage beim WM-Zweiten Polen unter Beweis gestellt.

Deutschland als Wahlheimat 

Noch immer schlagen zwei Herzen in der Brust von Andrej Klimowets, noch immer fühlt er sich als halber Weißrusse. "Für meine Kinder zum Beispiel ist Deutschland Heimat, nicht Weißrussland. Für mich ist es noch die Hälfte, weil meine Eltern dageblieben sind und mein Bruder dort ist. Aber ansonsten fühle ich mich hier in der Heimat", bekannte der Vater von Sohn Alexander und Tochter Anna.

Spätestens seit dem WM-Gewinn voriges Jahr sind auch seine Eltern mit ihm versöhnt. "Meine Mutter und mein Vater waren zuerst ein bisschen skeptisch. Aber nach der Weltmeisterschaft waren alle einfach nur froh."


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