Mittwoch, 23.01.2008

Frankreich-Star Gille bei SPOX

An diesem verdammten Mittwoch...

München - Nach dem klaren Erfolg über Island haben die deutschen Handballer zwar noch alle Chancen auf das Halbfinale. Die Niederlage gegen Spanien könnte aber trotzdem noch sehr weh tun.

Handball, Deutschland, Frankreich, Gille
© Getty

Denn dadurch steht nun beinahe fest, dass man auf dem Weg zum Titel, wie schon bei der Weltmeisterschaft (29:26 in der Hauptrunde/32:31 nach zweimaliger Verlängerung im Halbfinale), erneut zweimal Frankreich schlagen muss.

Einmal heute im Hauptrunden-Spiel (ab 18.15 Uhr im LIVE-Ticker) und dann womöglich im Finale. Da hat sich die DHB-Truppe etwas eingebrockt. Bis ins Finale zu denken, verbietet aber der Ernst der Lage.

Frankreich noch ungeschlagen 

Sollte Deutschland heute verlieren, würde es wahrscheinlich das Aus bedeuten. Zumindest wäre man auf die Schützenhilfe anderer angewiesen.

Die Franzosen marschieren dagegen bisher ungebremst auf die Titelverteidigung zu. Nach einer makellosen Vorrunde gewann man im ersten Hauptrundenspiel auch 28:27 gegen Spanien.

Die Equipe Tricolore könnte sich also einen Ausrutscher heute durchaus erlauben. Aber nach der Erfahrung der WM würde das Team von Coach Claude Onesta wohl alles lieber tun als Deutschland einen Sieg zu überlassen.

Nicht nach dem in Frankreich seitdem als "dieser verdammte Donnerstag" bekannten 1. Februar in Köln. Nun soll kein "verdammter Mittwoch" folgen.

SPOX.com sprach vor der Partie mit Frankreichs Kreisläufer Bertrand Gille über schmerzhafte Erinnerungen, die unmenschliche Frequenz bei der EM und was die Deutschen erwartet.

SPOX: Musste die französische Mannschaft schon in einer der bisherigen Partien 100 Prozent geben?

Bertrand Gille: Komischerweise war die Partie gegen die Slowakei das schwerste Spiel. Das ist erstaunlich, weil die nicht besonders gut gespielt haben. Wir haben deren Niveau übernommen und uns somit das Leben sehr schwer gemacht. Aber in den anderen Spielen haben wir unsere Leistung deutlich gesteigert.

SPOX: Können wir denn von den Franzosen noch mehr erwarten?

Gille: Die Deckungsarbeit war in den letzten Spielen sehr gut, das war schon definitiv unsere Top-Leistung.

SPOX: Gegen Schweden hat Ihr Team wie die Feuerwehr losgelegt. Was war da am Anfang der Partie los?

Gille: Wir haben sehr gut verteidigt und einfache Tore geworfen. Wir waren zwar sehr schnell in deutlicher Führung, aber das hat sich später noch ausgeglichen.

SPOX: Nach dem Sieg gegen Spanien kommt jetzt Deutschland, das klar gegen die Iberer verloren hat.

Gille: Spanien und Deutschland sind zwei Weltklassemannschaften, die Mitfavoriten auf den Titel sind. Beide Teams haben ein ähnliches Niveau, obwohl die Deutschen mit acht Tore verloren haben. Ich bin aber der Meinung, dass dieses Ergebnis täuscht, weil das deutsche Niveau eigentlich viel höher ist.

SPOX: Deutschland hatte im bisherigen Turnierverlauf, vor allem gegen Spanien, massive Probleme im Rückraum...

Gille: Das weiß ich nicht und es ist auch nicht mein Problem. Wenn die Deutschen damit Probleme haben, dann kann ich mich nur freuen. Aber solange wir sie noch nicht besiegt haben, kümmere ich mich nicht darum.

SPOX: Wie tief sitzt bei Ihnen noch der WM-Frust?

Gille: Überhaupt nicht mehr. Jeder Wettbewerb hat seine eigene Geschichte. Wir könnten nicht nach vorne gucken, wenn wir in unseren Köpfen immer diese schmerzhafte Erinnerung hätten. Wir haben die Niederlagen schon lange aus unseren Köpfen geräumt.

SPOX: Ihr Trainer Claude Onesta hatte im WM-Spiel gegen Deutschland Schiebung vermutet. Hat er sich wieder beruhigt?

Gille: Natürlich hat er sich beruhigt. Aber jeder, der das Spiel ein bisschen objektiv gesehen hat, sollte schon sagen, dass das Tor von Michael Guigou gültig war. Es ist aber schief gelaufen, das gehört dazu.

SPOX: Eine letzte quälende Frage zur WM: Was muss Frankreich im Vergleich zu den beiden WM-Niederlagen im EM-Spiel gegen Deutschland verändern?

Gille: Unsere Effektivität im Angriff muss verbessert werden, da hatten wir die meisten Schwächen gegen die deutsche Deckung.

SPOX: Wer hat in der anderen Hauptrunden-Gruppe die Chance auf einen Halbfinalplatz?

Gille: Ich tippe auf Kroatien. Norwegen scheint Zuhause sehr stark zu sein und Dänemark ist immer brandgefährlich. Aber ich schätze Norwegen und Kroatien schaffen es.

SPOX: Wie ist die Leistung der Norweger einzuschätzen?

Gille: Die sind in keinem Fall zu unterschätzen. Da spielen viele Top-Spieler, viele aktuelle und ehemalige Bundesliga-Spieler. Es ist keine Überraschung für mich, dass die so auftrumpfen.

SPOX: Gibt es denn bisher eine Überraschung für Sie?

Gille: Ich hätte nicht gedacht, dass Spanien gegen Ungarn verliert. Ich hätte auch nicht gedacht, dass Deutschland mit acht Toren gegen Spanien verliert. Und wie überzeugend Norwegen spielt.

SPOX: Hätten Sie einen Lieblingsgegner für das Finale?

Gille: Ich bin weit davon entfernt mir vorzustellen, dass wir ins Finale kommen könnten. Erst einmal müssen wir alle Hauptrundenspiele bestreiten. Die werden schwer genug. Das bedeutet jeden Tag Arbeit. Die Frequenz der Spiele ist so unmenschlich, dass man kaum Zeit hat an etwas anderes zu denken.

SPOX: Was läuft an einem spielfreien Tag ab?

Gille: Man schläft etwas, man lässt sich behandeln, man macht Videoanalysen, trainiert etwas und bereitet schon mal das nächste Spiel vor. Eigentlich ein ruhiger Tag im Vergleich zu den Spieltagen. Solche Tage brauchen wir auch mal, um uns zu erholen. Das ist nämlich alles viel zu viel. Ich hoffe sehr, dass sich keiner verletzen wird. Obwohl es dafür schon zu spät ist! Ich meine Oleg Velyky - aber bei ihm kann man nicht sagen, dass es an der Müdigkeit lag, schließlich passierte es beim ersten Spiel. Aber unser Spielplan ist schon enorm.

SPOX: Haben Sie einen Tipp für die deutschen Spieler vor der Partie am Mittwoch?

Gille: Diese Frage muss ich nicht beantworten, denn Frankreich gegen Deutschland das bedeutet riesigen Kampf mit vielen Emotionen, Spaß und Begeisterung.

SPOX: Dann bedanke ich mich und wünsche ihnen viel Erfolg bei der EM.

Gille: Danke.

SPOX: Außer natürlich heute!

Gille: Das habe ich mir schon fast gedacht...

Interview: Mariska Bär

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