EM-Halbfinal-Showdown gegen Dänemark

Über den Kasper ins Finale

Von Florian Regelmann
Samstag, 26.01.2008 | 12:16 Uhr
Handball, EM, Deutschland, Dänemark
© Imago
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München - Es war die Halbzeit-Pause im letzten Hauptgruppen-Spiel gegen Schweden.

Spielstand: 18:16 für die Tre Kronor. Deutschland musste die Partie gewinnen, aber es sah nicht danach aus. Eine Halbfinal-Partie gegen Dänemark (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER ) war in weiter Ferne.

Fünfeinhalb Stunden - 330 Minuten - hatte der Weltmeister bei der Europameisterschaft in Norwegen absolviert. Ohne zu überzeugen. Selbst die Siege gegen Weißrussland, Ungarn und Island waren allenfalls mit der Schulnote drei minus zu bewerten.

Der Spirit fehlte 

Gegen Spanien gab es eine glatte Sechs. Bei der Niederlage gegen Frankreich bekam die Abwehr vielleicht ein "gut", die Offensive aber war "mangelhaft".

Dazu fehlte noch der rechte Spirit. Ja, sie waren bemüht und ja, sie kämpften phasenweise, aber der bedingungslose Wille, den die DHB-Auswahl beim WM-Triumph ausgezeichnet hatte, wurde vermisst.

So sah es auch Heiner Brand, als er in einer Auszeit gegen Schweden ungewöhnlich laut Sebastian Preiß anfuhr: "Lass doch den Andersson nicht einfach aus zehn Metern werfen! Das gibt's doch nicht! Geh drauf!"

Der Rückraum rief sein Leistungsvermögen zum ersten Mal richtig ab, aber nun wackelte die Abwehr. Das deutsche Team benötigte einen richtigen Weckruf.

Bitter bekommt den Weckruf ab 

Da hätte kein lieblicher Handy-Weckton geholfen, da brauchte es schon einen Schlag einer Kirchturm-Uhr. Oder einen Ball, der vom Pfosten abgelenkt voll im Gesicht einschlägt. So geschehen beim Aufwärmen in der Halbzeit-Pause bei Johannes Bitter.

Hätte es auch gegen Schweden eine Niederlage gesetzt, Deutschland hätte keine einzige große Handball-Nation geschlagen und die EM auf Platz neun oder zehn abgeschlossen. Es wäre auch bei aller Ausgeglichenheit in der Spitze ein Debakel gewesen.

Aber so kam es nicht. Deutschland fightete in den zweiten 30 Minuten gegen Schweden zurück und siegte am Ende mit 31:29. Zum vierten Mal nach 1998, 2002 und 2004 steht man unter den besten vier Teams in Europa. Vor allem, weil sich in der wichtigsten Phase des Turniers auch das deutsche Torwartspiel steigerte.

Hvidt nicht zu überwinden  

Auf die Torhüter wird es gegen Dänemark entscheidend ankommen. Denn die Skandinavier haben mit Kasper Hvidt (41 Prozent gehaltene Würfe) den überragenden Mann des Turniers zwischen den Pfosten.

Dänemark steht und fällt mit der Leistung von Hvidt. Der 31-jährige Keeper des FC Barcelona stand bislang fast die komplette Spielzeit auf der Platte. Dänemarks Backup Peter Henriksen ist nicht viel mehr als ein Anpeitscher und Flaschengeber von der Bank.

Zum Vergleich: Bei den Deutschen ist das Verhältnis zwischen Bitter und Henning Fritz fast ausgeglichen.

Tempo, Tempo, Dänemark 

Nach einer knappen Auftaktniederlage (26:27) gegen Norwegen ist Dänemark ins Rollen gekommen. Sowohl Kroatien (30:20) als auch Polen (36:26) fertigte man mit zehn Toren Vorsprung ab.

Keiner spielt schneller als die Dänen. Die Tempogegenstöße mit den beiden Top-Torjägern Lars Christiansen und Lasse Boesen sind gefürchtet.

Dänemarks Coach, Ulrik Wilbek, ist fest entschlossen, seine Erfolge aus dem Damen-Bereich (Weltmeister, Olympiasieger) nun auch mit den Herren zu wiederholen.

Diesmal mehr als Bronze?

Dennoch: Dreimal in Folge stand Dänemark bei einer EM im Halbfinale, jedes Mal verlor man, zweimal davon gegen Deutschland (2002: 23:28, 2004: 20:22), jedes Mal wurde es "nur" Bronze. Auch bei der WM in Deutschland bestätigte man das Image des ewigen Dritten.

Außerdem liegt den Deutschen die bevorzugte 6:0-Deckung der Dänen deutlich besser als die 5:1-Deckung von Spanien oder Frankreich. Im letzten Vorbereitungsspiel vor der EM hatte Dänemark in Kiel keine Chance gegen die Brand-Truppe und verlor 24:34. 

Nicht ohne Aussagekraft, aber auch nicht überzubewerten. Zum einen wird Dänemark eventuell reagieren, in der Deckung auf eine 4:2- oder 3:3-Variante umstellen. Zum anderen haben die Deutschen im Vergleich zu damals ein großes Problem: den Ausfall von Abwehr-Chef Oliver Roggisch (Muskelfaserriss) zu kompensieren. Zudem ist der Einsatz von Preiß wegen einer Entzündung in der Kniekehle fraglich.

Inwieweit die Nachnominierung von Frank von Behren da helfen kann, bleibt abzuwarten. Die Abwehrleistung wird eine große Rolle spielen. Denn vorne steht der deutsche Rückraum vor seiner bislang größten Aufgabe: den Dänen-Kasper überwinden. So 30 Mal sollte reichen.

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