Ryder-Cup-Vorschau

Keine Frage: Europa macht's!

Von Florian Regelmann
Donnerstag, 18.09.2008 | 14:24 Uhr
Golf, Ryder Cup, Europa, USA
© Getty
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Es waren wieder zwei lange Jahre, aber nun ist es endlich soweit: Der Ryder Cup zwischen den USA und Europa steht vor der Tür.

Können die Europäer den Cup im Feindesland verteidigen? SPOX beantwortet alle wichtigen Fragen zum drittgrößten Sportereignis der Welt, das ab Freitag (14 Uhr live im Internet TV und im SPOX-TICKER) in Kentucky stattfindet.

Welchen Einfluss hat das Fehlen von Tiger Woods?

Jeder, der in diesen Tagen behauptet, das US-Team würde ohne Tiger Woods bessere Chancen haben, hat unrecht. Das Argument, dass die Amerikaner ohne Woods eine bessere Einheit bilden würden, ist absurd. Ein Team, das den besten Spieler aller Zeiten verliert, ist natürlich unglaublich geschwächt.

Auch wenn die Bilanz von Woods im Ryder Cup (10-13-2) nicht berauschend ist, wird ihn Captain Paul Azinger an allen Ecken und Enden vermissen. Hey, es ist Tiger Woods. Der 32-Jährige hat im Übrigen erklärt, dass er nicht als eine Art Assistenz-Captain aushelfen wird. Aber man könne ihn jederzeit anrufen, wenn man Hilfe benötigt. Ob es einer tut? Phil Mickelson vielleicht? Wohl kaum.

Wer sind die Go-to-Guys beider Teams?

Das Herz und die Seele des europäischen Teams hat einen Namen: Sergio Garcia. Es gibt keinen Spieler auf Erden, der den Ryder Cup mehr liebt als der Spanier. 1999 in Brookline fing alles an, als er als Jungspund in die Arme von Jesper Parnevik sprang. Seitdem ist Garcia im Ryder Cup praktisch unschlagbar.

Er wartet weiter auf seinen ersten Major-Sieg, aber während man dort immer das Gefühl hat, er schafft es einfach nie, hat man beim Ryder Cup genau den gegenteiligen Eindruck. Komischerweise gehen seine Putts da immer rein. Pech für die Amis: Garcia ist zuletzt immer besser in Fahrt gekommen.

Wen könnten die USA entgegensetzen? Die einzige logische Antwort heißt Anthony Kim. Der 23-jährige Rookie hat ein starkes Jahr (zwei Siege) hinter sich und ist ein kommender Superstar. Mit seiner impulsiven Art könnte er dem US-Team frischen Schwung bringen und so den Gegenpol zu Garcia bilden.

Wer sind die Leader?

Europas Anführer war in den vergangenen Ryder Cups immer Colin Montgomerie. Es ist immer noch fast nicht vorstellbar, aber Monty ist diesmal nicht dabei. Seine Leistungen waren zuletzt einfach zu schlecht, Nick Faldo konnte ihm keine Wildcard geben. Die Führungsrolle fällt so auf Padraig Harrington. Der Ire war schon häufig im Team, aber in den vergangenen beiden Jahren hat er sich durch seine drei Major-Siege auf ein völlig neues Level gehoben.

Harrington ist Europas Nummer eins und muss dies nun auch beim Ryder Cup demonstrieren. So wie Paddy zuletzt bei den Majors geputtet hat, kann den USA angst und bange werden. Bei den Amis steht Phil Mickelson unter Druck. Ohne Woods ist es "sein" Team. Er ist die Nummer zwei der Welt und hat in den vergangenen Ryder Cups so gut wie nichts gewonnen (3-9-2).

Trumpft er in Valhalla groß auf, womöglich an der Seite von Kim, könnte er für sich und in der öffentlichen Wahrnehmung ein nur durchschnittliches Jahr (weil ohne Major-Sieg) noch mit etwas Glanz versehen.

Wer könnte überraschen?

Azinger hat seinen Plan schon mehrfach verraten: Er will als erste Paarung am Freitagmorgen Kenny Perry und J.B. Holmes auf den Platz schicken. Warum? Ganz einfach: Um das Team und die Fans gleich zu Beginn richtig in Fahrt zu bringen. Denn für Perry und Holmes ist der Ryder Cup in Kentucky ein echtes Heimspiel. Sie kommen ganz aus der Gegend und werden auf jeden Fall die großen Lieblinge sein. Ob sie dann aber mit Siegen positiv überraschen können, bleibt abzuwarten.

Bei Perrry (keine Top-40-Platzierung seit Juli) scheint seitdem feststeht, dass er sich seinen großen Ryder-Cup-Traum erfüllt hat, etwas die Luft raus zu sein und auch Holmes konnte zuletzt selten überzeugen. Außer mit seinen fast schon erschreckend langen Abschlägen versteht sich.

Im europäischen Team sollte man verstärkt auf Robert Karlsson achten. Der Schwede gewann in der Vorwoche nicht nur die Mercedes-Benz Championship in Köln, er spielt fast unbemerkt eine überaus konstant gute Saison. Und vor allem macht kaum einer so viele Birdies wie Karlsson. Genau solche Spieler braucht man im Matchplay.

Für wen spricht der Platz?

Für keines der beiden Teams. Die USA haben als Gastgeber das Recht, den 7496 Yards langen Par-71-Kurs im Valhalla Golf Club in Louisville nach ihren Wünschen vorzubereiten. Heißt in diesem Fall: Außer um das Grün herum wird es kein hohes Rough geben. Die Amerikaner wollen ausnutzen, dass sie mit Holmes, Mickelson und Co. viele Longhitter in ihren Reihen haben.

Aber auch die Europäer müssen sich nicht verstecken. Karlsson oder Henrik Stenson sind mindestens genauso lang vom Abschlag. Außerdem haben sie mit Garcia, Harrington und Jimenez hervorragende Ballstriker, die fast jedes Grün treffen.

Was sind die Schlüssel zum Sieg?

Bei den Europäern ist völlig klar, wie es laufen muss. Wie zuletzt immer eben. Sie müssen von Anfang an wieder das enorme Team-Gefühl entwickeln und dürfen sich von der eventuell feindlichen Atmosphäre nicht beeindrucken lassen. Was die Pairings angeht, kann Faldo im Gegensatz zu Azinger keine Fehler machen. In Europa will und kann jeder mit jedem spielen.

Die USA auf der anderen Seite müssen unbedingt einen guten Start erwischen. Ob die Entscheidung Azingers, mit den Foursomes (klassischer Vierer) am Vormittag zu beginnen, hierfür hilfreich ist, darf stark bezweifelt werden. Läuft es zu Beginn nicht und die Amerikaner sehen schnell viel "blau" (steht für Europa) auf dem Leaderboard, wird es ganz gefährlich und es entsteht die Eigendynamik der letzten Ryder Cups. Hier jubelnde und sich anfeuernde Europäer, dort frustriert schauende Amis, die nicht wissen, wie ihnen geschieht.

Wer ist der bessere Captain? Paul Azinger oder Nick Faldo?

Das Duell de beiden Kapitäne ist ein ganz besonderes. Als Azinger 1978 den Sieg bei der British Open verschenkte und Faldo gewann, begann der Klein-Krieg. Faldos Trost damals: "Tough luck, old boy." Es ging hin und her. 1993 standen sich beide beim Ryder Cup in The Belfry im Einzel gegenüber. Sie teilten das Match. Kurz zuvor war bei "Zinger" Krebs diagnostiziert worden. So erklärt sich auch Azingers markige Aussage: "Ich hatte Krebs - und er konnte mich immer noch nicht schlagen."

Als sie vor einigen Jahren gemeinsam als TV-Experten arbeiteten, gingen ihre Wortgefechte munter weiter. Mittlerweile aber auf einem spaßigeren Niveau. Sie könnten sich eigentlich so gut verstehen. Denn beide gelten nicht unbedingt als sehr beliebt in Spielerkreisen. Azinger erklärte, dass viele Spieler mit Faldo nichts zu tun haben wollen. Aber auf der anderen Seite sagte einmal Severiano Ballesteros beim Ryder Cup: "Es gibt elf nette Amerikaner. Und es gibt Paul Azinger."

Was macht Martin Kaymer beim Ryder Cup?

Der deutsche Shootingstar hat die Qualifikation zwar ganz knapp verpasst, aber dennoch ist er live und hautnah dabei. Wie Kaymer SPOX vor der Mercedes-Benz Championship verriet, erhielt er von Faldo eine Einladung, als Gast nach Kentucky zu kommen und so einen Schnupperkurs in Sachen Ryder Cup zu machen.

Denn Faldo weiß, dass der 23-Jährige in Zukunft ein Ryder-Cup-Spieler sein wird. Also warum soll man einem jungen Spieler nicht so die Gelegenheit geben, sich an das Ganze heranzutasten. Es ist das erste Mal, dass ein Captain so etwas macht, eine richtig gute Idee. Sollte sich jemand verletzen, wäre Kaymer außerdem der erste Ersatzmann. Allerdings ist er ohne Schläger in die USA geflogen. Im Notfall werden sich welche auftreiben lassen.

Wann findet der Ryder Cup in Deutschland statt?

Deutschland bewirbt sich für die Austragung im Jahr 2018. "Unsere Konkurrenten sind Schweden, Portugal, Frankreich und eventuell Spanien. Es ist das erste Mal, dass es ein echtes Bewerbungsverfahren gibt, und wir glauben an unsere Chance", sagt DGV-Sportgeschäftsführer Florian Bruhns zu SPOX. Mit Bernhard und Erwin Langer hat die deutsche Bewerbung ein Duo an der Spitze, das sich sehen lassen kann.

Vor allem der Einfluss von Bernhard Langer kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Vielleicht schafft es der Jahrhundertgolfer wie damals Franz Beckenbauer bei der WM 2006 ein Riesen-Sportevent tatsächlich nach Deutschland zu holen. Die Entscheidung über die Vergabe fällt im September 2010. Über einen möglichen Austragungsort ist noch nichts bekannt. Möglicherweise würde in Deutschland eine völlig neue Anlage entstehen müssen.

Wer gewinnt?

Es wird nicht eine ganz so einfache Angelegenheit werden wie zuletzt. Die Amerikaner werden beißen, aber am Ende wird sich Europa durchsetzen. Und zwar nicht, weil sie das bessere Team sind, sondern weil sie fast alle gut in Form sind und einfach besser Golf spielen werden. Europa wird mehr Putts lochen - und wer das tut, gewinnt dann nun mal.

Der SPOX-Tipp: USA vs. Europa: 12,5:15,5

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