RB Leipzigs Transferoffensive

Überholmanöver mit Konfliktpotenzial

Von Daniel Reimann
Freitag, 06.02.2015 | 13:58 Uhr
RB Leipzig hat derzeit vier Punkte Rückstand auf die Aufstiegsplätze
© getty
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RB Leipzig startete im Winter mit den Verpflichtungen von Omer Damari und Emil Forsberg eine millionenschwere Transferoffensive. Man fühlt sich ein wenig an Ralf Rangnicks Zeiten in Hoffenheim anno 2007 erinnert. Der Angriff ist Teil eines Strategiewechsels - doch dieser birgt auch Risiken.

An Andre Schürrle und Kevin Kampl ist kein Vorbeikommen. Mit 32 beziehungsweise zwölf Millionen Euro Ablöse sind sie die finanziellen Königstransfers der Winterpause. Doch direkt dahinter folgt - gleichauf mit Leverkusens Tin Jedvaj - Omer Damari. Beide sollen bis zu sieben Millionen Euro gekostet haben. Der feine Unterschied: Jedvaj spielt bei einem Champions-League-Teilnehmer, Damari bei einem Zweitliga-Aufsteiger.

Dabei ist der Israeli Damari nicht der einzige Millionendeal, den RB Leipzig im Winter eingetütet hat. Emil Forsberg wurde für knapp vier Millionen aus Malmö geholt. Nebenbei kamen mit Yordy Reyna (Leihe) und Rodnei (ablösefrei) zwei weitere Neuzugänge vom Konzernkollegen aus Salzburg, wo die Transfermodalitäten deutlich unkomplizierter sein dürften.

Die Tatsache, dass ein Zweitligaklub zwei Transfers von solch gewaltiger Größenordnung landet und insgesamt drei neue Offensivkräfte holt, lässt vor allem auf eines schließen: den großen Angriff in der Rückrunde. Derzeit hat Leipzig nur vier Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz und befindet sich als Aufsteiger auf einem ohnehin sehr guten Weg.

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Erinnerungen an Hoffenheim 2007

Doch die sportliche Leitung um Ralf Rangnick will auf Nummer sicher gehen. Rangnicks Transferoffensive erinnert ein wenig an seine Hoffenheimer Zeit. Dort holte der Zweitligist in der Sommerpause 2007 zur großen Shoppingtour aus. Rangnick verpflichtete Carlos Eduardo, Chinedu Obasi, Demba Ba und Vedad Ibisevic für rund 16 Millionen. Der Aufstieg in die Bundesliga folgte prompt.

Damals, so schwärmte Rangnick unlängst im "Kicker", konnte man plötzlich "zuschauen, wie die Leistungskurve im Training nach oben ging." Geld schießt manchmal eben doch Tore, wenngleich Rangnick betont, diese These "lässt sich nicht in Stein meißeln. Aber richtig ist auch: Man hat mehr Möglichkeiten, Dinge umzusetzen, wenn man nicht jeden Euro umdrehen muss."

Gleichzeitig signalisieren die Verpflichtungen auch eindeutig, in welche Richtung es schnellstmöglich gehen soll. "Um noch ein Jahr zweite Liga zu spielen, hätten wir gar niemanden mehr holen brauchen", stellte Rangnick gegenüber "Sport1" klar.

Rangnick beendet Doppelfunktion

Mit Tiefstapelei oder Demut kann er in diesem Zusammenhang nichts anfangen. Sollte der Aufstieg diese Saison verpasst werden, wäre er im kommenden Jahr ohnehin Pflicht, gab Rangnick zu Protokoll. "Zu glauben, dass wir das durch Demut mit der Erwartungshaltung besser hinbekommen, halte ich für schwierig."

Deshalb ist plötzlich, nachdem zu Saisonbeginn die Ziele noch verhalten formuliert wurden, in ungewöhnlicher Vehemenz vom Aufstieg die Rede. Es scheint, als hätte Leipzig die einmalige Chance erkannt: Eine selten ausgeglichene Zweitliga-Saison, in der viele vermeintliche Aufstiegskandidaten gewaltig straucheln. Eine optimale Gelegenheit für den schnellen Durchmarsch der finanziell schlagkräftigen Bullen.

Um diese so schnell wie möglich Realität werden zu lassen, wird sich Rangnick selbst nun vollends auf den Standort Leipzig konzentrieren. Dort werde er "unabhängig von der sportlichen Entwicklung" ab kommendem Sommer als Sportdirektor fungieren.

Seine Teilzeitfunktion in Kombination mit dem Job in Salzburg wolle er aufgeben. Zeitlich sei es nicht mehr möglich, "zum anderen ist dies auch den Vorgaben der UEFA zur Integrität des Wettbewerbes geschuldet", so Rangnick.

"...dann wäre Kampl wahrscheinlich noch bei uns"

Mit diesem Kurs modifiziert Red Bull die eigene Strategie. Auf der Überholspur soll es Richtung Bundesliga gehen, ohne zwischendurch innezuhalten oder gar anzuhalten. Denn wie notwendig die baldige Erstklassigkeit in Deutschland für Red Bull ist, mussten die Vereine erst in der Winterpause spüren. Mit Joshua Kimmich, Kevin Kampl und Sadio Mane verließen drei wichtige Hoffnungsträger den Konzern.

Mit Leipzig als Bundesligist hätte man ihnen eine völlig andere Perspektive bieten können, wenn es nach Rangnick geht: "Wenn wir jetzt schon in der Bundesliga wären, wäre wahrscheinlich ein Mane bei uns, dann wäre höchstwahrscheinlich noch ein Kevin Kampl bei uns und dann wäre es mit Sicherheit auch nicht so klar gewesen, dass Kimmich zu den Bayern wechselt", glaubt Rangnick.

Doch die recht lose Perspektive Bundesliga-Aufstieg mit Leipzig oder die österreichische Bundesliga mit Salzburg waren offenbar nicht verlockend genug, um die Leistungsträger zum Bleiben zu bewegen. Auch deshalb kämpft RB nun offensiver um das Argument Bundesliga.

Konfliktpotenzial der Mission Aufstieg

Allerdings birgt die neue Strategie auch ein gehöriges Konfliktpotenzial. Trainer Alex Zorniger beschwört stets den Teamgedanken. Zusammenhalt und Harmonie im Team werden bei ihm groß geschrieben. Das ist nur schwer aufrechtzuerhalten, wenn plötzlich reihenweise Bundesliga-taugliche Spieler gekauft werden, die auch auf auch Erstliga-Niveau verdienen wollen.

Die Transferoffensive in diesem Winter wäre im Vergleich dazu nur ein Anfang. Im Falle eines Aufstiegs dürfte Leipzig wohl eher auf Hoffenheimer Level nachrüsten, wie Rangnick es schon 2007 tat.

Auch der Sportdirektor selbst weiß um die Gefahr, dass dadurch die Harmonie im Team auf die Probe gestellt werden könnte: "Wir werden keinen Spieler holen, der unser bestehendes Gehaltsgefüge in die Luft jagt. Es darf nicht passieren, dass plötzlich fünf Spieler zusammen mehr verdienen als der Rest des Kaders."

Rangnick & Zorniger uneinig

Hinzu kommen die konträren Positionen von Sportdirektor und Trainer. Während Rangnick zum großen Angriff bläst, drückt Zorniger behutsam auf die Bremse: "Ein weiteres Jahr zweite Liga würde dem Umfeld gut tun", meint der Coach. Für Rangnick hingegen kann "ein Aufstieg nie zu früh kommen."

Zorniger sorgt sich um die Atmosphäre im Team, Rangnick um die Zukunft des Klubs. Darum, dass weitere Stars abgeworben werden könnten, weil anderswo die Perspektive vielversprechender ist. Für den Verein wird es eine Gratwanderung, einen Kompromiss zu finden, der die Sorgen aller Beteiligten berücksichtigt.

Sollte dies nicht gelingen, läuft der Verein Gefahr, dass entweder Zornigers oder Rangnicks Hauptanliegen vorerst auf der Strecke bleibt.

RB Leipzig in der Zusammenfassung

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