Fussball

"Ich bin sehr erschrocken. Das ist furchtbar"

Von SPOX
Gianni Infantino hat sein Vorhaben in die Realität umgesetzt

Die Aufstockung der Weltmeisterschaft auf 48 Mannschaften ist beschlossene Sache und wird ab 2026 in Kraft treten. Die Reaktionen der Fußballwelt auf die Entscheidung sind überwiegend kritisch. Sorgen um die Belastung der Spieler kommen auf.

Max Eberl (Manger des Hamburger SV): "Größer ist nicht besser. Ich halte dies nicht für eine gute Lösung, die WM wird verwässert, wir bekommen nur mehr Masse, nicht mehr Klasse und das ist angesichts des ohnehin schon engen Spielplans für mich nicht verständlich."

Uwe Seeler (Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft): "Da habe ich überhaupt kein Verständnis für. Das finde ich ganz schlecht. Das wird derart langatmig. Das wird für den Fußball nicht gut sein, das hat man bei der EM gesehen. Aber es war klar, dass es kommen würde, denn damit kann man ein paar Mark mehr machen."

Berti Vogts (Ex-Bundestrainer): "Ich bin sehr, sehr erschrocken, ich mag es nicht glauben. Das ist furchtbar. Wenn man die WM zugrunde richten will, muss man diesen Weg weitergehen. Ich verstehe es einfach nicht. Das ist nicht mehr meine WM. Was soll das bloß? Es ist ganz schlimm."

Horst Hrubesch (Europameister von 1980, zuletzt Trainer der Olympia-Auswahl): "Ich bin überrascht. Die Überlastung der Spieler war im alten Modus schon sehr hoch. Es wird immer noch mehr reingepackt, immer mehr. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das durchgeht. Der DFB hat sich zu Recht dagegen gewehrt."

Carlo Ancelotti (Trainer Bayern München): "Ich bin generell gegen mehr Spiele. Der Terminkalender ist jetzt schon voll. Die FIFA hat aber gesagt, dass es trotz der Aufstockung nicht mehr Spiele geben wird. Man muss abwarten, was passiert."

Ulli Stielike (Nationaltrainer Südkoreas): "Die kleineren Nationen sind sicherlich dafür, aber im Interesse der Gesundheit der Spitzenspieler hätte man es beim alten Modus belassen sollen. Aus Sicht von Südkorea sehen wir, dass alles enger zusammengerückt ist. Das gibt uns mehr Spielraum, wenn vielleicht dann sechs statt vier Mannschaften zur WM fahren."

Jörg Schmadtke (Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln): "Das ist idiotisch. Wir haben ohnehin immer mehr Belastung, und dann wird die WM auch noch aufgeblasen, das finde ich nicht gut. Den sportlichen Wert kann ich nicht erkennen. Schon bei der EM waren viele Spiele langweilig."

Alexander Rosen (Sportchef 1899 Hoffenheim): "Die WM ist gut, so wie sie ist. Meiner Meinung nach hätte unbedingt am aktuellen Modus festgehalten werden müssen. Ein Turnier verliert an Wert, wenn - wie etwa bei der EM - drei von vier Mannschaften in der Vorrunde weiterkommen oder noch mehr Teams teilnehmen. Über die Tatsache, dass hinter diesen Gedankenspielen keine sportlichen Beweggründe stecken, brauchen wir uns ohnehin nicht zu unterhalten. Diese Entwicklung ist meiner Meinung nach gefährlich. Der Kalender ist jetzt schon zu eng, und die Spieler bewegen sich im Grenzbereich."

Martin Schmidt (Trainer FSV Mainz 05): "Ich denke, dass der Fußball der ganzen Welt gehört und dass jeder die Chance haben muss, bei so einem Turnier dabei zu sein."

Rüdiger Fritsch (Präsident des Bundesligisten Darmstadt 98): "48 Mannschaften werden nicht dazu beitragen, die sportliche Qualität zu erhöhen. Für die Ausrichtung des Fußballs als Sportart Nummer eins ist das eine Entscheidung, die mehr Länder begüstigt. Wirtschaftlich ist die Entscheidung also sicher begründbar, sportlich ist sie fraglich."

Arne Friedrich (ehemaliger Fußball-Nationalspieler): "Eine aufgeblähte WM, um noch mehr Geld zu generieren? Was soll man dazu noch sagen? Die Qualität der Spiele wird darunter leiden."

Özcan Mutlu (sportpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion): "Infantino geht es nur darum, seinen Machtkreis und Einfluss zu vergrößern und noch ein wenig fester an der Gelddruckmaschine Fußball-WM zu kurbeln. Statt im eigenen Laden aufzuräumen, Korruption zu bekämpfen, die fragwürdigen Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 genauer unter die Lupe zu nehmen, funktionierende Good-Governance Strukturen zu implementieren und Transparenz zu schaffen, kümmert er sich um seine Wahlgeschenke. Das treibt die auswuchernde Kommerzialisierung des Fußballs, bei dem der Sport inzwischen zur Nebensache geworden ist, nur noch weiter voran."

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