Fussball

Isco-Zoff bei Real Madrid droht zu eskalieren: Der Liebling macht sich Feinde

Isco hat einen schweren Stand bei Real Madrid.
© getty

Real Madrid blamiert sich zum Abschluss der Champions-League-Gruppenphase gegen ZSKA Moskau bis auf die Knochen. Nach der historischen 0:3-Pleite im Santiago Bernabeu gibt es aber nur ein Gesprächsthema: Isco. Der von Neu-Trainer Santiago Solari zuletzt zum Bankdrücker degradierte Spielmacher bringt in einem seiner wenigen Einsätze von Beginn an die eigenen Fans gegen sich auf. Ein Mitspieler zeigt sich verwundert, ein Ex-Funktionär kritisch. Folgt im Sommer ein Wechsel?

Keine Woche ist es her, da sang das unterhaltungsgierige Opernpublikum im Santiago Bernabeu noch voller Inbrunst seinen Namen. Franciso Roman Alarcon Suarez, besser bekannt als Isco, hatte beim 6:1-Schützenfest gegen UD Melilla groß aufgespielt, das runde Leder aus 20 Metern im Knick versenkt und kurz vor Abpfiff mit einem weiteren präzisen Abschluss einen Doppelpack geschnürt.

Es war aber eben nur Melilla. Ein dankbarer Gegner aus der dritten spanischen Liga. Und weil bei Real Madrid vergangene Meriten ziemlich wenig bedeuten, musste Isco nur wenige Tage nach seiner Copa-del-Rey-Gala feststellen, wie schnell selbst er, der gestandene und für gewöhnlich überall auf der iberischen Halbinsel verehrte spanische Nationalspieler, vom Liebling zum Buhmann werden kann.

ZSKA Moskau gastierte am Mittwochabend zum Abschluss der Champions-League-Gruppenphase im Bernabeu. Die sportliche Bedeutung der Partie war überschaubar, Real hatte sich bereits den ersten Platz in Gruppe G vor der AS Rom gesichert.

Fans von Real Madrid pfeifen und buhen Isco aus

Die rund 60.000 Schaulustigen versprachen sich dennoch einen torreichen Abend, schließlich stand diesmal ja erneut Isco, der von Neu-Coach Santiago Solari zurzeit nur in weniger wichtigen Spielen berücksichtigte Balltänzer aus Andalusien, in der Startelf.

Anspruch und Wirklichkeit sollten im Bernabeu an diesem Abend aber, wie so oft in den vergangenen Monaten, weit auseinanderliegen. Reals B-Elf, bestückt mit vielen Perspektivspielern wie Jesus Vallejo, Federico Valverde oder Vinicius Junior, aber auch mit den Offensivstars Karim Benzema, Marco Asensio und jenem Isco, bekam gegen disziplinierte Russen wenig auf die Kette.

Zur Halbzeit stand es 0:2, die Fans pfiffen und begannen sich zu ärgern, überhaupt Geld für diesen Gruselkick bezahlt zu haben. Als Isco wenige Minuten nach dem Seitenwechsel dann auch noch eine Riesenchance zum Anschlusstreffer vertändelte, entlud sich ihr Zorn. Sie pfiffen und buhten den Mann mit der Nummer 22 gnadenlos aus, als wollten sie ihm mitteilen: "Schau' her, darum lässt dich Solari so selten spielen."

Isco verzichtet auf Kapitänsbinde von Real Madrid

Eine Message, die bei dem kürzlich zum besten Nationalspieler Spaniens des Jahres gekürten Feinfuß alles andere als gut ankam. Reals Fans pfeifen für gewöhnlich alles und jeden aus, was nicht liefert, selbst Größen wie Alfredo Di Stefano, Zinedine Zidane oder Cristiano Ronaldo blieben nicht davon verschont.

Sie ließen solche Unmutsbekundungen aber meist regungslos über sich ergehen. Anders als Isco. Der 26-Jährige machte erst eine abfällige Geste mit den Worten "Was wollt ihr?" in Richtung Tribüne, später verzichtete er bei Marcelos Auswechslung auf die Kapitänsbinde.

"Ich habe versucht, sie ihm zu geben. Aber er sagte, die Binde müsse Dani Carvajal bekommen. Warum? Das weiß ich nicht", meinte der Brasilianer nach dem Abpfiff verwundert. Die Marca schreibt zwar, dass Isco Carvajal die Binde im Vorfeld der Partie versprochen habe, eine Erklärung des Spielers selbst lässt noch auf sich warten. "Emotionen gehören zum Sport. Ich hätte mir aber gewünscht, dass Isco danach vor die Presse tritt und sich öffentlich entschuldigt", kritisierte Ex-Funktionär Jorge Valdano den seit 2013 bei Real unter Vertrag stehenden Mittelfeldmann.

Marcelo rüffelt Isco - Wechsel im Sommer?

Solari wollte dem Zoff nicht zu viel Bedeutung beimessen. Vielmehr störte ihn der Auftritt seiner Mannschaft. Die Russen siegten am Ende nämlich sogar mit 3:0, fügten Real die höchste Heimniederlage in europäischen Wettbewerb zu. "Die Fans pfeifen, weil sie das Ergebnis nicht mögen. Sie mögen nicht, was sie sehen. Und wir mögen es auch nicht", sagte Solari.

Marcelo pflichtete dem Argentinier bei und gab Isco, der zuletzt vor allem wegen schwacher Trainingsleistungen außen vor gewesen war, eine Botschaft mit auf den Nachhauseweg: "Wenn das Publikum dich auspfeift, dann ist klar, dass du etwas ändern musst."

Vielleicht ändert Isco ja bald seinen Arbeitgeber. An Interessenten mangelt es ihm zumindest nicht. Neben Manchester City und dem FC Arsenal wird auch der FC Bayern mit ihm in Verbindung gebracht. Nicht auszuschließen, dass Real bereit ist, seine Ausstiegsklausel von 700 Millionen Euro im kommenden Sommer zu senken - vorausgesetzt natürlich, er macht sich weitere Feinde anstatt sich zurückzukämpfen.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung