Fussball

Isco bei Real Madrid ausgebootet: Zu wenig Cojones für Santiago Solari

Isco spielt bei Real Madrid plötzlich keine Rolle mehr.
© getty

Real Madrid zieht als Erster der Gruppe G ins Champions-League-Achtelfinale ein. Nach dem 2:0-Auswärtssieg des Titelverteidigers bei der AS Rom gibt es in Spanien aber nur ein Gesprächsthema: die Ausbootung von Mittelfeld-Star Isco.

Mit versteinerter Miene betrat Francisco Roman Alarcon Suarez, besser bekannt als Isco, das Stadio Olimpico, nach Unterhaltungen mit seinen Mitspielern war ihm auf den Weg in die Kabine nicht zumute.

"Ich bin fit, es gibt kein körperliches Problem", sagte der 26-Jährige nur einer Ansammlung von Journalisten im Vorbeigehen. Mehr war von ihm an diesem Abend nicht zu sehen oder zu hören.

Er verbrachte ihn allein auf der Tribüne. Er, der gestandene spanische Nationalspieler, der vielleicht beste Techniker im Starensemble der Königlichen, musste sich trotz guter physischer Verfassung in der entscheidenden Partie um den Sieg in der Champions-League-Gruppe G mit der Rolle des Zuschauers begnügen.

Real schlug die Roma zwar auch ohne ihn mit 2:0, nach dem Spiel wurde aber nur über die Ausbootung des Andalusiers gesprochen.

"Das sind spezifische Entscheidungen in bestimmten Momenten", erklärte Reals Trainer Santiago Solari die Nicht-Berücksichtigung von Isco, "Entscheidungen, die fast immer sportliche und nur in Ausnahmefällen andere Gründe haben. Hier gibt es keinen Ausnahmefall."

So schwammig er sie auch formulierte, Solaris Worte ließen wenig Interpretationsspielraum: Iscos Trainingseinsatz entspricht nicht seinen Erwartungen. "Ein Spieler muss alles geben, bei 100 Prozent sein, um zu sehen, ob der Trainer ihn aufstellt", sagte der argentinische Übungsleiter deutlicher. Ähnlich äußerte sich Reals zweiter Kapitän Marcelo: "Ich sage nicht, dass Isco nicht arbeitet, aber er muss sehen, warum er nicht spielt."

Isco kämpfte gegen eine Entlassung von Julen Lopetegui

Einem Bericht des Radiosenders Cadena Cope zufolge wollte Solari den Offensivakteur erst gar nicht mit in die italienische Hauptstadt nehmen. Er habe sich letztlich aber dagegen entschieden, um noch mehr Ärger im Vorfeld der Begegnung zu vermeiden. Isco ist nämlich praktisch seit der Beförderung Solaris vom Coach der zweiten Mannschaft zum Trainer der Profis ein Streitthema beim spanischen Rekordmeister.

Solari stellte ihn in keinem seiner sechs Spiele von Beginn an auf, nur dreimal wurde der Rechtsfuß eingewechselt. Seine magere Ausbeute: 78 von 540 möglichen Einsatzminuten.

"Mit dem Verzicht auf Isco hat Solari einen Hieb seiner Autorität gesetzt. Hierbei geht es nicht nur um Fußball", mutmaßt Real-Legende Jorge Valdano, früher Spieler, Trainer und Generaldirektor beim 13-fachen Champions-League-Sieger und heute Experte bei verschiedenen TV- und Radiosendern.

Isco, berichtet die Tageszeitung El Pais, lege seit Solaris Ankunft eine Null-Bock-Einstellung an den Tag. Das hat offenbar weniger mit Solari zu tun, sondern eher mit der Entlassung dessen Vorgängers Julen Lopetegui. Lopetegui war so etwas wie sein Ziehvater. Unter ihm schaffte er einst den Durchbruch in der spanischen U21- und später auch in der A-Nationalmannschaft. Auch bei Real setzte Lopetegui voll auf ihn, Isco stand bis zu einer Blinddarm-Operation Ende September fast immer in Reals Startelf.

Kein Wunder also, dass er Lopetegui trotz schwacher Mannschaftsresultate vehement verteidigte und die Verantwortlichen sogar öffentlich bat, an ihm festzuhalten. "Wenn sie Julen feuern, müssen sie uns alle feuern", sagte Isco nur wenige Tage vor dem Aus des 52-Jährigen auf einer Pressekonferenz. Entsprechend kalt soll er Lopeteguis Nachfolger Solari, der nach der 1:5-Blamage im Clasico gegen den FC Barcelona Ende Oktober übernahm, gegenübergetreten sein.

Ein No-Go für den neuen Trainer, der sich gleich am Tag seiner Vorstellung als harter Hund präsentierte, indem er von seinen hochbezahlten Stars mehr "Cojones", mehr Eier, forderte.

Gerüchte um Isco-Abschied: Manchester City interessiert

Spanische Medien spekulieren nun sogar, der miesepetrige Spielmacher könnte im kommenden Sommer das Weite suchen. Isco wäre für nahezu alle europäischen Topklubs interessant - mit Sicherheit auch für den FC Bayern, sollte die Leihe von James Rodriguez nicht in einer festen Verpflichtung münden.

Die größten Chancen auf einen Transfer hätte laut Marca aber Manchester City. Pep Guardiola ist schon länger hinter Isco her, würde ihn gerne als Nachfolger für den mittlerweile 32 Jahre alten David Silva auf die Insel lotsen. Allerdings würde Real Isco nicht ohne Gegenwehr ziehen lassen. In seinem bis 2022 laufenden Vertrag ist eine Ausstiegsklausel von 700 Millionen Euro verankert.

In Madrid hoffen sie darauf, dass sich die Wogen schnell wieder glätten. "Wer sagt, dass er nicht davon überrascht ist, der lügt", sagte etwa Flügelspieler Lucas Vazquez über die Degradierung seines Kollegen und betonte, Isco sei "extrem wichtig" für Real und werde "sicher schnell wieder spielen". Ob Solari das auch so sieht?

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung