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Torres kegelt Real aus der Copa del Rey

Und plötzlich Hauptdarsteller

Freitag, 16.01.2015 | 10:34 Uhr
Fernando Torres glänzte im Derbi madrileno mit einem Blitzdoppelpack als Matchwinner
© getty
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Das Rückspiel der Copa del Rey hätte die große Bühne für den frisch gekürten Weltfußballer Cristiano Ronaldo werden sollen, am Ende stiehlt Rückkehrer Fernando Torres dem Besten der Welt aber gehörig die Show. Während El Nino ein kleines Fußballmärchen erlebt, ist bei Real Madrid weiterhin der Wurm drin.

Reaktionen:

Diego Simeone (Trainer Atletico Madrid): "Torres ist gegangen, an seinen Erfahrungen gewachsen und jetzt ein Mann. Ich freue mich sehr für ihn. Auch die Fans sind glücklich. Seine Ankunft tut uns bisher gut, obwohl einige daran gezweifelt haben."

Fernando Torres (Atletico Madrid): "Wir sind zufrieden, denn wir wussten, dass es sehr schwer werden würde. Wir sind optimal in die Partie gekommen, hatten aber auch Phasen, in denen es richtig schwer wurde. Gegen Real Madrid ist es nie einfach, Tore zu schießen, wobei uns nach dem 2:1 klar war, dass wir mit einem Bein im Viertelfinale stehen.

Carlo Ancelotti (Trainer Real Madrid): "Wir haben Fehler gemacht, die wir normalerweise nicht machen. Diese Fehler haben wir teuer bezahlt, aber ich bin stolz auf meine Mannschaft, weil sie bis zum Ende gekämpft hat. Mein Team hat in der ersten Hälfte einen hohen Aufwand betrieben, an die Aufholjagd geglaubt und spektakulär gespielt. Besser kann man eigentlich nicht spielen. Deshalb bin ich nicht in Sorge. Ich wäre beunruhigt, wenn wir chancenlos ausgeschieden wären. Das war aber nicht der Fall."

Cristiano Ronaldo (Real Madrid): "Wir bitten die Fans um Entschuldigung. Manchmal ist es besser, einen Schritt zurück zu machen, um wieder zwei vorwärts zu gehen. Uns bleiben die Liga und die Champions League. Die Copa del Rey war der am wenigsten wichtige Titel. Die Liga und Champions League sind in dieser Saison bedeutender."

Marcelo (Real Madrid): "Wir haben bis zum Schluss alles versucht, aber Atletico war heute Abend einfach besser. Wir waren am Anfang etwas zu nervös, da hätten wir besser aufpassen müssen. Aber ich bin trotzdem stolz auf die Mannschaft, wir haben uns nie hängen lassen."

Sergio Ramos (Real Madrid): "Die Saison ist sehr lang und natürlich spricht man hier von einer Krise, wenn man bei diesem Klub zwei Spiele verliert. Wir müssen die Ruhe bewahren und uns darauf konzentrieren, uns zu verbessern. Für den heutigen Tag können wir die Champions League und Meisterschaft gewinnen. Wir werden alles geben."

Nachbetrachtung:

Es war alles angerichtet. Es sollte sein Abend werden. Sein großer Auftritt. Das Bernabeu erhob sich im Kollektiv, die Madritista reckten in einer beeindruckenden Choreographie goldene Folien nach oben, ein riesiges Banner mit einem Bild von ihm spannte sich über den Unterrang.

Unten, inmitten der Arena, stolzierte Cristiano Ronaldo über den Platz. Streckte den Ballon d'Or in den Himmel, applaudierte den Zuschauern, klopfte sich dabei demonstrativ auf die Brust. Der Portugiese genoss seinen ersten Auftritt im heimischen Stadion als neuer alter Weltfußballer sichtlich.

Schon vor dem Anpfiff hatten die Real-Fans ihrem Team einen irren Empfang bereitet. Die Hoffnung lebte nach dem 0:2 im Hinspiel, die Straßen um das Bernabeu brannten, als sich der Bus der Madrilenen seinen Weg durch ein Meer aus frenetischen Anhängern und leuchtende Pyros bahnte. Der Betriebsunfall von vor zwei Wochen sollte ausgebügelt werden. Mit diesen Fans im Rücken, mit dem besten Fußballer des Planeten auf dem Platz.

Historischer Doppelpack

Dann, 46 Sekunden nachdem Antonio Miguel Mateu Lahoz den Ball freigab, jagte Fernando Torres einen Pass von Antoine Griezman humorlos in die Maschen des Real-Kastens. Kaltschnäuzig, in Torjägermanier. So also, wie El Nino gefühlt seit Jahren nicht mehr agiert hatte. Der verlorene Sohn, der kurz nach den Jahreswechsel zu seinen Rojiblancos zurückgekehrt war, ausgerechnet er, hatte dem Weltfußballer nach 46 Sekunden die Show gestohlen.

Kurz nach der Verpflichtung des Stürmers hatte Diego Simeone noch auf die Euphoriebremse getreten. Torres komme nicht als "Heilsbringer". Torres müsse sich erst im Konkurrenzkampf beweisen. "Seine Ankunft tut uns bisher gut, obwohl einige daran gezweifelt haben", hat Diego Simeone nach dem Spiel im Santiago Bernabeu gesagt.

Als Antonio Miguel Mateu Lahoz die zweite Halbzeit anpfiff, dauerte es wieder nur 36 Sekunden. Torres bekam den Ball links im Strafraum, eine Drehung und Pepe rutschte ins Leere, ein kurzer Blick und der Ball zappelte im Netz. Seinen letzten Doppelpack hatte der 30-Jährige im Oktober 2013 geschnürt, damals noch für Chelsea in der Champions League gegen Schalke. Jetzt hatte er Real Madrid versenkt. "Nach dem 2:1 war uns klar, dass wir mit einem Bein im Viertelfinale stehen", sagte der Mann des Abends.

Abseits der Fußballromantik sorgte Torres damit auch für faktisch Historisches: Ein Tor in der ersten Minute beider Halbzeiten hatten die Königlichen in ihrer 112-Jährigen Vereinsgeschichte bis dahin noch nie kassiert.

Anerkennung für die Colchoneros

Während man im Lager der Rotweißen den Rückkehrer ausgelassen feierte, geht man bei Real mit dem Aus im Pokal auffällig locker um. Und das, obwohl die Madrilenen nur eins der letzten vier Pflichtspiele gewinnen konnten (zwei Pleiten, ein Unentschieden) - nachdem sie zuvor wettbewerbsübergreifend 22 Spiele in Folge siegreich waren.

"Die Saison ist sehr lang und natürlich spricht man hier von einer Krise, wenn man bei diesem Klub zwei Spiele verliert", gab Sergio Ramos nach Schlusspfiff zu Protokoll. "Wir müssen die Ruhe bewahren und uns darauf konzentrieren, uns zu verbessern."

Zudem betonte der Verteidiger die Leistung der Colchoneros, die gegen die Königlichen seit dem verlorenen Champions-League-Finale unbesiegt sind und den vierten Sieg im fünften Spiel feiern durften. "Man darf Atleticos Verdienst nicht vergessen. Wenn eine Mannschaft so gut spielt, bin ich der Erste, der ihr zum Weiterkommen ins Viertelfinale gratuliert. "

"In zwei Wochen fliege ich wieder"

Ein Lob, das derjenige, dem der Abend eigentlich gehören sollte, nicht uneingeschränkt teilen wollte. "Atletico spielt keinen attraktiven Fußball, aber das muss man respektieren", sagte Cristiano Ronaldo, der eigens in goldenen Schuhen aufgelaufen war, nach dem Schlusspfiff.

Eine Kampfansage ließ sich der Portugiese schließlich auch noch entlocken. "Immer bei 100 Prozent zu sein, ist unmöglich. Ich stamme nicht von einem anderen Planeten", sagte er und kündigte an: "In zwei oder drei Wochen fliegen die Mannschaft und ich wieder."

Schaden kann das nicht. Schließlich geht's Anfang Februar wieder einmal ins Vicente Calderon zu Atletico. Und die haben nicht nur einen beachtlichen Lauf gegen die Königlichen. Sie haben auch Fernando Torres.

Real Madrid - Atletico Madrid: Die Statistik zum Spiel

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