Fussball

Michael Emenalos Arbeit und sein Abschied: Der Mann hinter Chelseas Erfolgen

Donnerstag, 09.11.2017 | 13:20 Uhr
Michael Emenalo kam 2007 als Gegner-Scout zu FC Chelsea und arbeitete später als Co-Trainer und Technischer Direktor
© getty

Absagen von Contes Wunschspielern

Im sommerlichen Transfermarkt führte dieser Interessenskonflikt laut Kinsella zu "Spannungen zwischen Conte und den Transfer-Verantwortlichen". Chelseas Management agierte zögerlich und handelte sich so reihenweise Absagen von Contes Wunschspielern ein. Romelu Lukaku, Alex Oxlade-Chamberlain, Fernando Llorente, Ross Barkley und Alex Sandro entschieden sich trotz starkem Interesse und den finanziellen Möglichkeiten des Klubs letztlich gegen Chelsea. Conte hat das Verhalten seines Klubs auf dem Transfermarkt dafür sogar öffentlich kritisiert.

Obwohl Emenalo in die Verhandlungen mit Spielern und Beratern stets involviert war, traf er jedoch nicht die abschließenden Entscheidungen. Dies obliegt Marina Granovskaia, einer russisch-kanadischen Geschäftsfrau, die Emenalo als Direktorin vorgesetzt war. Das Duo arbeitete eng zusammen, genoss großes Vertrauen von Besitzer Roman Abramovich und war deshalb bedacht darauf, äußerst achtsam mit dessen Geld umzugehen. "Weil sie gerne lange verhandeln, platzten einige Transfers", sagt Kinsella.

Vor dem frustrierenden Transfersommer 2017 tätigte das Duo dagegen hervorragende Transfers für verhältnismäßig wenig Geld. Für jeweils rund neun Millionen Euro verpflichtete Chelsea Thibaut Courtois (2011) und Cesar Azpilicueta (2012), für jeweils rund 35 Millionen Euro Eden Hazard (2012) und N'Golo Kante (2016). Während Emenalos Zeit im Klub gewann Chelsea drei Premier-League-Titel und 2012 die Champions League.

Abramovichs Vertraute

"Er hatte in den vergangenen zehn Jahren einen enormen Anteil an allem, was der Klub erreicht hat", wurde der Vorstandsvorsitzende Bruce Buck in einer Stellungnahme zitiert, gleichzeitig drückte er sein Bedauern über Emenalos Abschied aus. Abramovich soll zuvor vergeblich versucht haben, Emenalo von einem Verblieb zu überzeugen. Dessen Entscheidung war jedoch unumstößlich. Er wolle sich künftig vornehmlich seiner Familie widmen, erklärte Emenalo. "Die wahren Gründe für seinen Abschied bleiben aber ein Mysterium", sagt Kinsella.

Granovskaias Rolle im Klub wurde mit Emenalos Abschied jedenfalls nochmal wichtiger, sie übernahm dessen Aufgaben zunächst interimistisch. Letztlich womöglich aber auch langfristig. Es würde dauern, bis sich ein externer Emenalo-Nachfolger dasselbe Vertrauensverhältnis zu Abramovich erarbeitet hätte. Als potentielle Nachfolger werden deshalb Abramovich-Bekannte gehandelt, Leonid Sluzki (aktuell Trainer von Hull City) etwa oder Vereins-Legende Didier Drogba (aktuell Spieler und Besitzer des amerikanischen Klubs Phoenix Rising).

"Der Klub ist in guten Händen", sagte Emenalo jedenfalls zum Abschied und fügte an: "Ich freue mich darauf, künftig ein Fan zu sein." Als solcher wird er von außen verfolgen können, wie all die Talente der von ihm geprägten Akademie entwachsen und weiterhin verliehen werden. Wie sie dann wohl weiterhin keine Chancen in der Profi-Mannschaft bekommen und stattdessen verkauft werden. Um Platz zu schaffen für neue Stars.

Seite 1: Das System des Scoutens, Ausbildens, Verleihens und Verkaufens

Seite 2: Erfolge, Meinungsverschiedenheiten und Gründe für den Abschied

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