Jürgen Klopp vor zweiter Saison mit dem FC Liverpool

Das erste große Puzzlestück

Donnerstag, 11.08.2016 | 15:00 Uhr
Jürgen Klopp geht mit dem FC Liverpool am Sonntag in seine zweite Saison
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Jürgen Klopp startet geht mit dem FC Liverpool gegen den FC Arsenal (So., 17 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER) in sein erstes komplettes Premier-League-Jahr. Auf die zurückliegende Vorbereitungszeit hat der Trainer lange gewartet. Statt einer taktischen Revolution wird es aber eher auf Verfeinerungen des bisherigen Systems hinauslaufen.

Es ist nicht so, als wäre die Sommer-Vorbereitung von Borussia Dortmund nun angenehmer. Auch die Profis des BVB gerieten in diesen Tagen im schweizerischen Bad Ragaz mächtig ins Schwitzen, die Einheiten waren bei hohen Temperaturen durchaus intensiv.

Allerdings dürften die Kicker der Borussia zumindest damit zufrieden sein, dass die einst von Michael Zorc getaufte "Schweine-Einheit" bereits das zweite Jahr in Folge ausfiel. Zeljko Buvac, der langjährige Co-Trainer von Jürgen Klopp, hatte sie Jahr für Jahr mit ins Programm geschleust.

Eine brutale Konditionseinheit mit pausenlosen Steigerungsläufen und eingestreuten Sprints, die nicht nur die körperlichen Fähigkeiten verbessern sollte, sondern auch schnell zur Willensschulung wurde.

Sturridge: "Intensivste Vorbereitung"

Beim FC Liverpool hat Buvac auf diese Maßnahme aus dem simplen Grund bislang verzichtet, dass die einzelnen Spieler zu verschiedenen Zeitpunkten ins Training eingestiegen sind. Es hätte aufgrund der unterschiedlichen körperlichen Zustände keinen Sinn ergeben, die gesamte Truppe auf diese Weise zu belasten. Doch immerhin hatte das Trainerteam erstmals seit Klopps Amtsübernahme Anfang Oktober 2015 mehrere Wochen am Stück zur Verfügung, um über regelmäßiges Training die gewünschten Inhalte der Mannschaft zu vermitteln. Daniel Sturridge sprach von "der wohl intensivsten Vorbereitung, die ich je hatte".

Bereits im vergangenen Winter, der in England statt Urlaub und Trainingslager traditionell Spiele im Drei-Tages-Rhythmus vorsieht, sprach Klopp davon, wie wichtig neben einer Pause für seine Spieler auch eine gemeinsame Vorbereitung wäre.

Doch trotz der schier atemlosen Abfolge von Partien im Vorjahr hat Klopp mit Liverpool einen beachtlichen Start hingelegt und Verbesserungen angeschoben, die praktisch vom Fleck weg griffen. Bereits seine allererste Begegnung bei den Tottenham Hotspur zeigte nach nur einer Woche Training, dass seine mannschaftstaktischen Maßnahmen vom Team angenommen und größtenteils mehr als ordentlich umgesetzt wurden.

Klopp wird sich an Jahr zwei messen lassen müssen

Am Ende qualifizierte man sich nicht für das internationale Geschäft, zwei (glücklose) Finalteilnahmen und einige magische Nächte an der Anfield Road bedeuten aber ein glänzendes Zwischenzeugnis für den Deutschen. Wie in Dortmund hat Klopp den Verein und die Menschen in Rekordzeit für sich vereinnahmt, nach Jahren der sportlichen Trostlosigkeit glaubt Liverpool wieder an sich.

Das hängt vor allem auch mit Klopps Spielidee zusammen, die zwar deutlich flexibler ist als gemeinhin angenommen, ohne die beiden Säulen Pressing und Gegenpressing aber freilich nicht auskommt. Die Spielintensität, dazu Klopps emotionales Coaching, sind die Bausteine, die die Partien der Reds wieder anziehend gemacht haben. Klopps Team war jedoch nicht davor gefeit, auf dem Spielfeld auch einmal keine Lösungen parat zu haben und ein paar Begegnungen in den Sand zu setzen.

An diesem Sonntag beginnt nun Klopps erstes richtiges Jahr im Norden Englands und trotz der berechtigten Vorschusslorbeeren wird er sich besonders daran messen lassen müssen. Ein erneutes Verpassen der internationalen Plätze wäre eine Enttäuschung, so viel steht fest.

Keine taktische Revolution

Klopps bisheriges Arbeiten in Liverpool gleicht einer Art großflächigem Puzzle, das er in den letzten Monaten praktisch im Live-Betrieb nach und nach zusammensetzte. Vollständig ist es noch längst nicht. Er musste darauf achten, nicht zu viel an taktischen Inhalten hinein zu kippen, dennoch ist das Spiel der Reds längst von den Grundtugenden des Kloppschen Fußballs durchsetzt.

Das erste große Puzzlestück, um im Bild zu bleiben, konnte der Coach jetzt aber in der abgeschlossenen Vorbereitungsphase hinzufügen. Es gehe nichts über Trainingsarbeit, ist einer von Klopps liebsten Sätzen. In Liverpool sowie auf der USA-Reise hatte er ausreichend Zeit, um die Basis zu erweitern und in taktischer Hinsicht mehr ins Detail zu gehen.

Eine Revolution im Vergleich zum Vorjahr sollte man also nicht erwarten, es geht um Verfeinerungen des bisherigen Systems. "Es wird keinen neuen FC Liverpool geben", bestätigt Co-Trainer Peter Krawietz im Gespräch SPOX. "Unsere Arbeit in der Vorbereitung war eine Weiterführung dessen, was wir uns in der vergangenen Saison schon erarbeitet haben. Wir erhoffen uns mehr Stabilität, um dann auf einem höheren Level performen zu können."

Schwarmverhalten und Pressingfallen

Diese Weiterführung sah in erster Linie vor, die bereits etablierten taktischen Abläufe offensiv wie defensiv auszubalancieren. Über allem steht die Vorgabe, in jeder Phase eines Spiels Dominanz auszuüben. Einer der Schwerpunkte ist daher ein dominanterer Spielaufbau. "Wir wollen im gespielten Aufbau flexibler werden, auch die Pressingsituationen gezielt auslösen und dann gewinnbringend umsetzen", erklärt Krawietz.

Themen also, die Klopp auch beim BVB auf die Agenda setzte. Aufs Wesentliche heruntergebrochen heißt das: Liverpool will und muss sich im Spiel mit Ball verbessern, da man sich künftig noch eher defensiv ausgerichteten Gegnern gegenübersehen wird als im Vorjahr.

Und: Teams, die das Spiel offen gestalten und sich somit leichter attackieren lassen, sollen durch einstudiertes Schwarmverhalten bereits in der eigenen Hälfte in Pressingfallen geleitet werden, die Klopps Mannschaften dann meist Ballgewinne auf den Flügeln bescheren.

Arsenal kommt Liverpool entgegen

Enorm wichtig - und das war bisher eines der offensichtlichsten Probleme - ist die defensive Absicherung dieser gezielten Attacken. Die Spieler sollen eine automatisierte Sicherheit bekommen, nach Ballverlust sofort ins Gegenpressing zu gehen und dabei zu wissen, dass Mitspieler die unmittelbare Umgebung der Spielsituation bewachen, um im Bedarfsfall zu unterstützen. Hinzu kommt das Thema Aktivität, wenn Liverpool rund um den eigenen Strafraum verteidigen muss. Heißt: Auch wenn man mal tiefer steht, kann man trotzdem aktiver verteidigen.

Auf eine vermeintlich leichter zu bespielende Truppe trifft der LFC am kommenden Sonntag zum Premier-League-Auftakt, wenn die Reds beim FC Arsenal zu Gast sein werden. Dieser Gegner, der sich selbst in einer Findungsphase befindet, kommt Liverpool insofern entgegen, da man einerseits nicht gleich zu Beginn aus der Favoritenrolle heraus spielen muss.

Andererseits kann in dieser Partie bereits auf den Großteil des bislang erarbeiteten taktischen Gerüsts zurückgegriffen werden. Vom Charakter her eine ähnliche Partie wie die Testbegegnung gegen den FC Barcelona, die Liverpool deutlich dominierte und mit 4:0 gewann.

"Wir sehen deutliche Fortschritte"

Sechs Neuzugänge hat sich Klopp bislang gegönnt, nach der Verletzung von Keeper Loris Karius dürften drei davon auf Anhieb in der Startelf stehen (Sadio Mane, Georginio Wijnaldum und Joel Matip). Wie hilfreich diese Kaderanpassungen letztlich sind, wird sich darin zeigen, wie schnell die neuen taktischen Details verinnerlicht wurden und wie sehr das Spiel der Reds in beide Spielrichtungen rhythmischer wird.

Immerhin sollte die neue Spielzeit ein ganz anderes Arbeiten am Trainingszentrum in Melwood garantieren. Klopp dürfte es entgegenkommen, künftig erst einmal nicht mehr vom hektischen Kalender in eine Partie nach der anderen gejagt zu werden.

Liverpool wird sich regelmäßige Trainingswochen leisten können, um die Spielidee weiter zu implementieren. Geduld ist dabei weiterhin gefragt, in Dortmund hat Klopps Aufbauarbeit bekanntlich "erst" im dritten und vierten Jahr ihren Höhepunkt erreicht.

"Wir haben hart an den Themen gearbeitet, die wir uns schon in der letzten Saison vorgenommen haben. Wir wähnen uns auf einem guten Weg und sehen deutliche Fortschritte, können uns aber noch stark verbessern", sagt Krawietz. Das Puzzle ist noch nicht komplett, aber es hat ein großes neues Stück hinzubekommen.

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