Der Fußball feiert Geburtstag

Von Adrian Franke
Freitag, 24.10.2014 | 16:55 Uhr
Der Sheffield FC gilt als ältester Fußballklub der Welt
© sheffield fc
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Als "The World's First Football Club" wirbt der FC Sheffield für sich selbst, am Freitag feiert der Klub seinen 157. Geburtstag. Joseph Blatter, Manchester United und der FC Chelsea sind offizielle Mitglieder, doch was macht die Faszination des ältesten Klubs Englands und, laut der FIFA, der Welt aus? Die Geschichte eines Vereins, der sich in der achten Liga wohlfühlt - und nur als Lückenfüller entstand.

Es war ein ungewöhnlich kalter und nasser Frühling in Sheffield, als sich der Weinhändler William Prest und der Rechtsanwalt Nathaniel Creswick, Mitglieder des örtlichen Kricket- und Leichtathletikvereins, im Mai 1857 im Adelphi Hotel zusammensetzten.

Bei dem Treffen, das bis tief in die Nacht dauerte, ging es vor allem um eines: Wie kann man sich im langen, verregneten englischen Winter fit halten, ehe die wichtige Kricket-Saison wieder beginnt?

Fußball also als Ersatz und Lückenfüller? Absolut. Seit zwei Jahren hatten mehrere der Kricketspieler an in keinster Weise reglementiertem Gebolze teilgenommen, um in Form zu bleiben. Diese Spiele allerdings waren nicht nur hochgradig chaotisch, sondern bargen auch eine Verletzungsgefahr. Gleichzeitig hatten die Sportler aber Spaß am Fußball gefunden und so war schnell klar: Ein organisiertes Spiel muss her.

Die Trennung vom Rugby

Es dauerte allerdings bis zum 24. Oktober 1857, ehe der Fußballverein, aufgebaut auf dem von Prest und Creswick geschaffenen Regelwerk (die "Sheffield Rules"), gegründet wurde. Wirklich formal verabschiedet wurden Regularien erst auf einer Klubversammlung am 21. Oktober 1858.

Für viele gelten die damals beschlossenen Richtlinien noch immer als die einschneidende Neuerung, die den Fußball vom Rugby trennte: Unter anderem war das Handspiel verboten, Kopfbälle wurden eingeführt und der Gegenspieler durfte nicht mehr umgerissen werden.

Vor allem das Kopfballspiel sorgte für Aufsehen: Bei einem Gastspiel in London sollen die Londoner Spieler komplett überrascht und aus dem Häuschen gewesen sein, dass ein Team den Ball mit dem Kopf spielt - und kopierte den neuen Trend anschließend prompt. Darüber hinaus war das Tor künftig aus festen Stangen und nicht mehr mit Querlatten aus Seilen und Freistöße sowie Ecken wurden eingeführt.

Glaubt man dem heutigen Vorstandsvorsitzenden Richard Tims und der stark historisch angehauchten Klub-Website ging der Effekt sogar noch darüber hinaus: Demnach war Sheffields Regel-Fundament die Basis, auf die sich die 1863 gegründete FA stützte. Hier erhebt allerdings die University of Cambridge bis heute Einspruch und verweist auf ihre bereits 1848 festgelegten Regeln.

Gegner? Verheiratete gegen Singles!

Unbestritten ist dagegen Sheffields Status als ältester Klub auf der Insel und von der FIFA ist der Verein sogar als ältester Fußballklub der Welt anerkannt - was in den ersten Jahren gleichzeitig aber die Frage aufbrachte: Gegen wen kann man antreten? Die Antwort war eine interne Lösung. Da es schlicht noch keine anderen Vereine gab, wurden innerhalb des Klubs mehrere Teams gebildet, so dass unter anderem etwa Verheiratete gegen Singles spielten.

Drei Kricket-freie Winter mussten so überbrückt werden, ehe der erste externe Gegner auf den Plan trat: 1860 wurde der FC Hallam gegründet, das Duell gegen Hallam gilt als das erste Spiel zwischen zwei verschiedenen Klubs und somit logischerweise gleichzeitig auch als das älteste Derby der Welt - das Sheffield Derby.

In den nächsten zehn Jahren erfolgten schließlich weitere Vereinsgründungen wie am Fließband, so dass die Gegnersuche schon bald kein Problem mehr war. Bis 1862 gab es im Gebiet in und um Sheffield bereits 15 Fußballklubs.

Kein Interesse am Profi-Fußball

Hier lag allerdings auch eines der Probleme, das Sheffield trotz oder vielleicht gerade wegen seiner reichen Geschichte bis heute nicht überbrücken konnte und wollte. Während der Fußball auf der Insel einen unvergleichlich rasanten Erfolgszug feierte und schon Ende des 19. Jahrhunderts von den neu geschaffenen Profiklubs dominiert wurde, hatte der älteste aller Vereine überhaupt kein Interesse daran, in diese Welt einzusteigen.

Sheffield hielt stets an seinem Amateur-Geist fest und etablierte etwa lange Zeit keinen festen Spielplatz. "Der FC Sheffield war damals ein Klub für Gentlemen", betonte der heutige Ehrenpräsident Alan Methley vor einigen Jahren gegenüber "11 Freunde": "Das waren Leute, die alle einen guten Beruf hatten und nur zum Spaß Fußball spielten." Schon damals war Sheffield ein etwas anderer Klub - und daran hat sich in keinster Weise etwas geändert.

"Der zweitliebste Verein jedes Fans"

Der größte sportliche Erfolg ist bis heute der Gewinn des 1974 abgeschafften FA Amateur Cups 1904, vor 6.000 Zuschauern wurde Ealing damals mit 3:1 geschlagen. Es passt zum ganzen Verein und dessen Mentalität, dass der größte Erfolg in einem Wettbewerb errungen wurde, den es seit 40 Jahren nicht mehr gibt. Heute spielt Sheffield in der achten englischen Liga und hat wenige Ambitionen nach oben, es zählen schlicht andere Werte in South Yorkshire.

"Fußball wird in praktisch jedem Land der Welt gespielt, Millionen Menschen schauen dabei zu - dank Sheffield", ist sich Tims sicher und fügte vor einigen Jahren in der "BBC" zudem hinzu: "Der Klub ist sozusagen das gute Gewissen. Wir wollen rund um die Welt der zweitliebste Verein jedes Fußballfans werden."

Das familiäre Umfeld, jeder kennt jeden im Verein, sowie der altehrwürdige Pub "Coach and Horses" mit seinem lokalen Thornbridge Ale gehören dabei untrennbar zum Klub. Auch die Spieler schauen nicht selten nach Heimspielen auf ein Bierchen vorbei. Doch auch Gäste werden im Coach and Horses immer häufiger.

Geschichte = Gewinn?

Denn gleichzeitig funktioniert Sheffields Ansatz. Die Geschichte des Klubs wird der Öffentlichkeit immer wieder ins Gedächtnis gerufen und mehr und mehr Fans von der ganzen Welt zeigen seit einigen Jahren Interesse und werden Mitglied. Fußballfans wollen einfach beim ältesten Klub der Welt dabei sein, ganz egal, ob dieser in den Niederungen des englischen Fußballs spielt.

Zum 150. Geburtstag gab sich immerhin Inter Mailand 2007 die Ehre, 2013 besuchte der BVB im Vorfeld der Champions-League-Partie beim FC Arsenal Sheffield. "Es ist wichtig für uns, immer deutlich zu machen, dass wir für die Geschichte und Traditionen des Fußballs absolut offen sind. Wir wissen, wo wir herkommen", stellte Trainer Jürgen Klopp damals klar.

Auch Sponsoren werden daher zunehmend auf den Traditionsverein aufmerksam. Golfausrüster und Banken arbeiteten in den vergangenen Jahren mit Sheffield zusammen, ausgerüstet wird der Klub, der auch einen offiziellen Sportgetränke-Partner hat, von Puma. Finanziell geht es Sheffield seit einigen Jahren besser denn je, 2007 erwarb der SFC erstmals in seiner Geschichte als Fußballklub einen eigenen Platz.

Die Tradition stets im Blick

Und dennoch: Es wäre nicht der FC Sheffield, wenn daraus plötzlich Ambitionen und Aufstiegsträumereien entstehen würden. The Club, wie der Verein ob seines Status in England weithin bekannt ist, legt auch in diesen Zeiten seinen Fokus weiter auf Tradition. So organisiert Sheffield mittlerweile Turniere mit den ältesten Klubs anderer Länder, wie etwa dem Queens Park FC, dem CFC Genua oder dem FC St. Gallen.

Stolze 157 Jahre ist es jetzt her, dass William Prest und Nathaniel Creswick ihren Regelsatz ausarbeiteten und den offiziell ältesten Fußballklub der Welt ins Leben riefen. Seinen Ursprungsort hat der Klub inzwischen längst überlebt, das Adelphi Hotel gibt es seit 1969 nicht mehr. Der Verein lebt von und für seine Geschichte und man ist zurecht stolz auf seinen Status als Amateurverein. In diesem Sinne bleibt nur eines zu sagen: Happy Birthday, Sheffield FC!

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