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Der Videobeweis kommt

SID
Gianni Infantino spricht vom Videobeweis von einer historischen Entscheidung
© getty

Das Interantional Football Association Board (IFAB) hat die Weichen für die Einführung des Videobeweises am Samstag in Cardiff gestellt. Zunächst gibt es eine längere Testphase.

Die Revolution ist nicht mehr aufzuhalten: Zwar wird der Videobeweis nach der wegweisenden Entscheidung der FIFA-Regelhüter erst einmal zwei Jahre lang im stillen Kämmerlein getestet - dann aber entscheidet die hochmoderne Technik auch in der Bundesliga mit über Wembley-Tore, Brutalo-Fouls und Elfmeterpfiffe. Bereits bei der Fußball-Europameisterschaft im Sommer bekommen die Schiedsrichter dafür mehr Spielraum mit ihren Roten Karten.

"Wir haben eine historische Entscheidung für den Fußball getroffen", sagte der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino (45/Schweiz) am Samstag in Cardiff - und tatsächlich war die 130. (!) Generalversammlung des International Football Association Board (IFAB) so ergiebig wie selten.

Mit der EM beginnt die zweijährige Testphase

Abgesegnet wurde neben der zweijährigen Testphase mit einem Videoschiedsrichter, an der die Deutsche Fußball Liga (DFL) teilnehmen will und wird, auch die Abschwächung der sogenannten Dreifachbestrafung, die immer wieder für scharfe Diskussionen gesorgt hatte.

Ab dem 1. Juni 2016, also vor dem Beginn der EURO in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli), müssen die Unparteiischen für das Verhindern einer klaren Torchance im Strafraum nicht mehr zwingend einen Platzverweis aussprechen. Der fällige Strafstoß bleibt unangetastet. Bei einem "normalen" Foul kann der Übeltäter vom Schiedsrichter auch nur verwarnt werden, sofern der Versuch unternommen wurde, den Ball zu spielen.

Klare Fehlentscheidungen sollen vermieden werden

Immer zur Roten Karten und damit zu einer automatischen Sperre führen weiterhin Aktionen, bei denen gezogen, geschubst oder gehalten wird, der Ball nicht in Reichweite, oder das Foul so brutal ist, dass es überall auf dem Feld mit einem Platzverweis geahndet werden würde. Über Letzteres soll dann künftig auch der Videoschiedsrichter entscheiden.

Dieser hat dann "während des Spiels die Möglichkeit, auf Video-Aufzeichnungen zuzugreifen und so entweder auf Nachfrage des Schiedsrichters bestimmte Situationen erneut zu betrachten, oder proaktiv mit dem Schiedsrichter zu kommunizieren", teilte die FIFA mit. "Klare Fehlentscheidungen" sollen vermieden werden.

"Grundsätzlich ist das nicht schlecht. Man fühlt sich ja schon, dass ein oder andere Mal ungerecht behandelt", sagte Nationalspieler Thomas Müller: "Man muss genau prüfen, wann man ihn einsetzt. Es muss flüssig bleiben. Aber für die ein oder andere Szene im Strafraum ist es nicht schlecht."

Videobeweis auch in der Bundesliga

Die DFL will zur kommenden Saison 2016/17 mit der ersten Testphase starten, "wenn alle noch offenen Fragen mit der FIFA geklärt sind", sagte DFL-Direktor Ansgar Schwenken: "Wichtig ist uns bei der Umsetzung vor allem, dass das Fußballspiel dennoch seinen eigentlichen Charakter behält."

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Den Referees ist es wichtig, dass der Unparteiische auf dem Feld auch weiterhin der Chef ist. "Es geht nicht, dass sich die Assistenten einmischen. Es muss eine klare Struktur in der Kommunikation geben", sagte Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel: "Die Spielleitung muss in einer Hand liegen."

Collina hegt Zweifel

Der ehemalige FIFA-Referee Pierluigi Collina (Italien) hegt Zweifel, ob der Test ein Erfolg wird. "Von den Videoaufnahmen kommt nicht immer die definitive Antwort. Man darf sich keinen Illusionen hingeben, dass der Videobeweis alles löst", sagte Collina im Interview mit der Gazzetta dello Sport. Glatzkopf Collina warnte auch vor der Gefahr einer Entmachtung der Unparteiischen. "Wäre ich noch als Schiedsrichter im Einsatz, wäre ich frustriert", betonte Collina.

Der Video-Assistent soll an einem zentralen Ort oder im Stadion sitzen und kann die TV-Bilder als Basis nutzen. Die Kostenübernahme müsse allerdings noch mit der FIFA geklärt werden.

SID mj rd

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