Einspruch mit wenig Aussicht auf Erfolg

"Blattini" tritt nach

SID
Freitag, 09.10.2015 | 13:30 Uhr
Blatter und Platini wird nur eine geringe Aussicht auf Erfolg des Einspruchs eingeräumt
© getty
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"Blattinis" kindlicher Trotz: Joseph S. Blatter und Michel Platini klammern sich verzweifelt an den allerletzten, aber sehr brüchigen Strohhalm ihrer Macht.

Trotz weltweiter Rücktrittsforderungen kündigten die beiden gefallenen Präsidenten des Weltverbands FIFA sowie der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ihren Einspruch gegen die 90-Tage-Sperre durch die Ethikkommission an. Es ist ein formelles Manöver - mit wenig Aussicht auf Erfolg.

"Mehr als vom Gefühl der Ungerechtigkeit oder einem Wunsch nach Rache bin ich angetrieben von einem tiefen Gefühl stillen Trotzes", sagte Platini (60), der wie Blatter (79) am Donnerstag seine Aufgaben niederlegen musste.

Die Verbandszentralen in Zürich (FIFA) und Nyon (UEFA) sind Sperrgebiet, auch wenn der Europa-Verband die Notwendigkeit dafür, den "ranghöchsten verfügbaren" Vize für die Übernahme von Platinis Amtsgeschäften zu berufen, bislang verneint. Wenn bei der Dringlichkeitssitzung des UEFA-Exekutivkomitees mit DFB-Boss Wolfgang Niersbach (64) am Donnerstag (15. Oktober) über eine Zukunft nach dem Beben, nach Platini beraten wird, darf der Franzose nicht mit am Tisch sitzen.

"Bis dahin soll er Gelegenheit bekommen, Dinge ins Feld zu führen, die ihn entlasten", sagte Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei RTL. Die Fälle von Blatter und Platini seien "differenziert zu sehen, weil Blatter von den Schweizer Behörden angeklagt wurde und Platini weiter als Auskunftsperson gilt. Deshalb ist es auch nicht zu verstehen, warum beide gleichzeitig gesperrt werden".

Blatter-Anwalt bestätigt Einspruch

Blatter ließ wie in den vergangenen Tagen seinen Anwalt sprechen: Richard Cullen (USA) bestätigte mehreren Medien den bereits am Donnerstag eingereichten Einspruch. Über den muss nun die FIFA-Berufungskommission unter dem Vorsitzenden Larry Mussenden befinden - die Einsprüche haben aber keinerlei aufschiebende Wirkung. Es bleibt dabei: Die beiden mächtigsten Fußballverbände haben ihre Köpfe verloren.

"Revolution bei der FIFA - Rote Karte für Blatter", titelte die britische Times: "Die Führungsriege des Weltfußballs wurde ins Chaos gestürzt." Der Guardian zweifelte umgehend am Neubeginn: "Der Druck der US- und Schweizer Behörden ist die einzige Hoffnung für unabhängige Reformen." In Frankreich zeigte die L'Équipe ein Bild der beiden Sünder auf der Titelseite - "Fall' mit mir" steht darunter.

Die Lage im Weltfußball, das entstandene Machtvakuum belastet und bleibt undurchsichtig. Kleinigkeiten werfen neue Fragen auf. Nachdem Blatters Anwälte unmittelbar nach dem Urteil der Ethikkommission vorgeworfen hatten, den Schweizer nicht vernommen und damit gegen die Statuten verstoßen zu haben, bestätigte die Kommission dem SID: Sowohl Blatter als auch Platini wurden bereits am 1. Oktober vernommen! Der UEFA-Boss sogar mehrere Stunden lang.

"Ich weise alle Anschuldigungen gegen meine Person, die nur zum Schein gemacht wurden und erstaunlich vage sind, zurück", sagte Platini: "Tatsächlich steht im Wortlaut der Anschuldigungen lediglich, dass 'scheinbar' ein Verstoß gegen den FIFA-Ethikcode vorliegt, und dass eine Entscheidung hinsichtlich der Kernfragen der Angelegenheit nicht sofort erfolgen kann."

Ethiker vermuten Annahme von Schmiergeld

Beide sind zusammen ins Visier der internen Ermittler geraten, weil im Schweizer Strafverfahren gegen Blatter ein dubiose Millionen-Zahlung an Platini aufgetaucht war. Die Ethiker vermuten Schmiergeld statt eine berechtigte Zahlung für die Beratertätigkeit des späteren UEFA-Bosses während der Jahrtausendwende. Platini riecht ein politisches Manöver, um seine nun so gut wie gescheiterte Kandidatur für die Präsidenten-Wahl des Weltverbands zu verhindern.

"Trotz der absurden Beschaffenheit dieser Ereignisse, weigere ich mich, daran zu glauben, dass es sich um eine politische Entscheidung handelt, die eilig getroffen wurde, um einen lebenslangen Verehrer des Fußballs in ein schlechtes Licht zu rücken oder meine Kandidatur für die FIFA-Präsidentschaft zu zerschmettern", sagte er. Tatsächlich bleibt die Frage: Wer soll Blatter bei der FIFA beerben?

Interimspräsident Issa Hayatou (69) ist dem Vernehmen nach gesundheitlich sehr angeschlagen, er reist nur noch mit Arzt und hat bereits eine längerfristige Nachfolge ausgeschlossen. Zudem klebt auch am Kameruner der Korruptionsverdacht. Der Südkoreaner Chung Mong Joon (63), der für sechs Jahre gesperrt wurde und ebenfalls Einspruch ankündigte, ist endgültig raus, er wird wie Platini den Integritätscheck nicht bestehen. Prinz Ali bin Al Hussein (39/Jordanien) will nochmal antreten, er verlor im Mai aber gegen Blatter und ist alles andere als der starke Mann, den die FIFA braucht.

Der auch oft als Alternative genannte DFB-Chef Niersbach hält sich zurück. "Was würde es bringen, wenn ich meinen Hut jetzt in den Ring werfe? So laufen die Dinge international nicht", sagte Niersbach bei RTL. Es ehre ihn natürlich, "dass es Leute gibt, die mir das zutrauen. Aber ich fühle mich beim DFB sehr wohl."

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