Formel 1

Die Formel 1 als Hoffnungsträger

SID
Der Russland-GP findet zum zweiten Mal in der Olympiastadt Sotchi statt
© getty

Als Vorjahressieger und Weltmeister ließ sich Lewis Hamilton nicht lange bitten, mit klangvollen Worten rührte der Engländer die Werbetrommel für den Großen Preis von Russland. Das Gastspiel der Formel 1 in Sotschi sei "großartig", die Anlage "fantastisch" und die Olympiastadt "wundervoll" - er hoffe, so Hamilton, "auf noch mehr Zuschauer" als im vergangenen Jahr.

Der Mercedes-Pilot dürfte den Veranstaltern ein Jahr nach der Premiere aus der Seele gesprochen haben. Denn 20 Monate nach den teuersten Olympischen Spielen der Geschichte hat die Stadt am Schwarzen Meer derzeit kaum etwas mit internationalem Spitzensport zu tun - und zum Rennen am Sonntag blickt endlich wieder die Welt nach Sotschi, auf die für Rekordsummen aufgemotzte Stadt, die nach Olympia doch eigentlich als Sport- und Tourismuszentrum etabliert werden sollte.

Stattdessen trägt die Region nun schwer an dem olympischen Erbe, und selbst der Grand Prix stand in diesem Jahr auf der Kippe - schon vor der zweiten Austragung. Drei Monate ist es her, da wandte sich die Regionalregierung Krasnodars an den Kreml: Ohne einen Kredit über umgerechnet 64 Millionen Euro sei der Grand Prix tot. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, hatten Kommunalpolitiker zuvor bereits über fehlende Mittel geklagt, sogar die Fertigstellung von Schulen und Krankenhäusern scheitere daran. Der Einsatz regionaler Gelder stieß an seine Grenzen.

Fall der Stadt deutete sich an

Dass die nacholympische Zukunft ein zähes Ringen für die Region werden würde, hatte sich allerdings bereits kurz nach den Spielen abgezeichnet. Diese hatten insgesamt 50 Milliarden Euro verschlungen, und Präsident Wladimir Putin stellte klar, dass "zusätzliche Investitionen" durch die Regierung nun erstmal nicht mehr erwartet werden dürften - "bei aller Liebe für Sotschi" müssten andere Modelle gefunden werden.

Ein Spaziergang durch den Olympiapark macht allerdings deutlich, wie schwierig eine nachhaltige Finanzierung des Geländes sein dürfte. Fast Seite an Seite stehen hier die riesigen Gebäude. Das gewölbte Dach des Olympiastadions "Fischt" in Blickweite des Schwarzmeerstrandes glänzt in der Sonne, es ist ein ästhetischer Bau. Ursprünglich sollte die Arena die neuen Heimat des FC Sotschi werden - der Klub dümpelt allerdings noch immer in der sportlichen Bedeutungslosigkeit herum, seine Spiele trägt er wenige Kilometer entfernt im provinziell anmutenden Zentralstadion aus.

Das Olympiastadion ist dagegen wieder eine Baustelle. Mit verschiedenen Maßnahmen wird es für die WM 2018 an die FIFA-Richtlinien angepasst, erneut für Millionensummen. Wenige Schritte entfernt stehen gleich zwei Multifunktions-Arenen, der große Bolschoi-Eispalast beheimatet heute den neu gegründeten Eishockeyklub HK Sotschi. 300 Meter weiter wurde die kleinere Schaiba-Eisarena errichtet, sie sollte ursprünglich in einer anderen russischen Stadt wieder aufgebaut werden. Heute steht sie noch immer an Ort und Stelle.

Räumlichkeiten wie leer gefegt

Unweit der Arenen erhebt sich zudem das riesige, strahlend weiße Media Center. Die unzähligen Flure und Räumlichkeiten sind weitgehend wie leergefegt, in einigen Zimmern bereiten sich Formel-1-Volunteers auf ihren Einsatz vor. Das Gebäude soll in Zukunft als Mall genutzt werden. Es gibt bereits eine in Sotschi.

All diese Eindrücke setzen sich auch angesichts der 40.000 Hotelzimmer fort, die rund um eine internationale Großveranstaltung wie den Grand Prix nicht annähernd ausgelastet sind. Insgesamt sollen die Touristenzahlen allerdings gestiegen sein, auch die Verkaufszahlen für die Formel 1 liegen demnach über den Vorjahreswerten.

Sotschi hofft darauf, dass sich zumindest das Formel-1-Rennen an der Küste etabliert. Denn der bis 2020 laufende Vertrag mit Bernie Ecclestone ist nicht an die Olympiastadt gebunden. Und auch Moskau hat seit Jahren durchaus Interesse.

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