Villarreals Cedric Bakambu im Porträt

Fußballerische Entdeckungsreise

Donnerstag, 28.04.2016 | 12:57 Uhr
Cedric Bakambu erzielte in dieser Saison wettbewerbsübergreifend 22 Treffer für Villarreal CF
© getty
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Mit 25 Jahren ist Cedric Bakambu einer der aufstrebenden Stürmer Europas. Sein Weg dorthin war keiner des geringsten Widerstands. Bakambu stieg mit Sochaux ab, startete mit Bursaspor durch und schoss Villarreal CF ins Europa-League-Halbfinale gegen den FC Liverpool. Er wurde mit Frankreich U19-Europameister, stürmt für das Heimatland seiner Eltern und war dem Terror ganz nah.

Knapp, verdammt knapp war es und die Karriere eines der spannendsten Stürmer Europas hätte abrupt, jäh und vor allem äußerst tragisch geendet. Am Morgen des 22. März war es, als sich Cedric Bakambu mit seinem Nationalmannschaftkollegen Dieumerci Mbokani am Brüsseler Zavantem Flughafen traf, um nach Kinshasa zu fliegen. Patriotische Dienste galt es zu erledigen, mit der Nationalmannschaft der DR Kongo standen zwei Qualifikationsspiele für den Afrika Cup an.

Antreten konnte das Duo den Flug jedoch nicht, denn der Terroranschlag verwüstete den Flughafen wenige Minuten vor ihrer Ankunft. Europa stand unter Schock und Bakambu hatte großes Glück im Unglück - und vor allem ein glückliches Timing. Verängstigen ließ sich der Stürmer von Villarreal CF aber nicht. Anders als Mbokani, der in Belgien blieb, machte sich Bakambu am nächsten Tag alleine auf den Weg nach Charleroi, um von dort einen Ersatzflug anzutreten.

Bakambu reiste also in die kongolesische Hauptstadt Kinshasa und schoss seine Nationalmannschaft drei Tage später im Spiel gegen Angola mit 1:0 in Führung. Für den Stürmer war es das erste Länderspieltor in seiner erst vierten Partie für die DR Kongo. Diese Tage stellen eine Episode aus dem Leben des Cedric Bakambu dar, die exemplarisch für seine Furchtlosigkeit und Abenteuerlust steht.

Risikofreudig durch Europa

Knapp zehn Jahre vor dem Anschlag in Brüssel nahm alles seinen Anfang. Es begann eine Reise, die Bakambu zu einem europaweit umworbenen Torjäger machte. Heute ist er 25 Jahre alt und trifft bei Villarreal beinahe nach Belieben. In dieser Saison wettbewerbsübergreifend bereits 22 Mal. Vor zehn Jahren verließ Bakambu seinen Geburtsort nahe Paris, um in die Jugendakademie des FC Sochaux zu wechseln. Rund 400 Kilometer entfernt von seiner Heimat.

Bakambu arbeitete sich durch die Nachwuchsmannschaften von Sochaux, ehe er 2010 in der Ligue 1 debütierte. In dieser Zeit traf er sich auch ab und an mit seinen Kumpels Antoine Griezmann und Alexandre Lacazette. Dann nämlich, wenn Spiele der französischen U19-Nationalmannschaft anstanden. Gemeinsam wurden sie 2010 im eigenen Land Europameister.

Während Griezmann und Lacazette in den folgenden Jahren aber bei ihren Jugendvereinen Real Sociedad und Olympique Lyon durchstarteten, suchte Bakambu das Abenteuer. 2014, nach dem Abstieg von Sochaux, verabschiedete er sich aus Frankreich. Trotz Angeboten aus europäischen Topligen zog es ihn in die Türkei zu Bursaspor.

"Ich bin ein Risiko eingegangen", sagt Bakambu heute, "aber im Leben muss man Risiken eingehen." Bakambu hätte bei Bursaspor in der Versenkung verschwinden können. Stattdessen startete er aber durch und traf im Schnitt in jedem zweiten Spiel. Bakambu wünschte sich mit dem Wechsel in die Türkei "einen Neustart". Den bekam er und nach nur einer Saison wartete schon der nächste. 7,5 Millionen Euro bezahlt Villarreal vor der aktuellen Saison, um Bakambu nach Spanien zu lotsen.

Dank dem Fußball zu den Wurzeln

Von Bursa nach Villarreal - ein Katzensprung im Vergleich zu Bakambus Reisen nach Afrika. Etliche Male lief Bakambu für verschiedene französische Junioren-Nationalmannschaften auf. Für das A-Team sollte es aber nicht reichen. Die Konkurrenz war schlichtweg zu groß. Als dann das Heimatland seiner Eltern anfragte, zögerte der Stürmer keinen Augenblick.

Die DR Kongo also, ein Land, in das Bakambu vor seinem Nationalmannschaftsdebüt noch nie in seinem Leben einen Fuß gesetzt hatte. Eine emotionale Bindung besteht trotzdem. "Es handelt sich um das Land meiner Eltern und daher auch um meines", sagt Bakambu, "man darf seine Wurzeln nicht vergessen."

Im September 2015 landete Bakambu dann erstmals in Kinshasa, bildlich gesprochen direkt bei seinen Wurzeln. Und mit jeder weiteren Reise lernt er seine Wurzeln besser kennen. "Ich habe mein Land durch den Fußball entdeckt", sagt er. Bei seinem ersten Besuch erwarteten ihn dutzende Menschen am Flughafen mit eigens angefertigten Bannern. "Die Menschen suchen den Körperkontakt", sagt Bakambu bewegt, "wie die Staatschefs" werden die Nationalspieler empfangen.

Für Bakambu sind die Besuche in der Heimat stets ein Kontrastprogramm, das ihn trotz des Hypes um seine Person demütig werden lässt. "Es ist ein armes Land, doch die Menschen sind dennoch immer am Lächeln", sagt Bakambu, "das prägte sich mir am meisten ein."

Treffsicher unter Flutlicht

Auch in Villarreal wird in dieser Saison viel gelächelt. Das Gelbe U-Boot spielt die beste Saison seit Jahren, auch Dank der zahlreichen Treffer von Bakambu. Der vierte Platz, der Villarreal eine Teilnahme am Playoff für die Champions League bescheren würde, ist so gut wie gesichert. Möglicherweise ist diese Platzierung am Ende der Saison aber gänzlich unerheblich. Dann nämlich, wenn Villarreal die Europa League gewinnen sollte. Der Titel garantiert eine direkte Qualifikation für die Königsklasse.

Wenn das Flutlicht in den Stadien Europas am Donnerstagabend eingeschaltet wird, läuft Bakambu stets zu Höchstleistungen auf. Mit neun Treffern ist er nach Aritz Aduriz der zweitbeste Schütze des Wettbewerbs. Schmerzlich erfahren musste das in dieser Saison auch schon Bayer Leverkusen. Im Achtelfinale schaltete Bakambu die Werkself mit einem Doppelpack beinahe im Alleingang aus.

Das folgende Viertelfinale gegen Sparta Prag verkam dann gänzlich zur großen Bakambu-Show. Zwei Treffer im Hinspiel, zwei Treffer im Rückspiel, Halbfinal-Teilnahme perfekt. Jetzt geht es gegen den FC Liverpool.

Bereits dreimal stand Villarreal in einem europäischen Halbfinale. 2004 und 2011 scheiterte das Gelbe U-Boot in der Europa League jeweils am späteren Sieger, dem FC Valencia und dem FC Porto. 2006 glückte der Einzug ins Champions-League-Semifinale. Während Bakambu gerade seinen Umzug in die Jugendakademie des FC Sochaux vorbereitete, scheiterten Juan Roman Riquelme, Diego Forlan und Co. haarscharf am FC Arsenal.

Zehn Jahre später hat Bakmabu die Chance, mit einer Finalteilnahme aus dem Schatten seiner großen Vorgänger zu treten.

Cedric Bakambu im Steckbrief

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