Heißes Pflaster Allianz-Arena

Hildebrand vor größter Bewährungsprobe

Von Florian Regelmann
Dienstag, 16.10.2007 | 20:54 Uhr
DFB, Timo Hildebrand
© Getty
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München - Wenn Jens Lehmann im Londoner Vorort Hampstead am Abend den Fernseher einschaltet und die EM-Qualifikationspartie zwischen Deutschland und Tschechien (ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) anschaut, wird er sicherlich hoffen, dass es Timo Hildebrand anders ergeht als ihm im Mai 2005.

Tatort Münchner Allianz-Arena, wir schreiben den 31. Mai 2005. Der damalige Teamchef Jürgen Klinsmann hatte den Konkurrenzkampf im deutschen Tor zwischen Lehmann und Oliver Kahn für eröffnet erklärt.

Beim Eröffnungsspiel der Allianz-Arena stehen sich die deutsche Nationalmannschaft und Bayern München gegenüber. Es ist eine erste Bewährungsprobe für Lehmann. Die Münchner Fans stehen natürlich hinter Kahn, Lehmann wird zum Staatsfeind Nummer eins in Bayern.

Lehmann checkt Schweinsteiger 

Als der 37-Jährige dann in der 25. Minute kurzerhand die Sportarten wechselt und Bastian Schweinsteiger in Eishockey-Manier in die Bande checkt, bringt es das Fass zum Überlaufen. Lehmann wird gnadenlos ausgepfiffen.

Gut zweieinhalb Jahre später könnte es in einer gewissen Art und Weise zu einer Parallele kommen. Die Situationen sind zwar anders gelagert, aber eines ist klar: Wie Lehmann damals, steht auch Timo Hildebrand in seinem siebten Länderspiel-Einsatz seine bisher größte Bewährungsprobe bevor (DFB-Pressekonferenz mit Timo Hildebrand, Marcel Jansen und Bundestrainer Jogi Löw als Video bei SPOX.TV)

Zuvor durfte der Ex-Stuttgarter nur in Freundschaftsspielen und beim EM-Qualifikationsspiel auf Zypern ins Tor. Beim 1:1 in Nikosia machte er auch noch eine eher unglückliche Figur.

"Rensing für Deutschland"? 

Man stelle sich vor, Hildebrand zeigt gegen Tschechien schon in der Anfangsphase erneut Unsicherheiten, eine unterlaufene Flanke dürfte genügen. Oder es kommt zum Super-Gau für den 28-Jährigen und er verschuldet schon früh einen Rückstand.

Wie wird das Münchner Publikum dann reagieren? Sicher dient der zurückhaltende Hildebrand nicht zu einem Feindbild wie Lehmann, aber die "Rensing für Deutschland"-Sprechchöre sind schon abgespeichert und warten nur darauf, zum Einsatz kommen zu können.

Immerhin sind sie vor kurzem von keinem geringeren als Bayern-Manager Uli Hoeneß laut "angestimmt" worden: "Lehmanns Nachfolger in der Nationalelf wird auf jeden Fall Michael Rensing und sonst keiner. Da können sich alle anderen auf den Kopf stellen". Ende der Ansage.

Hildebrand spürt Konkurrenz im Nacken 

Noch genießt Hildebrand das Vertrauen von Joachim Löw, aber er weiß selbst am besten, dass er gegen die Tschechen eine fehlerfreie Leistung abliefern muss. Besser wäre noch ein Spiel der Marke "Note eins".

Denn Hildebrand sitzen neben Rensing vor allem Robert Enke, Manuel Neuer und Rene Adler im Nacken. Äußerlich gibt sich der Keeper locker, aber innerlich dürfte die Welt anders aussehen.

Fast hat man den Eindruck, Hildebrand spürt den Atem der Konkurrenz und will sich seinen Status als Nummer zwei durch Loyalität verdienen. "Wir sollten aufhören, bei den Torhütern gegeneinander zu kämpfen. Die Rollen sind klar verteilt", erklärte er jetzt auf der Pressekonferenz vor dem Tschechien-Spiel.

Richtungsweisendes Spiel 

Mit einer überzeugenden Partie vor 66.000 Zuschauern in der Allianz-Arena könnte Hildebrand mit einem Schlag viele Kritiker verstummen lassen und Löw darin bestätigen, weiter an ihm festzuhalten. Denn außer beim Bundestrainer gibt es bei den meisten Experten, vor allem bei den ehemaligen Nationaltorhütern wie Toni Schumacher, kaum einen, der Hildebrand überhaupt in seinen persönlichen Top-3 hätte.

Die Partie gegen Tschechien gehört für Hildebrand in seiner Karriere durchaus in die Kategorie "richtungsweisend". Wie wird das Pendel ausschlagen? Läuft es positiv, kann er gestärkt nach Valencia zurückkehren, wo er zuletzt ohnehin durch eine starke Leistung in der spanischen Liga an Oberwasser gewonnen hat. Und mit Blick auf die Lehmann-Nachfolge hätten sich seine Karten wieder erheblich verbessert.

Läuft es auf der anderen Seite aber schlecht, so könnte sich Hildebrand im Klub bald wieder auf der Bank und nächsten Sommer bei der Europameisterschaft vor dem Fernseher wiederfinden. Er hat es selbst in der Hand. 

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