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Das Lebenswerk ist beisammen

Montag, 11.07.2016 | 08:51 Uhr
Cristiano Ronaldo musste im Finale bereits in der 25. Minute verletzt vom Feld
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Portugal holt überraschend den EM-Titel im Finale in Paris. Die besondere Dramatik der Partie wird nur durch eine Person deutlich: Cristiano Ronaldo. Der hat seinen persönlichen Frieden mit dem Turnier geschlossen - trotz Verletzung.

Wie kann ein Fußballspiel so ablaufen? Die 25. Minute des EM-Finals am Sonntagabend änderte doch eigentlich alles. Portugal verlor den vielleicht Weltbesten. Portugal verlor definitiv seine Hoffnung. Jedenfalls in den Gedanken aller Nicht-Portugiesen.

Cristiano Ronaldo wollte nicht vom Platz. Er wollte seinem Land, das so große Erwartungen in ihn setzt, diesen verdammten Pott schenken. Den ersten großen Titel. Zweimal schleppte er sich nach Behandlungen zurück aufs Feld, am Ende musste er einsehen: In diesem Zustand kann selbst er, der selbsternannte Fußballgott, seinem Land nicht mehr weiterhelfen.

Ronaldo weinte. Er war verbittert vor Wut. Als er vom Platz getragen wurde, applaudierten die Fans. Auch die französischen taten das. Aus Respekt vor dem Mann, dessen Name den Fußball so beeinflusst, wie kein anderer. Aber wohl auch, weil man sich plötzlich in so etwas wie Unbesiegbarkeit wähnte. Der, der uns weh tun kann, ist raus. Vielleicht dachte sie so, die Grande Nation.

Ronaldos immenser Stellenwert

Der erwartete Einbruch der portugiesischen Mannschaft blieb aber aus. Und Frankreich schaffte es nicht, den psychologischen Vorteil auszuspielen. Im Gegenteil: Die Portugiesen drehten ihn zu ihren Gunsten. Jetzt erst recht.

Man kann von Ronaldo halten, was man möchte. Aber so ein Unsympath, als der er oftmals dargestellt wird, kann er gar nicht sein. Dann müssten sie ja alle Unsympathen sein, diese Portugiesen, die auf dem Rasen direkt zu ihm eilten, sich um Ronaldo sorgten und ihn aufbauten, als er vom Platz musste.

"Wir wollten für ihn gewinnen, und wir haben es geschafft. Wir danken Gott dafür", sagte beispielsweise Pepe. Mehr Worte braucht es wohl nicht.

Als die 120 Minuten vorüber waren, rannten sie wieder direkt auf ihn zu, eine ganze Traube hing auf ihm. Sie freuten sich für sich selbst, für ihr Land, aber vor allem auch für Cristiano Ronaldo. Es dauerte nach dem Schlusspfiff nur wenige Sekunden, ehe der wieder die Kapitänsbinde am Arm trug. Er hat einen so immensen Stellenwert für Portugal. Auch menschlich.

Persönliche Dramatik des Spiels

Die Dramatik dieses Spiels lässt sich nur schwer in Worte fassen. Es war die Dramatik der Franzosen, die so kurz davor standen, wieder 'grande' zu sein - im eigenen Land. Es war die Dramatik der vergebenen Chancen auf beiden Seiten. Gignacs Pfostenschuss in der letzten Minute der Nachspielzeit. Guerreiros Latten-Freistoß in der Verlängerung. Es war aber vor allem die persönliche Dramatik ebendieses Ronaldos.

Nach nicht einmal 25 Minuten hatte er keinen direkten Einfluss mehr auf das Spiel. Es gibt wohl kaum einen Spieler, dem das in so einem Spiel mehr wehtut als Real Madrids Superstar.

Oftmals gab Ronaldo in Momenten persönlicher Niederlagen das Bild des trotzigen, eitlen Jungen ab, der beleidigt war, nicht der Held zu sein. Am Sonntagabend im Stade de France war das anders.

Mit voller Hingabe stand er in der zweiten Hälfte an der Seitenlinie. Er war plötzlich so etwas wie der zweite Trainer in Portugals Coaching Zone. Er schrie, er dirigierte, er feuerte seine Jungs an. Gemessen am geringen Einfluss, den er auf das Spiel hatte, holte er das Maximum heraus.

Persönlich Frieden geschlossen

Am Ende hatte er in diesem so unvorhersehbaren Spiel seinen großen Anteil am Titel. Und dieser ist ihm so unglaublich wichtig. Den Henkelpott in der Champions League hat er oft genug gewonnen. Das war nicht mehr die Herausforderung, nach der er mit nun 31 Jahren lechzte. Eines der ganz großen Turniere war es, was ihm immer fehlte.

Den hat er nun gewonnen. Endlich. Ironischerweise ein bisschen so, wie Griechenland ihn 2004 gegen Portugal gewann - auch gegen Cristiano Ronaldo. Wieder war es ein Spieler aus dem Nichts, der die Entscheidung besorgte. Damals Charisteas, diesmal Eder. Irgendwie schließt sich für Ronaldo so ein Kreis. Er hat endlich seinen persönlichen Frieden geschlossen mit diesem Turnier. Und es dürfte ihm herzlich egal sein, dass er wegen seiner Knieverletzung womöglich ein paar Wochen pausieren muss.

Viel passender hätte der Zeitpunkt des großen Triumphs nicht sein können. In dem Moment, in dem sein persönlicher Rivale Lionel Messi vielleicht die schwierigste Phase seiner Karriere durchlebt, ist CR7 endgültig wieder oben auf. Langsam hat er sein Lebenswerk beisammen.

Portugal - Frankreich: Die Statistik zum Spiel

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