Fussball

Italien nur remis - Oranje zittert lange

Von SPOX
Antonio Candreva besorgte mit einem gefühlvollen Lupfer den Ausgleich der Italiener
© getty

Am 6. Spieltag der Qualifkation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich geht's wild zu. Kroaten behauptet in einem denkwürdigen Spiel gegen Italien die Gruppenführung, während Oranje in Gruppe A bei einem Underdog lange zittert und Island an den Platz an der Sonne marschiert. Wales' Ein-Mann-Team Gareth Bale entscheidet das Topspiel.

GRUPPE A

Lettland - Niederlande 0:2 (0:0)

Tore: 0:1 Wijnaldum (67.), 0:2 Narsingh (71.)

Mit zehn Zählern haben die Niederländer nicht nur die Türkei von Rang drei verdrängt, sondern sind sogar wieder in direkter Schlagdistanz zum Zweiten aus Tschechien (13 Punkte). Dafür musste Oranje trotz eines stürmischen Auftritts im Skonto Stadions beim Vorletzten aber länger zittern als gedacht.

Es durfte schon als mittelschweres Fußballwunder durchgehen, dass die unter Dauerbeschuss stehenden Letten mit einem torlosen Remis in die Kabine durften - trotz 18:1 Torschüssen für Oranje. Doch weder die Doppelspitze, bestehend aus Klaas-Jan Huntelaar und Robin van Persie, noch der nach seinem Wechsel zu ManUnited stark aufspielende Memphis Depay, vermochten es, den Ball am bärenstarken Keeper Andris Vanins vorbei in die Maschen zu befördern. Wesley Sneijder scheiterte mit der besten Chance des ersten Durchgangs zudem am Pfosten (20.).

Im zweiten Durchgang erlöste Georginio Wijnaldum die verzweifelt anrennenden Niederländer (67.). Der Joker, der erst vier Minuten zuvor in die Partie gekommen war, stocherte einen abgeblockten Schuss aus zehn Metern ins Tor. Luciano Narsingh machte frei vor Vanins nur Minuten später endgültig den Deckel auf die einseitige Partie (71.). In der Schlussphase, in der Oranje nicht vom Gas ging, hatte Sneijder mit einem traumhaften Heber aus 18 Metern an die Latte noch die sehenswerteste Aktion.

Island - Tschechien 2:1 (0:0)

Tore: 0:1 Dockal (55.), 1:1 Gunnarsson (60.), 2:1 Sigthorsson (76.)

Im Top-Duell der Gruppe A gastierte der Gruppenerste beim Zweiten, der Gewinner hätte das EM-Ticket so gut wie in der Tasche. Dementsprechend begannen beide Teams offensiv, wobei der Favorit aus Tschechien deutlich gefährlicher agierte. Nach einigen Halbchancen hatte in der 14. Minute Necid die Führung auf dem Kopf, vergab nach einer starken Kaderabek-Flanke aber aus kürzester Distanz.

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Auf der anderen Seite wurde es nur durch Standards gefährlich, einen direkten Versuch von Sigurdsson parierte Chelsea-Keeper Petr Cech aber stark. Anschließend wurde das Spiel immer zerfahrener, Torchancen gab es vor der Halbzeit keine mehr. Das änderte sich aber nach dem Seitenwechsel. Erst brachte Borek Dockal die Gäste mit einem strammen Distanzschuss ins linke Eck in Führung (55), doch die Antwort kam nur fünf Minuten später: Freyr Skulasson chippte den bald aus dem Halbfeld in den Strafraum, wo Aron Gunnarsson der Verteidigung enteilte und den Ball an Cech vorbei einköpfte.

Und es kam noch dicker für die Tschechen. In der 76. Minute kam der Ball über Umwege zu Kolbeinn Sigthorsson, der locker Cech umkurvte und den Ball zum 2:1 einschob. Die anschließende Schlussoffensive der Tschechen brachte nichts mehr ein, die Isländer brachten die Führung souverän über die Zeit und übernehmen mit 15 Punkten die Tabellenfürhung vor Tschechien und den Niederlanden.

Kasachstan - Türkei 0:1 (0:0)

Tor: 0:1 Turan (82.)

Mit viel Willenskraft hat die Türkei den Kopf aus der Schlinge gezogen und darf weiter auf die Euro 2016 hoffen. Nach dem 3:1 aus dem Hinspiel feierte das Team von Fatih Terim den erst zweiten Sieg in der Quali - und musste dafür enorm lange zittern.

Die Ausgangslage war klar: Die Türken, für die Hakan Calhanoglu in der Startelf stand, konnten zumindest vorübergehend an den ebenfalls schwächelnden Niederländern vorbeiziehen und auf Quali-Platz drei springen. Dementsprechend engagiert starteten die Gäste im Almaty Central Stadium ins Spiel. Doch sollte sich schon in der starken ersten Halbzeit herauskristallisieren, was die Anhänger der Türkei an den Rande des Wahnsinns treiben sollte: die desolate Chancenverwertung.

Weder Calhanoglu mit einem Freistoß (18.), noch Topal mit einem völlig unbedrängten Kopfball (32.) konnten das Leder im kasachischen Kasten unterbringen. Es waren nur zwei Chancen von vielen. Kurz vor der Pause forderten die Gäste nach einem Tackling gegen Yilmaz Elfmeter, doch Referee Michael Oliver ließ weiterlaufen - und machte damit wie schon bei Khiznichenkos vermeintlichem Führungstor für die Kasachen, das wegen Abseits aberkannt wurde, alles richtig.

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Die Türkei kam auch nach dem Pausentee weiter zu Großchancen, doch allen voran Yilmaz verballerte zahlreiche Hochkaräter (52., 72.). Gegen frecher werdende Kasachen war den Gästen gegen Ende der Partie die Nervosität anzumerken. Nur einer behielt die Nerven: Arda Turan schaltete nach einer abgeblockten Hereingabe am schnellsten und wuchtete das Leder per Drehschuss sehenswert in den Knick (82.).

Gruppe B

Wales - Belgien 1:0 (1:0)

Tor: 1:0 Bale (25.)

Es war eine mehr als verrückte Szene, die im Cardiff City Stadium nicht nur den Spielstand, sondern auch den Verlauf des Spitzenspiels der Gruppe B auf den Kopf stellte. Die Gäste aus Belgien begannen drückend, waren klar überlegen und hätten durch Eden Hazard, Kevin De Bruyne oder Radja Nainggolan bereits in Führung gehen können.

Doch dann kam Minute 25 - und Nainggolan entschied sich nach mehreren misslungenen Befreiungsversuchen in Folge eines Freistoßes für die schlechteste aller Optionen: Er köpfte den Ball aus 16 Metern in hohem Bogen gen eigenes Tor. Dabei übersah er, dass Gareth Bale noch nicht herausgerückt war. Der Königliche nahm den Ball am Fünfer mit der Brust an und verwandelte mit rechts aus der Drehung. Die Führung aus dem Nichts, die die Partie - zumindest vorübergehend - zugunsten der Gastgeber kippen lassen sollte.

Die Gäste brauchten die restlichen 20 Minuten samt Pausentee, um sich zu fangen und das Ruder von den forsch agierenden Walisern wieder an sich zu reißen. Wütende Angriffe und ein hitziges Spiel, das der deutsche Referee Dr. Felix Brych aber gut unter Kontrolle hatte, waren die Folge.

Am Ende brachten es Bale und Co. über die Zeit. Und während der nicht nur wegen des Tores beste Mann des Spiels unter tosendem Applaus und Standing Ovations ausgewechselt wurde, grüßen die Dragons in Gruppe B mit 14 Punkten von Platz eins. Die vor dem Spieltag punktgleichen Belgier folgen mit elf Zählern auf Rang zwei.

Gruppe H

Kroatien - Italien 1:1 (1:1)

Tore: 1:0 Mandzukic (11.), 1:1 Candreva (36./Handelfmeter)

Gelb-Rot: Srna (90./Kroatien)

Bes. Vorkommnis: Buffon hält Foulelfmeter von Mandzukic (7.)

Totti macht es, Pirlo macht es, nun reiht sich auch Antonio Candreva ein. Beim 1:1 zwischen Kroatien und Italien trat Candreva am Elfmeterpunkt gegen Danijel Subasic an und macht den Panenka, was gleichzeitig den verdienten Ausgleich für die Italiener bedeutete (36.).

Dabei begann das Spiel gar nicht naach dem Geschmack der Azzurri. Vor allem die ersten elf Minuten hatten es in sich. Zuerst scheiterte Mandzukic mit einem Elfmeter an Gianluigi Buffon (7.), dann die vermeintliche Führung der Italiener durch Stephan El Shaarawy, die zu unrecht nicht anerkannt wurde (10.). Während die Italiener beim Assistenten standesgemäß protesitierten, spielte Kroatien weiter und brachte den Konter in Person von Mandzukic im Tor unter (11.). Sieben Minuten darauf waren es wieder die Kroaten, die vor dem Tor der Italiener gefährlich wurden, aber Ivica Olic verpasste eine gute Hereingabe von Perisic nur knapp (18.).

Nach 20 Minuten wachten die Italiener plötzlich auf und kamen zu guten Chancen. Der sehr präsente Graziano Pelle legte für El Shaarawy auf dem Elfmeterpunkt auf, doch das Schüsschen des Milan-Spielers sollte kein Problem für Subasic darstellen (32.). Nach dem verdienten Ausgleich der nun überlegenen Italiener kamen die Azzurri in Person von Pelle zur großen Chance auf die Führung, doch der Stürmer von Southampton schoss Subasic rund sieben Meter vor dem Tor nur an (45.+1).

In der zweiten Hälfte ging es gleich weiter wie in der ersten. Italien dominierte das Spiel, Kroatien konnte aber immer wieder durch Konter gefährlich vor das Tor des in der Halbzeit für den angeschlagenen Buffon eingewechselten Salvatore Sirigu gelangen. Zwingende Torchancen wollten aber nicht gelingen. Anders bei den Italienern: Candreva tankte sich auf der rechten Seite bis zur Grundlinie und gab den Ball ins Zentrum zu El Shaarawy, der auf Marco Parolo abklatschen ließ. Parolo jedoch schob den Ball in bester El-Shaarawy-Manier in die Hände von Subasic (70.).

Die EM-Qualifikation in der Übersicht

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