"Chelsea ist kein Thema mehr"

Von Interview: Benny Semmler/Harry Jurkschat
Sonntag, 03.06.2012 | 16:51 Uhr
William Kvist (r.) ist im Mittelfeld der Dänen eine unersetzliche Konstante
© Getty
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33 Spiele absolvierte der Däne William Kvist in den vergangenen Monaten für den VfB Stuttgart. "Ohne Bier und McDonalds" bereitet sich der schlagfertige 27-Jährige auf die Europameisterschaft vor. Die SPOX-Reporter Benny Semmler und Harry Jurkschat trafen Kvist in Hamburg.

SPOX: William Kvist, in zwei Wochen startet die Europameisterschaft. Trotz Ihrer Rolle als großer Außenseiter - wie groß ist die Vorfreude?

William Kvist: Das ganze Team freut sich riesig auf das Turnier. Auch wenn wir die klaren Underdogs sind und eine schwere Gruppe erwischt haben. Wir erwarten eine tolle Zeit.

SPOX: Wir erwarten das Ausscheiden Dänemarks in der Vorrunde.

Kvist: Das verstehe ich.

SPOX: Tatsächlich?

Kvist: Natürlich sind die anderen Drei gegenüber uns in der Favoritenrolle. Aber jeder in Dänemark weiß, dass, wenn wir einen Top-Tag erwischen, wir auch mit Teams wie Deutschland, Niederlande und Portugal mithalten.

SPOX: Wie problematisch war diese 1:3-Niederlage gegen Brasilien mit Blick auf die EM-Vorbereitung?

Kvist: Für mich stellt die Niederlage kein Problem dar. Ein paar Leute aus der dänischen Liga waren nicht dabei, einige Jungs sind noch verletzt. Demnach werden wir das Spiel nicht überbewerten.

SPOX: Klingt die skandinavische Gelassenheit genau so?

Kvist: Ach, wir haben Fehler gemacht und die Brasilianer waren an dem Tag einfach eiskalt vor dem Tor. Die haben das gut gemacht. Wir wissen, dass wir bis zum ersten Spiel gegen Holland noch einiges an Arbeit vor uns haben. Es bleibt zwar nicht mehr viel Zeit. Aber wir blicken nach vorne und denken immer optimistisch.

SPOX: Würden Sie momentan auf das Weiterkommen Dänemarks wetten?

Kvist: Wie viel bekomme ich zurück?

SPOX: Sicherliche eine ganze Menge.

Kvist: Naja, bei einer Quote von 1:10 würde ich 100 Euro auf uns setzen.

SPOX: Ihr Trainer Morten Olsen sprach kürzlich, von einem "zukunftsorientierten Kader". Können Sie das etwas näher erläutern?

Kvist: Nach der letzten WM haben sich viele Spieler aus Altersgründen aus der Nationalmannschaft verabschiedet. Danach hat sich sehr viel getan. Es gibt sechs oder acht neue Plätze und viele junge Leute im Team.

SPOX: Kennen Sie Peter Schmeichel noch?

Kvist lacht: Nein, wer ist das?

SPOX: Ein Torwart der nicht an eine dänische Überraschung glaubt. Aus seiner Sicht ist Dänemark auf den Schlüsselpositionen zwar gut besetzt, aber ab Nummer 13 fällt die Qualität stark ab.

Kvist: So ist das in Dänemark. Bei uns leben fünf Millionen Menschen. In Deutschland über 80. Allerdings haben die letzten Monate gezeigt, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben. Und sind wir mal ehrlich, es wäre schon ungewöhnlich, wenn wir 30 gleichwertig starke Spieler hätten. So wie die Deutschen.

SPOX: Wie fällt Ihr Urteil zur deutschen Mannschaft aus?

Kvist: Sehr positiv. Mit Jogi Löw wird das Team von einem super Trainer geführt. Und man hat immer das Gefühl, dass alle Spieler mit Freude in so ein großes Turnier gehen. Für mich steht fest: Deutschland ist der große Favorit in unserer Gruppe.

SPOX: Die deutschen Medien schwadronieren weiterhin fleißig über vermeintlich angeschlagene Bayern. Meinen Sie, dass das verlorene Champions-League-Endspiel gegen Chelsea auch auf das DFB-Team negativen Einfluss nehmen könnte?

Kvist: Nicht zwangsläufig. Entscheidend ist das erste Spiel der Deutschen. Wenn sie da an Ihre starke Qualifikation anknüpfen, ist Chelsea kein Thema. Nur wenn wir im dritten Spiel aufeinander treffen und fünf Minuten vor Schluss kriegt Schweinsteiger einen Elfmeter, dann kann es noch mal schwierig werden. Letztlich muss ich aber sagen, wir sind Fußballprofis und wir sind diese Drucksituationen auch ein Stück weit gewohnt.

SPOX: Letzte Frage: Wie viel 1992 steckt noch in Ihren roten Trikots?

Kvist: Na ja, 1992 hatte die Mannschaft einen etwas anderen Plan. Da gab es Mc Donalds und Bier nach dem Spiel. Die Mannschaft von heute verfolgt eine etwas andere Strategie ...

William Kvist im Steckbrief

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