Polen vor der EM 2012

Viel Euphorie und Gourmetspaß für fünf Zloty

Von Für SPOX bei der EM: Stefan Rommel
Donnerstag, 07.06.2012 | 15:43 Uhr
Sommermärchen auf polnisch - der Gastgeber putzt sich für die Europameisterschaft raus
© Getty
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Polen und die Ukraine richten die erste EM auf osteuropäischem Boden aus. Von den vielen Zweifeln im Vorfeld ist im Spielort Danzig kaum etwas zu sehen. Im Gegenteil: Die Polen geben sich als außerordentlich freundliche Gastgeber.

Was man als erstes von Polen sieht? Ebenes, weites Land. Und Störche. Unzählige sitzen auf der Steppe rund um Stettin, wo der Zug der Polskie Koleje Panstwowe über die deutsch-polnische Grenze tuckert.

Mit der Bahn sind es von Berlin aus sieben Stunden und 36 Minuten bis Danzig Hauptbahnhof. Genügend Zeit, um sich mit Land und Leuten vertraut zu machen. Mit Tempo 80 geht es dahin, manchmal auch langsamer.

Vor 15, 20 Jahren war man ohne Polnisch-Kenntnisse bei unseren Nachbarn komplett verloren. Heute spricht gefühlt die Hälfte der Bevölkerung recht gutes Englisch, was alles so ziemlich erleichtert. Im Zug erfahre ich von der Problematik mit der Ticketvergabe an behinderte Fans.

Fans ziehen vor Gericht

Offenbar wurde ein nicht unbeträchtlicher Teil der Karten doppelt verkauft. Wie bei der UEFA üblich, mussten die Käufer in finanzielle Vorleistung treten. Diejenigen, die jetzt zwar bezahlt, aber doch keine Tickets bekommen haben, warten bis heute auf die Rückerstattung. Einige sind bereits vor Gericht gezogen.

Die Fahrt bietet jede Menge Eindrücke. Der Zustand der Infrastruktur ist völlig in Ordnung, die Mär von knietiefen Schlaglöchern auf den Straßen kann man fast komplett vergessen. Hier und da klaffen Furchen, aber eine reine Holperpiste ist dann doch etwas anderes.

Die Polen trotzen der Krise energisch, keine andere Wirtschaft des früheren Ostblocks ist in den letzten Jahren so gewachsen. Mittlerweile ist Polen längst unter den Top Ten in der EU angekommen.

Das Selbstverständnis der knapp 40 Millionen Polen ist mit dem Bruttoinlandsprodukt gestiegen, der Standard vor allen Dingen in den Ballungszentren der großen Städte ist westlich geprägt.

Parellelveranstaltung in der Ukraine

"Die Polen sehen sich als wichtiger Teil der EU, auch wenn es hier noch keine Währungsreform gab und wir nicht an den Euro angeschlossen sind", sagt Magdalena, 32, die mit ihrer Tochter im Abteil sitzt. Vor drei Jahren ist sie mit ihrem Mann nach Norwegen gezogen. Ein Werdergang wie aus dem Erasmus-Bilderbuch: Abitur, Jura-Studium, Auslandssemester in Paris und Oslo.

"Wir verkörpern eine neue Generation. Unter den Alten gibt es viele Vorbehalte: Gegen die Russen und auch euch Deutsche. Dabei haben die meisten von denen noch nie mit einem Deutschen gesprochen, geschweige denn das Land besucht. Die klassischen Klischees eben."

Nur eine Sache, da ist sie sich sicher, wird sich in den nächsten vier Wochen nicht mehr bessern. Das Verhältnis zum Co-Ausrichter Ukraine. Die Polen sehen sich als die echten EM-Gastgeber, bei den Nachbarn im Osten findet gewissermaßen eine Parellelveranstaltung statt. "Die Polen haben den Ukrainern und die Ukrainer den Polen nicht zugehört. Das Ergebnis ist ein sehr wahrscheinlich zweigeteiltes Turnier, bei dem jeder das macht, was er für richtig hält."

Umlackierte Fahrräder und Bodysuits für Hunde

Jedenfalls ist die Vorfreude in Polen schon enorm. An jedem Bahnübergang stehen Autos mit diesen komischen Fähnchen an den Fensterscheiben Schlange, Rot-Weiß ist die Maßgabe: Vom umlackierten Fahrrad bis zum Bodysuit für den Hund.

Am kleinen Bahnhof Gdansk Oliwa wartet dann das erste kulinarische, nun ja, Highlight: Zapiekanka. Angeblich die polnische Pizza Margherita. Ein langes, halbes Baguette, im Ofen aufgebacken, darauf Pilze und Tomaten und Unmengen an Ketchup. Schlanke fünf Zloty kostet der Gourmetspaß, etwas mehr als ein Euro.

Der Nährwert tendiert gegen Null, trotzdem ist die Baguette-Tröte ein Renner, besonders nachts stehen die Feierbiester Schlange wie in Deutschland an der Pommesbude. Ansonsten: ist alles voll auf Fußball eingestellt. Kein Straßenzug ohne überdimensionale Werbung für Bier, Autos, Kreditkarten, einen Kühlschrank mit dem Konterfei eines polnischen Nationalspielers.

Im Apartment, in einer uncharmanten, aber dem Meer sehr nahen Ecke zwischen Danzig und dem Ostseebad Sopot, gibt der Fernseher 51 Sender her. 49 davon berichten im Stundentakt über jeden noch so unwichtigen Schnipsel der EM. Dazu gibt's noch MTV Polska und den Astrokanal.

Mickie-Krause-Lieder beim DFB-Training

In der City ist alles vorbereitet. 11.000 Fans pilgern am Montag zum Showtraining der deutschen Mannschaft, sehen eine lahme Einheit und hören dazu deutsches Liedgut von Mickie Krause. In der Altstadt haben sich die Restaurants und Bars eingedeckt mit Bier. Es werden deutsche, vor allen Dingen aber zahlreiche irische Fans erwartet.

Die Iren wohnen direkt am Meer, in einem noblen Hotel. Wenn man die deutsche Mannschaft besuchen will, wird man rund 500 Meter vor dem Dwor Oliwski von der Polizei weggeschickt. Das Gelände ist in alle Himmelsrichtungen abgeriegelt, selbst vor dem eigens gebauten Trainingsplatz steht die Staatsmacht und durchsucht auch schon mal den Wagen eines ansässigen Nachbars. Einblick haben lediglich ein paar Giraffen. Gleich neben dem Trainingsgelände wohnen die stoischen Paarhufer im Außengehege des Danziger Zoos.

Bei den Iren läuft das etwas anders. Robbie Keane schlendert in Shorts durch die Hotel-Lobby und lässt sich bereitwillig fotografieren. Später wird er noch beim Mexikaner ein paar Meter weiter gesichtet. Giovanni Trapattoni schlendert unbehelligt über die Promenade am Ufer. Generalstabsmäßig ist anders, deutscher.

Womit Polen - und sehr wahrscheinlich auch weite Teile der Ukraine - enorm punkten kann: Das Preis-Leistungsverhältnis ist für unsere Verhältnisse ein Traum. Einkaufen im (französischen) Supermarkt macht Spaß, die Auswahl an Essen ist international breit gefächert. Selbst längere Taxifahrten kosten kaum mehr als 40 Zloty, also rund zehn Euro. Hier erfährt man, wie es wirklich um das Seelenheil der Polen bestellt ist.

Probleme mit dem EM-Song

"Das ist unsere Chance. Wir werden der Welt zeigen, dass wir tolle Gastgeber sind. Und natürlich werden wir besser sein als die Ukraine. Und natürlich holen wir den Titel", sagt Jerzey. Er ist 39 und fährt seit ein paar Jahren kreuz und quer durch die Stadt. "Aber vor einer Sache müssen sich die Fans in Acht nehmen: Es sind viele gefälschte Tickets im Umlauf."

Für Kurzentschlossene ohne Hotelzimmer gibt es eine Zeltstadt, die tagsüber auch zur kleinen Fanmeile wird. Die Häuser sind geschmückt und sehen in ihrem Charme aus Zeiten des Sozialismus und den bunten Fahnen irgendwie eigentümlich aus. Die Stimmung in der Stadt ist fröhlich, aber auch schon leicht angespannt. Es wird viel erwartet von Franciszek Smudas Mannschaft. Der Spruch vom Titelgewinn war ironisch gemeint, vorgetragen wurde er mit durchaus ernstem Unterton.

Polen ist gewappnet für den Startschuss am Freitagabend gegen Griechenland. Das erste Turnier im wilden Osten kann kommen. Es gibt nur noch ein kleines Problem: Der offizielle EM-Song spaltet das Volk.

"Koko koko Euro spoko" heißt das Stück, vorgetragen von einer Frauencombo im Bauernstil, die älteste der acht Damen ist 82 Jahre alt. Angeblich erinnert die Textzeile an das Gackern von Hühnern. Aber auch daran kann man sich gewöhnen.

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