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Dortmunds Pleite im Pokalfinale

Ein letztes Abziehbild

Sonntag, 31.05.2015 | 12:00 Uhr
Jürgen Klopp musste in seinem letzten Spiel als BVB-Trainer eine Niederlage hinnehmen
© getty
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Stets bemüht und verdient verloren - Borussia Dortmunds Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg steht sinnbildlich für die verkorkste Saison des BVB. Trainer Jürgen Klopp hat diese Entwicklung in die falsche Richtung zuletzt nicht mehr aufhalten können, sein Fußball stieß an ein Maximum.

Es gab am Samstagabend zwei Szenen, die die Wandlung von Borussia Dortmund in dieser Saison unter Jürgen Klopp, aber auch die Wandlung des Trainers selbst, ganz gut beschreiben. Der BVB lag durch das frühe Tor von Pierre-Emerick Aubameyang bereits in Führung und hatte nach einer druckvollen Anfangsviertelstunde Oberwasser. Dortmund war auf Anhieb drin im Spiel, die Ehrfurcht der Wolfsburger ob dieser Startphase war ihnen an der Körpersprache abzulesen.

Während dieser Phase trug sich an der Außenlinie im Mittelfeld, ganz nah an Klopps Coaching Zone, ein kurzer Kampf um den Ball zu. Mehrere Dortmunder stocherten zusammen mit mehreren Wölfen in kurzer Abfolge in Richtung Spielgerät. Am Ende sprang Ballbesitz für Dortmund heraus.

Klopp wie angewurzelt

Klopp, klassisch in Jogginghose und Baseballmütze gekleidet, beobachtete die Szene aus kurzer Entfernung. Er sprang dabei wie ein Rumpelstilzchen in die Luft, ballte die Fäuste und stachelte seine Spieler an, wie man es im Grunde nicht anders von ihm kennt. Es waren auch die Emotionen, die Dortmunds Spiel einst so stark machten.

Doch es gab auch die Szene, die vor allem in der nun zurückliegenden Saison häufiger zu beobachten war. Nach dem Ausgleich des VfL rannte die Jubeltraube des VfL im Überschwang der Gefühle unbewusst in Richtung Dortmunder Bank. Klopp stand mit verschränkten Armen wie angewurzelt einfach nur da, der triumphierende Gegner zog nur wenige Meter an ihm vorbei.

Die Art und Weise, wie der BVB die Partie in Berlin letztlich verdient verlor, passt in die verkorkste Spielzeit der Borussia. Sie steht sinnbildlich für ein Jahr, in dem kaum etwas so gelingen wollte, wie es sich die Schwarzgelben vornahmen.

Zorc: "Spiegelbild der Saison"

"Es war eine Art Spiegelbild dieser Saison", sagte auch Sportdirektor Michael Zorc im Anschluss an die Begegnung. "Vorne wie hinten hat ein Stück Konsequenz gefehlt."

Einen solchen Satz sagte Zorc, dieser nüchterne Analyst, in dieser Saison sehr häufig. An seinen Zustandsbeschreibungen hat sich nur nie merklich etwas geändert. Dortmund war in diesem Jahr stets bemüht, aber häufiger noch limitiert. Die Gegner waren meist schlicht besser und gingen am Ende als die verdienten Gewinner vom Platz.

Dieses Missverhältnis aus Dortmunder Sicht bestätigt auch ein Blick auf die nackten Zahlen: 49 Pflichtspiele hat der BVB in dieser Saison absolviert. 23 davon wurden gewonnen, aber auch ganze 17 verloren. Das ist für die ambitionierte Borussia eine äußerst mittelmäßige Bilanz und entspricht in etwa dem Ertrag, der nun am Ende dieses Jahres auf der Habenseite steht.

Keine Ideen in der Offensive

Dortmund wird jetzt früh in die Sommervorbereitung starten müssen. In der Qualifikation zur Europa-League-Gruppenphase werden Gegner warten, die ähnlich mittelmäßig daherkommen wie zuletzt der BVB. Vier zusätzliche Partien hat man nun aufgrund der Endspielniederlage gegen Wolfsburg zu absolvieren. Allerdings ohne Klopp.

Dass der Coach rat- und regungslos an der Seitenlinie zurückblieb wie nach dem 1:1 am Samstag, war in der jüngeren Vergangenheit immer häufiger zu beobachten. Denn: Seiner Mannschaft fehlten bei ihren Auftritten nicht selten die Ideen in der Offensive, sie arbeitete sich oft an einem defensiv gut organisierten Kontrahenten ab und ließ sich von einem Gegentreffer mehrfach aus dem Konzept bringen. Entstand doch einmal ein kreativer Moment, dann mangelte es an der nötigen Effizienz und Kaltschnäuzigkeit vor dem Kasten.

Drei Gegentore in 16 Minuten

Effizienz war dagegen in negativer Hinsicht im eigenen Defensivverbund gegeben. Dort spielen sich mit einer zweifelhaften Konsequenz schon längere Zeit skurrile Szenen ab. Drei Gegentore innerhalb von 16 Minuten in einem wichtigen Spiel unter der Leitung von Klopp, das wäre vor zwei, drei Jahren noch beinahe unvorstellbar gewesen.

Das ist es nun aber nicht mehr, sondern einzig die Fortführung einer Mängelliste, die zusehends länger wurde. Klopp war letztlich nicht in der Lage, dieser bedenklichen Entwicklung gegenzusteuern.

In der Rückschau verfestigt sich immer mehr der Eindruck, der typische Klopp-Fußball - defensive Stabilität gepaart mit aggressivem Attackieren und schnellem Vertikalspiel in die Spitze - habe beim DFB-Pokalfinale vor drei Jahren seinen Zenit erreicht. Damals fegte man noch den FC Bayern aus dem Stadion, weil man eine Effizienz an den Tag legte, die in ähnlicher Manier nun auch die Wolfsburger zum Sieg führte. Seitdem ist die Weiterentwicklung des Klopp-Fußball schleichend rückläufig.

2013 übertölpelte Klopps Spielphilosophie auf internationalem Terrain noch reihenweise die Gegner, doch schon damals fanden sich im alltäglichen Abnutzungskampf der Bundesliga die ersten Teams, die Dortmund den Zahn ziehen konnten.

In den letzten beiden Jahren hat sich die Anzahl derer noch einmal deutlich erhöht. Das Gegenmittel für Dortmunds Spielweise schien gefunden, der BVB hatte die atemlose Intensität in seinen Auftritten verloren. Obwohl die Herangehensweise der Borussia dieselbe blieb, ähnelte die Umsetzung einem diffusen Abziehbild der so erfolgreichen Vorjahre. Auch in Klopps letztem Spiel gegen Wolfsburg, das ihm doch eigentlich einen filmreifen Abschied bescheren sollte.

Klopp: "Fällt schwer, loszulassen"

Das zurückliegende Jahr hat enorm an Klopp genagt. Er wirkte bisweilen ausgezehrt und sehr nachdenklich. Die sportlichen Exzesse und nun die vielen Niederlagen sind nicht spurlos an ihm, aber auch nicht an seiner Truppe vorbei gegangen. Sein Fußball ist mit dieser Mannschaft an diesem Ort an ein Maximum gestoßen. Einen Neustart unter eigener Leitung hat er sich deshalb nicht mehr vorstellen können.

Klopp wird die Meilensteine der letzten Jahre, positive wie negative, im Kopf gehabt haben, als er sich nach der Partie in Richtung Dortmunder Kurve begab und für die Unterstützung dankte. Auf der Ehrenrunde der Mannschaft herzte er jeden, der ihm in die Quere kam.

"Der Abschiedsschmerz kommt langsam, das tut extrem weh. Ich habe gerade versucht, jedem meiner Spieler meinen Dank auszudrücken. Weil es mir ein außerordentliches Vergnügen und eine große Ehre gewesen ist, mit ihnen zusammenzuarbeiten", beschrieb er anschließend seine Gefühle.

Dieses Mal war die Wehmut und die Endgültigkeit, die in dieser siebenjährigen Geschichte steckt, deutlicher zu spüren als noch am letzten Wochenende bei seinem finalen Auftritt im heimischen Signal Iduna Park.

"Es fällt mir schwer loszulassen", sagte Klopp. Seine Entscheidung, es dennoch zu tun, scheint aber die richtige. Das hat nicht zuletzt das beispielhafte Spiel gegen den VfL Wolfsburg gezeigt.

Dortmund - Wolfsburg: Alle Infos zum Spiel

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