Arminia Bielefeld setzt im DFB-Pokal auf den Heimvorteil

Die Anfield Road Ostwestfalens

Von Dominik Stenzel
Mittwoch, 29.04.2015 | 11:08 Uhr
Nach der Pokalsensation war der Jubel auf der Bielefelder Alm grenzenlos
© getty
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Arminia Bielefeld ist gegen den VfL Wolfsburg (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) krasser Außenseiter. Dennoch wollen die Ostwestfalen erneut an der Sensation schnuppern und setzen dabei, wie in den Runden zuvor, auf den Mythos Alm.

"Was unsere Fans abgeliefert haben, kommt der Stimmung an der Anfield Road nahe", schwärmte Bielefelds Daniel Brinkmann direkt nach der Pokalsensation gegen Borussia Mönchengladbach. Brinkmann muss es wissen: Er selbst besuchte ein Heimspiel des FC Liverpool vor einiger Zeit. "Das ist eines der Stadien, die man gesehen haben muss", fügte er an.

In der Tat schafften die Anhänger sogar für Pokal-Verhältnisse eine bemerkenswerte Atmosphäre. Jede gelungene Aktion der eigenen Spieler wurde frenetisch gefeiert, 120 Minuten lang wurde die Mannschaft mit Gesängen unterstützt und so zur dritten Pokal-Überraschung der Saison getragen.

Eberl: "Ein Fantastisches Publikum"

Auch Max Eberl erkannte den Einfluss der Zuschauer an: "Wir sind heute ausgeschieden gegen eine fantastische Mannschaft und ein fantastisches Publikum", sagte er. Die Einschätzung des Gladbach-Managers ist zutreffend - gerade im Pokal wäre es vermessen, den Stellenwert der Stimmung zu unterschätzen. Zuvor scheiterten mit Hertha BSC und Werder Bremen bereits zwei weitere Erstligisten in Bielefeld. Auch in diesen Spielen glich die SchücoArena einem Hexenkessel.

Seit 2004 trägt die Heimspielstätte der Arminia diesen Namen. Dennoch wird das Stadion für Traditionalisten und Fußball-Romantiker wohl für immer die Bielefelder Alm bleiben. Wo der kultige Name herkommt, ist umstritten. Um die Entstehung ranken sich zahlreiche Mythen. Der populärsten Variante zufolge, veranlasste der Anblick des Stadions in den 1920ern ein Vereinsmitglied zur Aussage "Hier sieht es ja aus wie auf der Alm".

"Blut, Schweiß, Tränen, große Spektakel"

Eine weitere - nicht ganz ernst gemeinte - Version nimmt Bielefelds häufige Wechsel zwischen den Spielklassen auf die Schippe: Die Alm sei der höchste Spielort im deutschen Profifußball - man brauche dort ein Jahr für den Aufstieg und ein Jahr für den Abstieg. Ein Sprichwort, das nach dem Abstieg vergangene Saison und dem bevorstehenden Aufstieg diese Spielzeit gar nicht so weit hergeholt ist..

Für Marcus Uhlig gehört der Ruf als Fahrstuhl-Mannschaft zur Identität des Klubs: "Arminia Bielefeld ist ein Grenzgänger zwischen den Ligen und hat eine besondere DNA", sagte der Geschäftsführer. "Blut, Schweiß, Tränen, große Tragödien, große Spektakel" verbinde man laut Uhlig mit der Arminia. So wie in den dramatischen Relegationsspielen gegen Darmstadt.

Diese Begegnungen machen für Manuel Junglas, der die Arminia gegen Gladbach in Führung brachte, den besonderen Reiz aus: "30,000 bekloppte Bielefelder - das ist überragend", sagte er.

Kontrast zu modernen Arenen

Jener besondere Reiz der Bielefelder Alm hat seine Ursprünge weit vor der heutigen Zeit. Das Stadion wurde bereits 1926 eröffnet und gehört damit zu einer überschaubaren Reihe altehrwürdiger Spielstätten, die im deutschen Profifußball überlebt haben. Als weitere Beispiele dienen das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern oder das Schwarzwald-Stadion in Freiburg. Selbstverständlich bedurften sie im Laufe ihrer Geschichte umfangreicher Renovierungen. Die Alm wurde im Jahr 2004 erneuert, Grundriss und Fundament wurden jedoch beibehalten.

In diesem Punkt lässt sich eine weitere Brücke zum britischen Fußball schlagen. Viele Stadien auf der Insel stehen bereits seit mehr als 100 Jahren - eine Tatsache, die wohl auch auf ein hohes Traditionsbewusstsein zurückzuführen ist. Archibald Leitch hat in dieser Hinsicht gute Arbeit geleistet - der schottische Architekt war für den Bau einer Vielzahl dieser Stadien verantwortlich. Er plante beispielsweise Craven Cottage, den Celtic Park, den Goodison Park, das Old Trafford oder Anfield.

Die Alm sticht als wertvolles Relikt unter den oft austauschbar wirkenden Arenen des deutschen Profifußballs heraus. Die Lage ist ein weiteres Indiz ihrer Sonderstellung - sie befindet sich mitten in einem Wohngebiet des Stadtbezirkes Mitte.

Dorthin werden die Arminia-Fans auch am Mittwochabend wieder pilgern. Es steht außer Frage, dass gegen den VfL Wolfsburg keiner der 26.137 Plätze frei bleiben wird. Gut 25.000 Tickets gingen an Dauerkartenbesitzer und Mitglieder. Die restlichen 1000 Karten wurden am Vortag verkauft, die Fans campten vor den Stadiontoren der Bielefelder Alm. Nicht zuletzt aufgrund ihrer langen Bundesliga-Vergangenheit sehnt sich die Stadt nach großen Spielen.

"Versuchen, Wolfsburg zu ärgern"

Vielleicht finden diese großen Spiele in der kommenden Saison sogar auf europäischer Ebene statt - mit einem Sieg über den VFL Wolfsburg wäre diese theoretische Möglichkeit nur noch einen weiteren Sieg entfernt.

Trainer Norbert Meier schätzt die Chancen des Underdogs realistisch ein: "Mit Wolfsburg können wir uns auf Strecke nicht messen, aber das war auch bei den Gegnern zuvor der Fall. Wir dürfen nicht in Ehrfurcht erstarren und müssen versuchen die Wolfsburger zu ärgern", sagte er auf der Pressekonferenz.

Die Fans werden jedenfalls alles dafür geben, erneut eine Atmosphäre zu schaffen, die sich vor der Anfield Road nicht verstecken muss. Die Arminia wird darauf setzen - und vielleicht klappt es ja dann mit der nächsten Sensation.

Arminia Bielefeld in der Übersicht

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