Fussball

"Es ist alles wiederholbar"

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Lukas Podolski bei der Siegerehrung
© getty

Beim WM-Titel 1990 war er als Pressesprecher dabei, 2014 als DFB-Präsident. Wolfgang Niersbach sprach in der Mixed-Zone über die Bedeutung des Titels für den deutschen Fußball, den Schlüssel zum Erfolg und die Zukunft von Joachim Löw.

Frage: Herr Niersbach, Sie dürfen Ihren ersten Titel als DFB-Präsident feiern, ihren ersten haben Sie aber schon 1990 erlebt. Wie erleben Sie den WM-Sieg?

Wolfgang Niersbach: Ich hatte nach 1990 nicht gedacht, dass sich dieses Gefühl nochmal einstellen kann. Aber jetzt weiß ich, es geht, es ist alles wiederholbar. Was in der Kabine los war, ist einmalig schön. Der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin waren da, alles war ganz locker. Es ist ein bisschen was getrunken worden, man freut sich und die Party ist im Gange.

Frage: Im Vorfeld des Turniers wurde ja viele über Eventualitäten diskutiert: Macht Joachim Löw weiter?

Niersbach: Ja. Die Frage wird mir in verschiedenen Varianten immer wieder gestellt, und ich gebe immer die gleich Antwort. Die Spanier haben es mit Vicente del Bosque vorgemacht. Joachim Löws Vertrag läuft bis 2016, das nächste Ziel ist die Europameisterschaft in Frankreich.

Frage: Was bedeutet der Titel für Löw persönlich?

Niersbach: Was geht mehr? Vielleicht der Europameistertitel noch...

Frage: Für Deutschland ist es der vierte WM-Titel. Was zeichnet diese Mannschaft aus?

Niersbach: Sie ist eine Mannschaft. Es gab bei dieser WM einige Teams mit überragenden Einzelspielern wie Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney, Mario Balotelli oder wie sie alle heißen. Wir hatten eine Mannschaft mit 23 Spielern. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir in der Nacht nach dem deprimierenden Ausscheiden bei der Europameisterschaft 2012 gegen Italien zusammen gesessen sind. Ich habe gesagt, der Weg dieser Mannschaft ist noch nicht zu Ende. Jetzt hat sie dieses Ziel erreicht und ist Weltmeister im Maracana geworden. Dazu hat sie als erste europäische Mannschaft auf einem amerikanischen Kontinent den Titel gewonnen.

Frage: Kann die Mannschaft eine Ära prägen wie Spanien bei den letzten Turnieren?

Niersbach: Jetzt sind wir fast schon wieder an dem historischen Wort unschlagbar...

Frage: Das gab's schon mal, ja.

Niersbach: Ich weiß nicht mehr, wann das war... (lacht) Seien wir ehrlich, das ist Fußball. Ich habe es Mario Götze auch gesagt, es war nicht sein Turnier. Dann hat er diese geniale Szene und entscheidet das Spiel. Da kann sich vieles schnell ändern. Was uns zuversichtlich stimmt, ist, dass weitere Spieler noch gefehlt haben. Die Mannschaft hat in der Kabine ein Foto mit dem Trikot von Marco Reus gemacht. Das zeigt auch, welchen Geist dieses Team auszeichnet. Es gab in diesen Wochen intern nicht die geringsten Probleme. Nur diese Eistonnen-Geschichte, die aber auch eher amüsant war und euch ein bisschen Stoff geliefert hat.

Frage: Hat sich Bastian Schweinsteiger mit diesem Spiel im Finale gegen Argentinien verewigt?

Niersbach: Wenn er fit ist, ist er ein Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Ich habe mit Bastian vor einem halben, dreiviertel Jahr länger telefoniert. Er hat zu mir gesagt: 'Ich habe mit dem Verein so viel gewonnen und hänge mich da auch voll rein. Aber mein großes Ziel ist es, mit der Nationalmannschaft einen Titel zu gewinnen.' Ich könnte jetzt aber auch alle anderen aufzählen. Sami Khedira zum Beispiel freut sich keine Spur anders, obwohl er nicht gespielt hat. Er war ja auch sehr aktiv im Sekundär-Coaching. Per Mertesacker hängt sich in seinen zwei Minuten Einsatzzeit voll rein. Lukas Podolski könnte auch traurig sein, weil er nicht gespielt hat. Matthias Ginter hat mir gerade erzählt, dass er der jüngste Weltmeister Deutschlands aller Zeiten ist. Das ist eine Truppe, die international Anerkennung genießt.

Frage: Welche Bedeutung hat der WM-Titel für den deutschen Fußball?

Niersbach: Wir sind wunderbar aufgestellt. Dieses Zusammenspiel von Profi- und Amateuerbereich klappt sehr gut. Das ist ein Gemeinschaftsgefühl auch außerhalb des Platzes, das ist nie das Werk eines Einzelnen. Fußball ist ein Mannschaftsspiel. Wenn man sieht, was die Betreuer leisten, wie die Spiele vorbereitet sind. Ein Plan kann schon mal schiefgehen, aber an der Akribie mangelt es nicht. Nach dem WM-Sieg 1990 hatten wir 100.000 Neuanmeldungen in den Vereinen. Wenn wir das in etwa wieder schaffen könnten, wäre das fantastisch.

Frage: Wo geht der Weg dieser Mannschaft hin?

Niersbach: Miro Klose ist jetzt 36, das ist ein Alter, in dem man ans Aufhören denken kann. Auch wenn ich nicht weiß, was er machen wird. Alle anderen haben noch viele Jahre vor sich. Es ist auch eine tolle Geschichte, dass wir im September das erste Länderspiel gegen Argentinien machen. Ich erinnere mich an 1990, als wir das erste Spiel von Berti Vogts in Portugal gespielt haben. Da waren 12.000 Zuschauer und die einzigen, die Stimmung gemacht haben, waren ein paar Marine-Soldaten, die zufällig dort stationiert waren. Da hieß es, der DFB habe das sehr schlecht geplant. Jetzt machen wir weiter mit Argentinien und dann sind wir mitten in der EM-Qualifikation.

Deutschland - Argentinien: Die Statistik zum Spiel

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