Champions League: Achtelfinale, Hinspiel

Madrid verschenkt den Sieg in Moskau

Von Stefan Rommel / Tim Habicht
Dienstag, 21.02.2012 | 20:07 Uhr
Real Madrid kassierte bei ZSKA Moskau in der letzten Spielminute noch den Ausgleich
© Getty
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Real Madrid hat im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei ZSKA Moskau einen möglichen Sieg und damit eine bessere Ausgangsposition für das Rückspiel leichtfertig verspielt.

Vor knapp 80.000 Zuschauern im Moskauer Luschniki-Stadion erzielte Cristiano Ronaldo (28.) die Führung für die Königlichen, die bis zur Nachspielzeit Bestand hatte. Dann traf Moskaus Zugang Pontus Wernbloom zum völlig unverdienten Ausgleich (90.+3).

Reaktionen:

Jose Mourinho (Trainer Real Madrid): "Wir waren nicht in der Lage, das zweite Tor zu schießen. Ich bin nicht zufrieden, aber das Ergebnis ist auch kein Drama. Im Vorjahr haben wir auch in Lyon 1:1 gespielt und uns danach für das Viertelfinale qualifiziert. Vor dem Spielzug (zum 1:1) habe ich ein klares Foul an Ronaldo gesehen, das weder der Referee noch der vierte Offizielle, der an meiner Seite stand, gesehen hat."

Pontus Wernbloom (ZSKA Moskau): Wir müssen glücklich sein, wenn wir das ganze Spiel betrachten. Wir müssen im Bernabeu treffen, das wird schwer. Aber wir glauben an uns, nichts ist unmöglich."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: ZSKA mit ihrem Top-Sturm Dzagoew und Doumbia und weiter mit Tscheptschugow im Tor. Dazu die beiden Neuzugänge Wernblom und Musa.

Real mit Khedira und Özil in der Startelf. Dazu Coentrao links hinten und Arbeloa rechts in der Viererkette. Benzema im Sturmzentrum. Higuain, Kaka und Marcelo nur auf der Bank.

7.: Schennikow geht an Arbeloa vorbei, legt an den Fünfer zurück. Ramos verliert Dzagoew aus den Augen. Der muss den Ball aber im Fallen nehmen und zieht volley links am Tor vorbei.

17.: Ballgewinn Khedira. Alonso auf Ronaldo, der per Hacke zurück auf Khedira. Kluger Querpass auf Higuain. Dessen Schuss aus 22 Metern lässt Tscheptschugow nach vorne abprallen. Khedira mit dem Abpraller aus zehn Metern - diesmal rettet Tscheptschugow fantastisch.

28., 0:1, Ronaldo: Coentrao bringt die Kugel aus dem linken Halbfeld in die Mitte. Tosic mit einer vogelwilden Aktion, er legt per Kopf unglücklich in den Rückraum. Ronaldo nimmt den Ball per Dropkick von halbrechts aus rund zwölf Metern und trifft links unten ins Tor.

51.: Ronaldo nimmt Tempo auf und dribbelt zum Strafraum. Als alle mit einem Abschluss rechnen, spielt er den Ball flach in die Gasse auf Callejon - der schließt direkt halblinks aus elf Metern ab, trifft den Ball aber nicht richtig und zimmert daneben.

53.: Ronaldo an der Grundlinie, legt auf Callejon zurück. Der marschiert durch zwei Gegenspieler durch, verpasst dann aber das Abspiel auf Higuain. Sein Schlenzer aus sechs Metern wird abgeblockt.

76.: Ecke Özil, Kopfball Ramos aus sieben Metern. Aber direkt auf Tscheptschugow. Sekunden später Ronaldo, der vom russischen Keeper geschickt nach rechts abgedrängt wird und an Tscheptschugow scheitert.

84.: Alonso schickt Higuain, Beresutski riecht den Braten aber und grätscht dazwischen. Ronaldo knallt den Abpraller aus 16 Metern Richtung Tor - hauchzart links daneben.

90.+3, 1:1, Wernbloom: Aus dem rechten Halbfeld landet eine Flanke am zweiten Pfosten. Von da wird der Ball per Kopf in die Mitte zurückgelegt und Wernbloom zimmert die Kugel aus rund fünf Metern unbedrängt ins rechte Eck.

Fazit: Real hat den Sieg leichtfertig verschenkt. Die Königlichen hatten Chancen für ein zweites oder drittes Tor, die Russen zeigten rein gar nichts - und kamen durch eine Zufallsaktion doch zum Ausgleich.

Der Star des Spiels: Mit seinem 122. Tor im 124. Pflichtspiel für Real stieß Cristiano Ronaldo die Tür zum Viertelfinale schon weit auf. Der Portugiese war an jeder gefährlichen Aktion der Spanier beteiligt und Sinnbild für die deutlich höhere Qualität, die Real auf den Rasen brachte. Ebenfalls stark: Xabi Alonso, der im defensiven Mittelfeld zusammen mit Khedira so gut wie alles abräumte.

Der Flop des Spiels: Ahmed Musa hatte den Auftrag, über die rechte Seite für Druck zu sorgen, war damit aber überfordert. Der Nigerianer konnte sich kaum einmal gegen Coentrao durchsetzen, geschweige denn für Gefahr sorgen. Dass es zumindest in Ansätzen möglich war, zeigte dann später Sekou, der auf Musas Position für etwas mehr Belebung sorgte. Auch dem hoch gelobten Doumbia gelang nichts.

Der Schiedsrichter: Björn Kuipers aus den Niederlande hatte mit der fairen Partie kaum Probleme. Lediglich die Gelben Karten saßen ein bisschen arg locker.

Analyse: ZSKA schneller drin in der Partie, die Gäste mit schläfrigen ersten zehn Minuten. Besonders im defensiven Mittelfeld stimmte zu Beginn nur wenig. Nach einer Viertelstunde schwamm sich Real etwas frei und kam selbst besser ins Spiel - ohne aber wirklich zu überzeugen.

Zu diesem Zeitpunkt war Benzema schon nicht mehr auf dem Feld, der Franzose verletzte sich ohne gegnerische Einwirkung und wurde von Higuain ersetzt. Das Spiel plätscherte auf beiden Seiten ohne klare Linie vor sich hin, bis Ronaldo einen Geistesblitz hatte und Tosic' wilden Klärungsversuch kühl nutzte.

Moskau war weitestgehend hilflos, das Offensivspiel der Russen kaum durchdacht und zumeist auf Zufälligkeiten angewiesen. Dabei erschien Madrid in der Viererkette nicht gerade unüberwindbar. So musste Casillas in Durchgang eins aber keinen einzigen Ball halten.

Nach dem Wechsel zog Real noch einen Tick an, Moskau hatte in der Offensive nichts zu melden. Die Russen hatten schon große Probleme, den Ball überhaupt mal unfallfrei durchs Mittelfeld zu bekommen. Moskau fehlte es an Mut und spielerischer Klasse, um sich entscheidend durchzusetzen.

Madrid spulte wahrlich kein Feuerwerk ab, hatte das Spiel aber zu jeder Zeit im Griff und lauerte auf das zweite Tor. Die letzte Konsequenz im Abschluss fehlte aber. Als alles schon längt gegessen schien, schlief Real ein einziges Mal und wurde von einem deutlich unterlegenen Gegner mit dem Schlusspfiff noch bestraft.

Trotz des Ausgleichs: Will Moskau im Rückspiel was reißen, muss eine deutliche Leistungssteigerung her. Das Heimspiel hatte jedenfalls kaum das Format für die K.o.-Phase der Champions League.

Daten: ZSKA Moskau - Real Madrid: Fakten zum Spiel

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