Fussball

Champions-League-Kommentator Jan Platte: "Bayern gehört nicht zu den Topfavoriten"

Der FC Bayern München gehört für Jan Platte nicht zu den absoluten Topfavoriten der Champions League.
© getty

SPOX: Wie ging es nach den acht Monaten Spanien weiter?

Platte: Ich kam zurück nach Deutschland und habe meine Diplomarbeit über Sport im Lokalteil spanischer Zeitungen geschrieben. Als ich ich fertig war, bin ich nach München, um beim DSF ein Praktikum zu machen. Da war meine klare Zielsetzung, danach weiter dort zu arbeiten.

SPOX: Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Platte: Ich war viel bei Bundesliga Aktuell. Dort gab es hervorragende Leute. Es war noch ein anderes Arbeiten als heute, nicht so digital. Dort habe ich vieles mitbekommen und gelernt. Das war mein Wiedereinstieg.

SPOX: Wie hat es sich im Laufe der Jahre dahin entwickelt, dass Sie ans Mikro gewechselt sind?

Platte: Das lief vor allem über die Sendung Bundesliga Pur von Thomas Walz. Ich habe dort als Redaktionsassistent gearbeitet und mir die Nächte um die Ohren geschlagen. Damals habe ich auch die Kommentatoren abgenommen, also die Vertonung angehört. Da entstand das Interesse daran, genau das auch mal machen zu wollen. Irgendwann gab es die Möglichkeit, mal eine fünfminütige Zusammenfassung zu kommentieren. Das waren die ersten Gehversuche. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt immer mehr.

Jan Platte über Arbeit mit Experten wie Ralph Gunesch und Jonas Hummels

SPOX: Gab es Vorbilder, an denen Sie sich orientiert haben?

Platte: Ein klassisches Vorbild gab es nicht. Das sollte man vielleicht auch nicht haben, weil es nie gut ist, jemanden zu kopieren. Aber es gab natürlich Leute, die mir sehr gut gefallen haben. Da bin ich wieder bei Uwe Morawe. Er war bei meinen Anfängen definitiv eine Hilfe. Als er gesehen hat, was ich mir alles auf die Zettel geschrieben hatte, sagte er: "Gib mir die Zettel, du setzt dich jetzt da rein. Überleg dir, was du im ersten Satz sagen willst und dann geht es los."

SPOX: Welche Attribute machen einen guten Kommentator für Sie aus?

Platte: Mir ist das Gespür für das, was auf dem Platz passiert, sehr wichtig. Ein gewisses taktisches Verständnis, ein Blick für die Veränderungen während des Spiels und dazu ein gesundes Hintergrundwissen zu Spielern und Klubs.

SPOX: Sie kommentieren bei DAZN häufig zusammen mit einem Experten. Worin besteht für Sie der größte Unterschied, alleine oder im Duo zu kommentieren?

Platte: Ich weiß dieses Modell sehr zu schätzen. Das Vier-Augen-Prinzip hat riesige Vorteile. Zwei Leute bereiten sich unterschiedlich auf ein Spiel vor und sehen andere Dinge. Ich stelle mittlerweile fest, wenn ich etwas alleine kommentiere, dass mir etwas fehlt. Es macht auch Spaß, aber zu zweit ist für mich ein großer Gewinn.

SPOX: Ist die Aufgabenverteilung zwischen Kommentator und Experte klar definiert?

Platte: Da man häufiger mit den Experten zusammen arbeitet, spielt sich das gut ein. Egal ob mit Jonas Hummels, mit Ralph Gunesch, Benny Lauth, Moritz Volz oder mit wem anders. Grundsätzlich sind wir Kommentatoren die ganze Zeit nah dran am Spielgeschehen, aber in der Analyse findet ein reger Austausch statt. Die Experten haben einen besonderen Blick für Taktik, für gutes oder schlechtes Verhalten von Spielern oder Mannschaften. Ihre Erfahrungen als Profis sind ein großer Mehrwert, den man ihnen auch nicht aus der Nase ziehen muss - sie sind alle wunderbar aktiv am Mikro, das macht großen Spaß zusammen.

DAZN zeigt UEFA Champions und UEFA Europa League: Reporter & Experten

Experten
Jonas Hummels
Benjamin Lauth
Per Mertesacker
Ralph Gunesch

 

Social Media und Feedback für Kommentatoren

SPOX: Wie lange bereiten Sie sich auf ein Spiel vor?

Platte: Ich weiß zwei, drei Wochen vorher Bescheid, was ich mache. Dann versuche ich, die Mannschaften besonders im Blick zu behalten. Ich bereite ein Spiel in den Tagen davor so intensiv wie möglich vor. Ich gucke mir das letzte Spiel von beiden Teams an und lese natürlich viel in den Info-Mappen und kreuz und quer im Netz.

SPOX: Wie viele Notizen nehmen Sie mit in die Kabine?

Platte: Ich bin keiner, der den Raum plakatiert. Vieles bleibt während des Recherchierens im Kopf, aber die wichtigsten Sachen schreibe ich schon auf. Es kommt jedoch auch vor, dass ich 90 Minuten kein einziges Mal auf den Zettel schaue.

SPOX: Als Sie Ihre Karriere begannen, gab es Social Media in der Form noch nicht. Mittlerweile ist das Feedback direkter und radikaler. Wie erleben Sie das?

Platte: Ich bin kein Social-Media-Verweigerer, aber ich tummele mich da nicht tagtäglich. Denn es ist ja so: Nach dem gleichen Spiel bekomme ich die Rückmeldung, warum ich Real so schlecht mache, während mir jemand anders schreibt, warum ich Real so in den Himmel lobe. Das ist immer Ansichtssache. Es fehlt hin und wieder der Anstand. Während der WM mussten sich die Kollegen teilweise übelste Beschimpfungen anhören. Sowas muss man in unserem Job ein Stück weit abkönnen und so gut es geht, an sich abperlen lassen.

SPOX: Neben dem Fußball kommentieren Sie bei DAZN schwerpunktmäßig Boxen. Wie kam es dazu?

Platte: Ich hatte schon immer eine große Affinität zu dem Sport. In Hamburger Zeiten habe ich aktiv beim SV Polizei mittrainiert. Ich habe es aber auch schon lange verfolgt und über Jahre hinweg keinen großen Kampf verpasst. Irgendwann war es so, dass Boxen zum DAZN-Portfolio gehörte. Als die Frage aufkam, wer sich für welche Sportarten interessiert, habe ich auch bei Boxen einen Haken gesetzt. So kam ich dazu und es wurde mehr und mehr.

SPOX: Unterscheidet sich für Sie die Arbeitsweise zwischen dem Kommentieren von Fußball im Gegensatz zu Boxen oder Tennis?

Platte: Das unterscheidet sich auf jeden Fall enorm. Ich mag das. Diese Abwechslung hält mich frisch und wach.

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