ICH will gewinnen

Von Für SPOX in Barcelona: Fatih Demireli
Dienstag, 05.05.2015 | 19:40 Uhr
Pep Guardiola kehrt erstmals als Trainer an seine alte Wirkungsstätte zurück
© getty
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Der verlorene Sohn ist in der Stadt seines Herzens angekommen. Doch Pep Guardiola will vor dem Gastspiel gegen den FC Barcelona (Mi., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) von Emotionen nichts wissen und peitscht sich selbst an. Auf dem Weg zum Ziel muss er aber ein paar Probleme aus der Welt schaffen.

Die Emotionen sind nicht hochgekocht. Sie fielen ihm nicht in die Arme, sie brachen nicht in Tränen aus, sie stürmten nicht das Podium, um ihre Sehnsucht mitzuteilen. Wobei, eine Ausnahme gab es.

Einer aus dem dunklen Off applaudierte, als Pep Guardiola den Ricard-Maxench-Saal, den Presseraum des Camp Nou, betrat. Als der einheimische Journalist merkte, dass er keine Mitstreiter hat, die seine Emotionen teilen, stellte er seine Freude-Bekundung schnell wieder ein.

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Die Pressekonferenz im Vorfeld des Hinspiels zwischen dem FC Barcelona und Bayern München war Pep Guardiolas erster offizieller Auftritt im Camp Nou als Gegner des FC Barcelona.

Er agierte hier als Jugendspieler, als Balljunge, als Trainer der zweiten Mannschaft, als Trainer der ersten Mannschaft. Und jedes Mal hatte er das Logo des Klubs auf der Brust. Heute hat er das Barca-Logo nur im Herzen, das des FC Bayern auf der Brust.

Damit es auch alle hören...

Guardiola startete gar nicht den Versuch, die Rückkehr nach Hause als etwas völlig Normales abzutun. "Ich habe hier 30 Jahre gelebt", sagte der Katalane vor über 300 Journalisten, "es ist schön, hier zu sein."

Er hatte aber keine Tränen in den Augen, wie ihm ein Reporter weißmachen wollte. Die Aufregung war dem Sohn der Region dennoch anzumerken, blieb er anfangs doch etwas häufiger in seinen Sätzen hängen, als es ihm lieb war.

Nicht lange später spulte Pep aber sein Programm herunter und schaltete wieder um auf Bayern-Trainer: auf den Erfolgscoach, der ein Halbfinale in der Champions League erfolgreich meistern will und er gab die klare Message: "ICH will gewinnen." Für den Fall, dass irgendjemand im Saal es nicht richtig gehört hat, wiederholte Pep nochmal mit klarer Gestik: "ICH will gewinnen."

Das Gastspiel in Barcelona ist für Pep aber kein leichtes Unterfangen. Er muss nicht nur seine Mannschaft auf einen Gegner vorbereiten, der aus diversen Gründen derzeit als Favorit gilt und in seiner Zusammensetzung eigentlich nicht zu verteidigen ist. Er muss zudem gegen andere Begleiterscheinungen ankämpfen.

Peps Vorteil ist keiner

Da ist zum einen, der "Vorwurf", dass Pep Barca aus dem Effeff kennt und somit einen großen Vorteil im Duell mit Luis Enrique genießt. Doch der Bayern-Trainer sieht diesen Vorteil nicht, obwohl er viele Spieler aus dem aktuellen Barca-Kader trainiert, entwickelt und zu Weltklassespielern geformt hat und sie heute noch intensiv beobachtet.

"Ich kenne die Spieler, die Spieler kennen mich", sagt Guardiola, fügt aber an: "Ich kann das Talent der Spieler nicht kontrollieren. Was Messi oder Neymar machen, kannst du dir nicht vorstellen. Denkst du, sie gehen nach links, gehen sie nach rechts."

Bei Messi geht Pep sogar einen Schritt weiter: "Wenn er so spielt, wie ich es erwarte, kann man ich nicht stoppen." Viele andere Trainer hätten es versucht und seien dabei gescheitert. Jetzt muss es Pep versuchen.

Da ist aber auch eben immer noch das ewige Thema Emotion, die Rückkehr, das Wiedersehen. "Das emotional schwierigste Spiel meiner Karriere", sagte er kürzlich über das Aufeinandertreffen.

Frau und Kind an Bord

Die ganze Sache wird nicht einfacher, wenn Ehefrau Cristina und die drei Kinder, die den Bayern-Tross begleitet haben, und auch ein Großteil der Verwandtschaft, die im Umland Barcelonas lebt, im Stadion sein wird. Normalität ist etwas anderes.

Guardiola wird nicht nachgesagt, von Emotionen umhüllt zu werden, aber durchaus, dass er verbissen und akribisch handeln kann. Manchmal gar eine Spur zu viel. Er wird den Beweis antreten wollen, dass der Sohn der Region ein Großer ist. Und auch in Deutschland gibt es Kritiker zu überzeugen, die einen Champions-League-Titel erwarten.

"Ich habe mich nicht ablenken lassen", sagt Pep über die Therapie gegen die Begleiterscheinungen rund um dieses Spiel und die Spieler bezeugen es. "Er wird auf starke Emotionen treffen, aber wir haben volle Konzentration auf das Halbfinale erlebt. Nichts anderes zählt", sagt Xabi Alonso.

Spielweise? Wie immer

Bleibt nur noch die Frage, wie die Bayern in Barcelona auftreten. Wie 2013, als sie herzerfrischend offensiv spielten und 3:0 gewannen? Die Münchener bejahen das - trotz der Ausfälle von Arjen Robben, Franck Ribery und David Alaba und trotz der Sichtbeeinträchtigung eines Robert Lewandowski, der das Abschlusstraining im Camp Nou vollständig absolvierte und am Mittwochabend mit einer Maske auflaufen wird.

"Ich würde meine Glaubwürdigkeit verlieren, wenn ich meinen Spielern plötzlich etwas anderes sage", sagt Pep über einen möglichen Wechsel der Vorgehensweise. 'Ballbesitz' heißt die Devise. Nur so kann Pep Guardiola im Grunde eine Strategie entwickeln, ein Spiel zu gewinnen. Und genau darum, wie Pep bekanntlich wiederholt zum Ausdruck brachte, geht es. "Ich will gewinnen."

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