"Barcelona hat Sehnsucht nach Pep"

Montag, 04.05.2015 | 09:00 Uhr
Pep Guardiola ist in Barcelona immer noch sehr beliebt
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Pep Guardiola verbrachte sein halbes Leben beim FC Barcelona. Jetzt trifft er mit dem FC Bayern auf seine alte Liebe. Eine Begegnung der besonderen Art, sagt auch Korrespondent Isaac Lluch. Der Katalane verfolgt Guardiola seit Jahren und begleitete ihn auch nach München. Ein Interview über die Liebe eines Balljungen, falsche Twitter-Infos und Fußballspiele im Kopf Guardiolas.

SPOX: Isaac Lluch, die spanische Zeitung "Sport" hat beobachtet, dass Pep Guardiola "unruhig" sei und nicht der Guardiola ist, den man in Spanien kenne. Haben Sie die gleiche Beobachtung gemacht?

Isaac Lluch: Ich habe Pep erst kürzlich gesehen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er nervös oder unruhig war. Die Medien haben manchmal ihre eigene Interpretation, ohne wirklich nah genug an ihm zu sein. Ich kann mich an letztes Jahr erinnern - da gab es vor Barcelona gegen Manchester City einen Medientag. Manuel Pellegrini hatte von diesem Termin überhaupt keine Ahnung und war daher auch etwas zurückhaltend. Die Medien schrieben am nächsten Tag: "Pellegrini ist nervös."

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SPOX: Nicht nervös, aber mit "aufgeregt" kann man sicher den Gemütszustand Guardiolas vor seiner Rückkehr nach Barcelona beschreiben, oder?

Lluch: Ja. Es ist für Pep das emotional schwierigste Spiel seiner Karriere. Das hat er auch zugegeben.

SPOX: Und das kommt nicht von ungefähr: Guardiola ist nicht nur Ex-Spieler und Ex-Trainer in Barcelona: Er ist Fan, er hat eine Dauerkarte, er ist Klub-Mitglied...

Lluch: ...er war Balljunge (lacht).

SPOX: Dieser engen Bindung tat es selbst keinen Abbruch, dass Pep zu Spielerzeiten unfreiwillig gehen musste. Wie ist diese Liebe entstanden?

Lluch: Pep ist ein Mythos in Barcelona. Er war schon als Aktiver kein normaler Spieler. Jeder hat darauf geachtet, was er macht und darauf gewartet, was er sagt. Seine Meinung war es, die gezählt hat. Als Trainer wurde er endgültig zur Symbolfigur - er hat den Klub repräsentiert wie kein anderer. Diese Bindung wird auch immer bleiben. Er wird auf ewig ein Barcelona-Fan bleiben. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass Pep je für einen anderen Klub dieselben Gefühle hegen kann.

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SPOX: Wie werden die Menschen den "verlorenen Sohn" empfangen?

Lluch: Seine Rückkehr ist ein großes Thema. In Barcelona hat man große Sehnsucht nach Pep. Die Post-Guardiola-Ära war sehr traumatisch. Natürlich wollen die Fans, dass ihr FC Barcelona gewinnt, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Camp Nou applaudieren wird, wenn er das Stadion betritt. Pep ist ein emotionaler Typ und er weiß, dass er total im Fokus stehen wird. Ich denke, er wird versuchen, sich zu kontrollieren. Schauen wir mal, ob es ihm gelingt.

SPOX: Messi, Xavi, Iniesta waren großartige Spieler, als Pep schon da war. Sie sind mit Ihm aber noch einmal gewachsen. Sie werden eine ähnliche Gefühlslage haben.

Lluch: Sie sagen heute noch, dass Pep ihr bester Trainer war. Es ist schon so, dass nach langen Jahren der Zusammenarbeit ein paar Spieler müde wurden. Das hat sich aber inzwischen regeneriert. Niemand in Barcelona wollte dieses Halbfinale, man wollte sich frühestens im Finale begegnen. Jetzt müssen alle damit umgehen.

SPOX: Wie wird Guardiolas Arbeit beim FC Bayern in Spanien gesehen?

Lluch: Die Spanier tun sich etwas schwerer, ihn zu kritisieren, als die Menschen hier. Er hat so viel gewonnen und er gewinnt immer noch sehr viel. Ganz einfache Frage: Was soll man da viel kritisieren? Er garantiert nicht nur den Erfolg - auch die Spielweise stimmt. Jose Mourinho ist ebenfalls sehr erfolgreich, aber es ist nicht immer attraktiv. Man muss kein Guardiola-Freund sein, um zu sehen, dass er einen sehr guten Job macht, auch wenn seine Art hinterfragt wird.

SPOX: Sie haben gesagt, dass Pep ein sehr emotionaler Typ ist. In Deutschland wird er manchmal anders dargestellt oder wahrgenommen. Versteht Fußball-Deutschland Pep Guardiola?

Lluch: Ich glaube, die Deutschen versuchen, Pep zu verstehen, aber es ist nicht so einfach. Er kommt aus einer anderen Kultur und er spricht eine andere Sprache. Er hat sein Deutsch sehr verbessert, er kann sich besser artikulieren, aber es bleibt immer noch dabei, dass es nicht seine Sprache ist. Darf ich ein Beispiel geben?

SPOX: Sehr gerne.

Lluch: Vor dem Porto-Spiel hat er auf der Pressekonferenz viel auf Spanisch oder Katalanisch geantwortet. Dann merkt man den Unterschied. Alles, was ihm am Herzen liegt, kommt dann heraus. Weil er das auf Deutsch nicht machen kann, denkt man hier vielleicht, dass er auf Distanz geht. Das andere Problem ist, dass man ihn nur so kennt, wie er rund 20 Minuten auf den Pressekonferenzen spricht.

SPOX: Diese Initiative geht aber von Guardiola aus. Er redet nur auf Pressekonferenzen, er gibt keine Interviews. Das birgt Gefahren.

Lluch: Der mediale Druck in München ist dennoch kleiner als in Barcelona. Dort berichten jeden Tag fünf Sportzeitungen, dazu gibt es viele Talkshows im Fernsehen und im Radio. Hier gibt es die Boulevardpresse, zwei, drei Mal die Woche eine Fachzeitschrift und dann eben diese Pressekonferenzen, wobei ich anfangs schockiert darüber war, dass es Tage gab, an denen es keine einzige Frage an Pep gab. Keine! Markus Hörwick hat ihn gefragt, wie er das Spiel gesehen hat. Danach: "Danke, Tschüss, auf Wiedersehen!" In Spanien wäre das undenkbar.

SPOX: Sie sind auf jeder Pressekonferenz Guardiolas zu Gast, Ihr guter Draht zu Ihm ist bekannt. Wie sehen Sie Ihre Rolle? Müssen Sie manchmal den PR-Mann spielen oder funktioniert das Dasein als klassischer Journalist?

Lluch: Journalismus kann manchmal pervers sein. Als Journalist, der in München lebt und den FC Bayern jeden Tag aus nächster Nähe verfolgt, sehe ich manchmal, dass Kollegen mit weniger Informationen vor allem in den sozialen Medien den Mut haben, alles zu schreiben. Alles. Wieso schreibt jemand bei Twitter, dass Guardiola Müller-Wohlfahrt in Leverkusen applaudiert habe und teilt ein Video, um das zu belegen? Dabei war Müller-Wohlfahrt gar nicht dabei. Er war nicht dort. Aber das haben seriöse Medien übernommen. Ich bin nicht Peps Anwalt, aber ich kann da nicht kritisch sein, sondern muss korrigieren. Nicht alles, weil ich auch Fehler mache, aber immer dann, wenn es nötig ist.

Seite 1: Lluch über Guardiolas Gemütszustand und das CL-Duell mit Barca

Seite 2: Lluch über Machtverhältnisse und eine Pep-Rückkehr nach Barcelona

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