Bayern zwischen Leverkusen und Barcelona

Einmal Scheiße - und zurück?

Sonntag, 03.05.2015 | 22:02 Uhr
Pep Guardiola kehrt im Halbfinale der Königsklasse ins Camp Nou zurück
© getty
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Der FC Bayern bringt das Leverkusen-Spiel ohne erneute Verletzungen hinter sich und kann den Fokus endlich auf das Duell des Jahres mit dem FC Barcelona richten (Mi., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER). Trotz massiver personeller Probleme gibt sich der Rekordmeister kämpferisch. Pep Guardiola will seine große Schmach vergessen machen - und muss dafür sein Meisterstück abliefern.

Pep hat es schon wieder getan. Dabei wollte er das doch gar nicht mehr sagen, hat es sogar selbst als großen Fehler betitelt, diesen Satz überhaupt in den Mund genommen zu haben. "Die Bundesliga ist vorbei", waren Guardiolas fatale Worte im vergangenen Frühling. Und jetzt? Hat er es schon wieder getan.

Ende März ging die Misere damals los. 3:3 gegen Hoffenheim, erste Saisonpleite gegen Augsburg, eine deftige Watschn vor eigenem Publikum gegen Dortmund. Der Rhythmus war weg, die Souveränität verloren. Das Ende, das ist bekannt: Die höchste bayerische Heimpleite in der Europapokalgeschichte. "Die größte Scheiße, die ich als Trainer je gemacht habe", wie es Pep nach dem 0:4 gegen Real Madrid selbst ausdrückte.

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Wie die Geier stürzten sich die Kritiker auf die damaligen Aussagen des Katalenen. Und obwohl sich ein Jahr später vieles ähnelt - die frühe Meisterschaft, das Halbfinale in der Königsklasse gegen den größten Mitfavoriten -, kann man Pep heute keinen Strick mehr daraus drehen, die Bundesliga abgehakt zu haben. Dazu sind die Münchner Personalsorgen zu groß.

"Das war das Allerwichtigste für uns"

Ein "Alibi" soll das alles trotzdem nicht sein, beteuerte Sportvorstand Matthias Sammer vor einer Generalprobe gegen Bayer Leverkusen, die diesen Namen überhaupt nicht verdient hatte. Ein Spiel, das man spielte, weil es eben auf dem Spielplan stand. In dem mit Manuel Neuer und Philipp Lahm genau zwei Akteure in der Startelf waren, die auch am Mittwoch im Campo Nou um kurz vor neun Uhr die Champions-League-Hymne auf dem Rasen hören werden.

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"Uns lag am Herzen, dass sich hier heute keiner verletzt hat. Das war das Allerwichtigste für uns", redete der Keeper gar nicht erst um den heißen Brei. Am Ende standen in Leverkusen eine knappe Pleite und zwei unerfreuliche Erkenntnisse: Die Bilanz gegen die Topteams der Liga bleibt mit zwei Siegen aus zehn Spielen weiter mehr als dürftig. Und Mario Götze, der WM-Held, dessen Genialität die personell so geschundene Mannschaft bitter nötig hätte, ist weiterhin ein Schatten seiner selbst.

Ein kleines bisschen Hoffnung Richtung Barcelona gab's neben der Tatsache, dass alle Akteure heil geblieben sind, aber auch. 255 Tage nach seinem Zusammenprall mit Marcel Schmelzer, der mit einer komplizierten Kreuzbandverletzung endete, feierte Javi Martinez ein ordentliches Comeback.

Ob und wie lange der gefühlte Neuzugang auch gegen die Katalanen eine Option ist, das weiß wohl noch nicht einmal Coach Guardiola selbst. Doch sind es Typen wie der Triple-Held von 2013, die die Bayern jetzt brauchen. Die sich auch im Angesicht einer eigentlich einkalkulierten Niederlage mit dem B-Team hinstellen und Dinge sagen wie: "Ausreden gibt es nicht, wir repräsentieren immer noch den FC Bayern."

El Tridente vs. kein Tridente

Zum Leidwesen der Münchner werden die drei wichtigsten Repräsentanten im Angriff fehlen. Arjen Robben fällt nach seinem Muskelbündelriss in der Wade aus dem Dortmund-Spiel für den Rest der Saison aus, Franck Ribery ist nach wochenlanger Verletzung "eher weit weg", wie Sammer nach dem Spiel im ZDF zugab. Und auch Robert Lewandowskis Einsatz käme nach seinem Kiefer- und Nasenbeinbruch wohl einer wundersamen Heilung gleich, obwohl der Pole selbst in Optimismus macht.

So muss Pep bei seiner Rückkehr ins Camp Nou offensiv auf Plan C zurückgreifen. Und das, während auf der anderen Seite El Tridente wartet, die wohl beste Angriffsreihe des Kontinents. Die am Samstag Cordoba auswärts in alle Einzelteile zerlegte. 0:8 stand am Ende auf der Anzeigetafel, an genau einem einzigen Tor waren Lionel Messi, Neymar oder Luis Suarez nicht direkt beteiligt.

Die Münchner Offensive kommt dagegen auf dem Zahnfleisch daher. Auch wenn es "ein gutes Zahnfleisch" ist, wie Thomas Müller - für den Clash gegen Barca in Leverkusen extra geschont - nach Porto noch scherzte.

Dennoch sind die Münchner nach Wochen voller Spiele, die "an die Substanz gingen, wie es schlimmer nicht geht" (Sammer), weit weg von einem Resultat, wie im Halbfinale in der Triple-Saison, als die Bayern Barca mit 4:0 und 3:0 förmlich deklassierten. Da kann das Zahnfleisch noch so gut sein - das sieht auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge so. Als "großen Favoriten" bezeichnete der Vorstandsvorsitzende den kommenden Gegner, Sammer wollte nicht in gleichem Maße einstimmen und betitelte das Team von Luis Enrique als "minimalen Favoriten" mit "kleinem Momentum" auf seiner Seite.

Große Liebe, größte Schmach, größte Scheiße

Der Respekt auf Seiten der Bayern ist dennoch groß vor einem Gegner in Überform, der seit Februar kein Spiel mehr verloren hat. Auch und vor allem bei Pep, der das erste Mal als Coach eines anderen Teams an der Seitenlinie des Camp Nou stehen wird. Der ausgerechnet gegen seine erste große Liebe die größte Schmach und größte Scheiße vergessen machen will - und muss.

Zwar stellte sich Sammer in der BayArena noch einmal demonstrativ vor den Trainer, Guardiola habe "fünf Titel geholt und die zwei Jahre sind noch nicht einmal um". Man würde sich "nichts kaputt reden lassen. Der Trainer und die Spieler haben eher ein Kompliment verdient, als irgendwelche Kritik".

Doch sind es die internationalen Titel, allen voran der Pott mit den großen Ohren, an denen sich Guardiola messen lassen muss. Der Grund, warum ihn die Münchner an die Isar gelotst haben. Jetzt muss Pep zaubern und sein vorläufiges, taktisches Meisterstück abliefern, um dem Favoriten aus Katalonien ein Bein zu stellen. Um das 0:4 gegen Madrid endgültig vergessen zu machen.

An der Möglichkeit, die Katalanen wieder in die Knie zwingen zu können, daran zweifelt man in München trotz aller Sorgen nicht. "Wir sind Bayern und wir lieben Herausforderungen", zeigte sich Sammer ebenso kämpferisch wie Müller, der zugab, dass es durchaus "Spaß macht, mit dem Rücken zur Wand zu spielen". "Wer für ein Halbfinale nicht bereit ist, der ist eh fehl am Platz", richtete auch der Kapitän Philipp Lahm den Fokus auf zwei heiße Duelle. Schließlich soll es in zwei Wochen nicht heißen: Die Champions League ist vorbei.

Der FC Bayern München in der Übersicht

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