Didier Drogbas Rückkehr an die Stamford Bridge

Drogba: Es ist noch immer Liebe

Dienstag, 18.03.2014 | 14:58 Uhr
Didier Drogba erzielte in der laufenden CL-Saison zwei Tore
© getty
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Didier Drogba kehrt an diesem Dienstag zwei Jahre nach seinem Weggang vom FC Chelsea an die Stamford Bridge zurück. Für den Ivorer kein leichtes Unterfangen, ist er doch mit den Blues immer noch ein Herz und eine Seele. Auch bei Galatasaray ist er längst heimisch geworden, aber ob Drogba dort eine Zukunft hat, ist mehr als fraglich.

Wenn Jose Mourinho über Didier Drogba spricht, dann geht es beim Portugiesen immer um "einen der besten Stürmer der Welt". Mit Betonung auf "heute noch".

Sicherlich hat Drogba ob seines Alters - er ist vor einer Woche 36 geworden - etwas an Schnelligkeit eingebüßt und sicherlich war er auch schon mal robuster. Allerdings waren seine Qualitäten ohnehin nie nur auf seine Körperlichkeit beschränkt.

Didier Drogba - das steht auch für Intelligenz, für einen gewissen Instinkt, den man haben muss, wenn man über Jahre zu den besten Angreifern der Welt gehören will; diesen Riecher im richtigen Moment das Richtige zu tun und manchmal auch eine Situation vorauszusehen.

"Schön, hier zu sein"

Und getrost kann man sagen, dass der Ivorer diese Fähigkeiten seit jeher nicht nur auf dem Platz demonstriert. Den Beweis lieferte er am Dienstag, als Galatasaray vor dem Champions-League-Rückspiel beim FC Chelsea (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) zur Pressekonferenz einlud und freilich Drogba als Redner präsentierte.

Doch bevor die zahlreich anwesenden Journalisten ihre Fragen loswerden konnten, kam ihnen Drogba zuvor. "Ich will mir heute selbst ein paar Fragen stellen", sagte Drogba und begann: "Didier, wie ist es für dich an die Stamford Bridge zurückzukehren?" Großes Gelächter im Presseraum der Stamford Bridge. Und natürlich antwortete Drogba auch auf seine eigene Frage, die ihm ein Journalist ganz sicher gestellt hätte: "Es ist schön, hier zu sein und bekannte Gesichter zu sehen."

Die Freude wird erwidert werden, ganz egal, wie sich das Spiel am Dienstagabend gestaltet und wer nach dem 1:1 im Hinspiel weiterkommt. Drogba wird mit Standing Ovations empfangen und er wird sein altes Wohnzimmer auch mit Applaus wieder verlassen werden.

Die Sehnsucht gestillt

Chelsea-Fans haben schon einen Tag vor dem Spiel Drogba-Banner und Plakate im Stadion platziert. Seine ehemaligen Kollegen haben für das Wiedersehen in London die eine oder andere Verabredung zum Essen ausgemacht. Selbst Mourinho hat nach Drogba-Angaben gebeten, bei Gelegenheit gemeinsam zu dinieren.

Dass Spieler auf ihre alten Klubs treffen, ist keine Seltenheit und so normal wie alles andere im Fußball. Eine Rückkehr an alte Wirkungsstätte sollte nicht mehr allzu extravagant bewertet werden, passiert es inzwischen doch fast jede Woche. Aber Drogbas Beziehung zu den Blues ist dann doch etwas anderes. Es ist wie bei einer Jugendliebe. Tief im Herzen findet man immer noch einen besonderen Platz, auch wenn man inzwischen einen neuen Lebensabschnitt begonnen hat.

Das mag man bei Chelsea nicht verhehlen und auch Drogba tut es nicht. "Ich werde mich nicht freuen, wenn ich ein Tor erziele, ich werde mich aber freuen, wenn wir weiterkommen", so der Ivorer. Drogba steckt im Dilemma: Er mag beide Anhängerschaften nicht verprellen. In der Familie Drogba ist die Situation ähnlich schwierig. "Ich denke Galatasaray", antwortete Drogba auf die Frage, für wen das Herz seines Sohnes am Dienstag schlagen werde. "Aber fragen sie ihn selbst."

Gute Beziehung zu Galatasaray

Allerdings will Drogba auch nicht den Eindruck aufkommen lassen, dass er mit imaginärem Fanschal und Fahne auf dem Platz steht und gar Chelsea das Weiterkommen gönnt. "Ich fühle mich bei Galatasaray sehr wohl und ich kann mir Freundschaften für 90 Minuten nicht erlauben. Wir wollen weiterkommen", sagt er bestimmt. Denn auch bei Galatasaray fühlt sich Drogba längst heimisch und hat eine gute Beziehung zu Anhänger und dem Klub aufgebaut.

Das Weiterkommen ist alleine schon aus sportlicher Sicht Anreiz genug. In der Liga hat Galatasaray fünf Zähler Rückstand auf Fenerbahce. Bald sind es acht, wenn der türkische Fußballverband das Skandalspiel zwischen Trabzonspor und Fener erwartungsgemäß mit 3:0 für den Spitzenreiter wertet.

Um die Saison nicht zum gefühlten Flop zu verkommen lassen, bleibt Galatasaray die Champions League, in der man schon im Vorjahr das Viertelfinale erreichte und den Erfolg nun wiederholen will. Klub-Präsident Ünal Aysal gab dies zu Saisonbeginn als klar formuliertes Ziel aus.

Für Mancini zu alt?

Und für Drogba sind es womöglich auch die letzten Abschnitte auf seiner Lieblingsbühne Champions League, wo er in 86 Spielen 42 Tore erzielte und Zehnter in der ewigen Torjägerliste ist.

Seine Zukunft bei Galatasaray ist völlig offen - mit der Tendenz, dass man sich zum Saisonende wohl trennt. Drogbas Vertrag läuft aus, der Ivorer will einen Zwei-Jahres-Vertrag, den ihm Galatasaray aktuell nicht anbieten möchte. Der Klub bevorzugt eine Ein-Jahres-Verlängerung mit Anschlusstätigkeit im Klub. Drogba fühlt sich aber noch nicht so alt, um aufzuhören und als Funktionär aufzutreten.

Erschwerend für Drogba kommt hinzu, dass Roberto Mancini die Galatasaray-Mannschaft verjüngen will. In seiner ersten Transferperiode im Winter ließ der Italiener neun Spieler verpflichten. Alle jung, alle mit Perspektive. Dortmunds Koray Günter war einer von ihnen. Da Galatasaray zudem mit der Ausländerbegrenzung in der Süper Lig kämpft und diese in der neuen Saison weiter verschärft wird, könnte es für Drogba eng werden.

Schon jetzt probt Mancini hier und da ohne Drogba, ließ ihn zuletzt bei einem wichtigen Auswärtsspiel pausieren. Bei der Anhängerschaft und auch auf Vorstandsebene kam die gutgemeinte Schonungsmaßnahme nicht gut an, zumal Drogba mit zehn Toren und vier Assists eine passable Runde spielt. Jedes weitere Tor - gerade in der Champions League - könnte Drogba beim Werben um einen Zwei-Jahres-Vertrag helfen.

Geht es in die USA?

Bange um seine Zukunft muss dem Superstar allerdings nicht werden: Es gibt immer noch einen Markt für ihn, der ihm eine erlesene Auswahl bietet. Ein mögliches Ziel sind die Vereinigten Staaten. Die Seattle Sounders haben - so heißt es - ein lukratives Angebot gemacht. Für USA-Fan Drogba ein schöner Ausklang der Karriere? Oder geht die Reise doch noch einmal zurück zum FC Chelsea?

Es gilt als sicher, dass Drogba eines Tages an die Stamford Bridge zurückkehren wird, ob als Spieler oder in einer anderen Funktion. Eine pikante Note hätte es durchaus, wenn Mourinho nach der Posse um Samuel Eto'os Alter einen noch älteren Angreifer holen würde. Schließlich ginge es dann weiterhin um "einen der besten Stürmer der Welt"...

Didier Drogba im Profil

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